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Brüggen
Was wird aus Brüggens Hallenbädern?

Brüggen: Was wird aus Brüggens Hallenbädern?
Das Hallenbad in Brüggen ist seit vergangener Woche Donnerstag geschlossen — wie ein Zettel an der Tür verrät, voraussichtlich bis zum 7. Januar. Trost für alle Nutzer: Die Karten behalten ihre Gültigkeit. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Seit bekannt ist, dass die Schwimmbäder in Bracht und Brüggen sanierungsbedürftig sind, wird nach einer Lösung gesucht. Ein Workshop mit Politikern, Verwaltungsmitarbeitern und Vereinsvertretern brachte Erstaunliches zutage Von Birgitta Ronge

Eins vorweg: Das Hallenbad in Brüggen, das in der vergangenen Woche wegen eines "erheblichen Defekts an der Beckenwasserdesinfektion" geschlossen werden musste, soll wieder geöffnet werden. Dies erklärte Kämmerer Oliver Mankowski, Chef der Bäderbetriebe, am Dienstagabend im Betriebsausschuss. Für heute ist ein Ortstermin mit einem Ingenieur vorgesehen, der sich das Problem ansehen will, so Mankonwski. Er äußerte sich zuversichtlich, dass der Experte eine Lösung findet. In der Ratssitzung am 12. Dezember will er berichten, wie es um das Hallenbad bestellt ist.

Doch selbst wenn das Bad zu Jahresbeginn wieder geöffnet werden kann, bleibt die Sorge um den Erhalt einer Schwimmmöglichkeit in der Gemeinde. Sie betreibt zwei Hallenbäder: eins in Bracht, eins in Brüggen. Beide sind sanierungsbedürftig. Wie das Architekturbüro Krieger im Sommer erläuterte, würden Sanierung und Modernisierung des Brüggener Bades 2,28 Millionen Euro netto kosten, die des Brachter Bades rund 1,95 Millionen Euro netto. Kosten für Planung und Gutachten kämen hinzu.

Im Juli beschloss der Brüggener Rat, das Architekturbüro drei Varianten prüfen zu lassen: die Schließung in Bracht und die Sanierung des Brüggener Bades, die Schließung beider Bäder und der Neubau eines Bades auf Gemeindegrund oder die Schließung beider Bäder und der Neubau eines Bades mit Nachbarkommunen. Nachdem sich Bürger dafür eingesetzt hatten, auch die Kosten für einen Neubau in Bracht prüfen zu lassen, wird Krieger auf Beschluss des Rates auch diese Variante einbeziehen.

Dass in einem Workshop vor zwei Wochen nur die Prüfung von zwei Varianten - nämlich der Neubau eines Gemeindebads oder der Neubau eines interkommunalen Bads - von den Teilnehmern favorisiert wurden, spielt keine Rolle: Wie Mankowski betonte, habe die Verwaltung vom Rat den Auftrag erhalten, die vier Varianten zu prüfen.

An dem Workshop nahmen 24 Personen teil, darunter Vertreter der Fraktionen, Mitarbeiter der Verwaltung, Schwimmmeister, Vertreter der Sportvereine, der Behindertenvereinigung, der Gesamtschule Brüggen und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sowie zwei Mitarbeiter der deutschen Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft (DSBG).

Fachleute rechnen damit, dass der demografische Wandel dazu führen wird, dass das Schwimmen beliebter wird. "Mit 80 steht man nicht mehr auf dem Kunstrasenplatz", so brachte es Dirk Hufschmidt (FDP) im Ausschuss auf den Punkt. Doch Schwimmen könne man bis ins hohe Alter.

Wichtiger Punkt in der Diskussion ist die Kostenfrage. Fachleuten zufolge müsse man bei einem Sportbad mit einem hohen Betriebskostenzuschuss rechnen, da es überwiegend dem Schul- und Vereinssport diene, also kaum Einnahmen erziele. Ein Familienbad wäre im Bau teurer, würde aber mehr Einnahmen bringen. Noch teurer im Bau wäre ein Wellnessbad. Es könne aber, so die DSBG, bei gutem Management einen positiven Deckungsbetrag einbringen, etwa durch Kosmetikangebote und Gastronomie.

Christoph Kuhn von der DSBG hatte im Workshop empfohlen, Sauna und Wellness hinzuzunehmen - die Nachfrage sei in der Region sehr groß, der Einzugsbereich des Bades umfasse 1,7 Millionen Menschen. Für Angebote wie Wellness und Sauna konnten sich die Teilnehmer des Workshops allerdings mehrheitlich nicht erwärmen. Sie favorisieren "fünf Sportbahnen und eine Rutschbahn", wie René Bongartz (Grüne) im Betriebsausschuss sagte. Er sei "völlig enttäuscht" aus dem Workshop gegangen und mahnte: "Letztendlich entscheiden wir als Rat, was wir machen."

Bei den Überlegungen spielen auch die laufenden Kosten eine Rolle: Ein kleines Sportbad könnte Schätzungen zufolge jährlich zu einem Defizit von 1,5 Millionen Euro oder mehr führen. Bei einem größeren Bad für zwei Gemeinden würde man gemeinsam das Defizit schultern. Bauamtsleiter Dieter Dresen machte deutlich, dass man kein Bad ohne Zuschussbedarf werde betreiben können. Dresen: "Die Frage ist nur: Was bekommen wir für den Zuschussbedarf? Ein kleines Sportbad oder ein interkommunales Bad, das deutlich mehr kann?" Er machte wenig Hoffnung, zwei Bäder bauen zu können: "Mehrere Standorte führen zu höheren Personal- und Betriebskosten."

Quelle: RP
 
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