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Niederkrüchten
Wassong will schnell Vertrauen schaffen

Niederkrüchten. Die Bürger der Gemeinde Niederkrüchten haben sich wieder für einen parteilosen Bürgermeister entschieden. Kalle Wassong hat den (Wahl-)Kampf zweier sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten gewonnen. Von Jochen Smets

Es war eine Sensation, als der parteilose Kandidat sich in der Stichwahl gegen den CDU-Konkurrenten durchsetzen konnte. Im Ratssaal herrschte bei Bekanntgabe der Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen eine Stimmung wie im Fußballstadion - lautstark wurde der Außenseiter bei jedem gewonnenen Wahlkreis bejubelt. Am Ende gewann der unabhängige Kandidat mit 68,3 Prozent. Das war am 10. Oktober 2004, und der Sensationssieger hieß Herbert Winzen. Er feierte gegen den CDU-Bewerber Johannes Wahlenberg einen Erdrutschsieg.

Gemessen daran ist die Stimmung im Rathaus elf Jahre später geradezu dezent. Es dauert keine Viertelstunde, bis am Sonntagabend die Ergebnisse aller Wahlkreise verkündet sind, und schon nach den ersten Zwischenresultaten ist klar: Es wird eine sehr eindeutige Angelegenheit zugunsten von Kalle Wassong, der schließlich bei 67,3 Prozent landet. Am Ende gibt es warmen Applaus, aber keine Jubelgesänge, wie sie übermütige Winzen-Fans nach der Wahl 2004 anstimmten. Es ist keine Sensation mehr, dass ein Parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Niederkrüchten wird. Wassong ist von Anfang an mit dem Selbstbewusstsein eines Kandidaten angetreten, der weiß, dass er es schaffen kann. Der 53-Jährige hat einen engagierten, kreativen Wahlkampf geführt. Sein größter Vorteil: Wassong hat die Gabe, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Menschen ins Gespräch kommen zu lassen. Moderieren, Interessen ausgleichen, Netzwerke knüpfen, Widerstände überwinden, Konflikte lösen - das sind seine Stärken.

In der CDU dürfte es Aufarbeitungsbedarf geben: Die nach wie vor stärkste politische Kraft in der Gemeinde hat zum zweiten Mal eine Bürgermeisterwahl haushoch gegen einen parteilosen Konkurrenten verloren. Vielleicht hat die CDU ihren Kandidaten Bennet Gielen zu eindimensional präsentiert: Der 35-Jährige, der als persönlicher Referent des Landrats in der Kreisverwaltung arbeitet, ist ein ausgewiesener Verwaltungsprofi. Das war das Hauptargument im Wahlkampf. Doch das zog - bei allem Engagement - nicht gegen den volksnahen Wassong. "Ein Kompetenzwahlkampf ist schwer zu gewinnen", sagte Gielen im Nachgang. Er wirkte schon am Wahlabend sehr gefasst und gratulierte Wassong - beide schätzen sich sehr - fair und aufrichtig. Gielen blickt nach vorn: Am 18. November wählt die Niederkrüchtener CDU einen neuen Vorstand. "Wie es aussieht, werde ich wieder kandidieren", sagt der amtierende Parteivorsitzende. Wassong sicherte er seitens der CDU "eine konstruktive Ratsarbeit" zu. Das Wahlergebnis hat Gielen verdaut: "So ist Politik: Die Wähler haben sich anders entschieden." Sie haben sich nicht für den Verwaltungsprofi entschieden, sondern für den Moderator und Kommunikator. Vielleicht braucht die Gemeinde trotz (oder gerade wegen) der kommenden Herausforderungen - Flüchtlingsunterbringung, Flughafenkonversion, Haushalts-Konsolidierung - einen solchen politischen Seiteneinsteiger, der über den Tellerrand blicken und auch mal um die Ecke denken kann.

Wassongs erster offizieller Arbeitstag ist der 21. Oktober. Doch der Bürgermeister-Job hat am Sonntagabend schon begonnen, beim ersten Händeschütteln oder später beim Small Talk bei der Feier in der Gaststätte Lücker. "Ich habe viele positive Signale aus den Ratsfraktionen und von den Mitarbeitern der Verwaltung bekommen", sagt Wassong. Er möchte schnell gegenseitiges Vertrauen schaffen: "Ich bin kein Harmonie-Engel. Konflikt und Auseinandersetzung sind wichtig - aber jetzt müssen wir uns schnell zusammenraufen."

Unabhängig vom Ausgang der Wahl: Dieser Wahlkampf war für die Gemeinde ein Gewinn. Der Ideen-Wettstreit unter fünf Kandidaten hat Impulse gegeben. Politiker und Bürger sind ins Gespräch gekommen - beim Hausbesuch oder am Infostand vor dem Supermarkt. Das politische Leben in der Gemeinde Niederkrüchten hat eine Vitaminspritze bekommen. Wassong will den Bürgern auch jenseits von Wahlkämpfen die Möglichkeit geben, ihre Anregungen, Sorgen und Ideen loszuwerden. Er hat dazu einige Ideen im Kopf: "Diesen Drive müssen wir mitnehmen."

Quelle: RP
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