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Niederkrüchten
Wasser aus dem Gützenrather Feld

Niederkrüchten: Wasser aus dem Gützenrather Feld
Betriebsleiter Klaus Coenen zeigt am Schaubild den Weg des Wassers. Gelb-grün gezeichnet ist die Filteranlage, in der das Wasser von Mangan und Eisen befreit und gehärtet wird. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Niederkrüchten. Die Gemeindewerke Niederkrüchten feiern am Sonntag das 40-jährige Bestehen des Wasserwerks in Dam. Wir haben uns angeschaut, wie aus Grundwasser Trinkwasser wird Von Birgitta Ronge

Die Brunnen liegen zwischen Dam und Gützenrath im Wald. Geschützt von hohen Zäunen wird hier, im Gützenrather Feld, das Wasser gewonnen, das Niederkrüchtener Bürger täglich trinken, zum Kochen, Waschen oder Duschen brauchen. Doch das Wasser, das hier gewonnen wird, ist noch nicht trinkbar. Im Wasserwerk wird es gereinigt und aufbereitet.

Im Wald fördern zwei Flachbrunnen Rohwasser aus 40 Metern Tiefe. Zwei Tiefenbrunnen holen es aus 200 Meter Tiefe empor. Oben wird es im Verhältnis 3:1 gemischt: Drei Teile kommen aus den Tiefenbrunnen, ein Teil aus den Flachbrunnen. "Die Flachbrunnen haben ein erhebliches Nitrataufkommen", erklärt Klaus Coenen, Betriebsleiter des Wasserwerks. Das Rohwasser aus den Flachbrunnen weist einen Nitratgehalt von etwa 110 Milligramm pro Liter (mg/l) auf - der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 mg/l. Das Wasser aus den Tiefenbrunnen hingegen enthält gar kein Nitrat. Um Trinkwasserqualität liefern zu können, mischen die Gemeindewerke das Wasser. Dadurch liegt der Nitratgehalt im Trinkwasser bei 22 bis 25 mg/l. Damit durch Gülleeinträge nicht noch mehr Nitrat in den Boden gelangt, setzen die Gemeindewerke auf eine Kooperation mit 17 Landwirten, die Böden rund um die Brunnen bewirtschaften. Aufklärung und Beratung, auch Begrünung, sollen helfen, das Grundwasser zu schützen.

Dieser Brunnen fördert Wasser aus 200 Metern Tiefe. FOTO: biro

Das Rohwasser aus den Brunnen fließt ins Wasserwerk in Dam. Dort wird es in einer riesigen Filteranlage zunächst von Eisen und Mangan befreit. Die Stoffe sorgen dafür, dass das Wasser aus den Tiefenbrunnen nicht klar ist, sondern schmutzig-braun. Um klares Wasser zu bekommen, muss beides herausgefiltert werden. Außerdem wird Hydrocarbonat beigegeben. "Wir haben ein sehr weiches Wasser, das würden Sie nicht trinken wollen", erklärt Coenen. "Durch Hydrocarbonat wird es ein bisschen härter."

Durch zwei Becken, in denen sich ebenfalls noch Rückstände absetzen, fließt das Wasser weiter in zwei "Riesler-Türme". Dort wird dem Wasser die Kohlensäure entzogen: Es rieselt über eine blaue Oberfläche, die durch ihr gerilltes und gewelltes Profil sehr groß ist. Unterwegs verliert das herabrieselnde Wasser so seine Kohlensäure. Nach der Entsäuerung wird das Wasser nicht mehr als Roh-, sondern als Reinwasser bezeichnet.

Die Filteranlage kann 300 Kubikmeter Wasser pro Stunde filtern. FOTO: Busch

2000 Kubikmeter Reinwasser können die Gemeindewerke vorrätig halten. Dafür gibt es zwei große Becken. Jedes Becken sieht ein bisschen wie ein Keller-Schwimmbad aus: Ein paar Stufen und ein Geländer führen hinab zum Grund des Beckens. "Da würden Sie aber nicht drin schwimmen wollen", gibt Coenen zu bedenken, "das Wasser ist zehn Grad kalt". Im Winter reicht eine Füllung der beiden Becken aus, um die Bevölkerung einen Tag lang zu versorgen: In der kalten Jahreszeit nehmen die Niederkrüchtener Haushalte rund 2000 Kubikmeter Wasser pro Tag ab. Im Sommer ist es mehr, dann verbrauchen die Niederkrüchtener 2500 bis 3000 Kubikmeter Wasser pro Tag - weil sie häufiger duschen, das Planschbecken füllen oder den Garten wässern. Das meiste Wasser wird am Morgen zwischen 6.30 und 8 Uhr verbraucht, ebenso geht die Verbrauchskurve am Abend ab 18 Uhr nach oben. Wenig Wasser verbrauchen die Niederkrüchtener nachts: im Winter etwa zehn Kubikmeter, im Sommer 20.

Im Büro zeigen Computer permanent den Wasserverbrauch in der Gemeinde an. "In so einem kleinen Netz kann man sehen, wenn jemand nachts eine größere Wassermenge braucht, zum Beispiel den Pool befüllt", sagt Coenen. Am Computer sehen die Mitarbeiter auch, wie es um die Wasserqualität bestellt ist. Heute liegt der pH-Wert des Trinkwassers bei 7,68, der Nitratgehalt bei 23,18 mg/l, der Chlorgehalt bei 0,0 mg/l. "Alle Werte werden dokumentiert und ans Gesundheitsamt, die untere Wasserbehörde und die Bezirksregierung geschickt", sagt Coenen. Ständig werde Trinkwasser und Leitungsnetz analysiert, 400 bis 600 Analysen gebe es pro Jahr. Coenen: "Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel, das ich kenne."

Am Riesler-Turm verliert das Wasser die natürliche Kohlensäure. FOTO: Busch
Quelle: RP
 
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