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Niederkrüchten
Wehr hofft für Unfalleinsätze auf elektronische Hilfe

Niederkrüchten. Für die Führungskräfte der Niederkrüchtener Wehr - vom Brandmeister an aufwärts - stand ein arbeitsreiches Wochenende auf dem Programm: Fortbildung in technischer Hilfe nach Verkehrsunfällen. Sechs von ihnen waren vor einiger Zeit bei einem Lehrgang eines Herstellers für technisches Gerät für diese Art von Hilfeleistungen gewesen. Sie sollen nun als Multiplikatoren fungieren und ihr Wissen zunächst an die anderen Führungskräfte und dann auch an die anderen Mitglieder der Löschzüge weitergeben. "Das war für die Gemeinde eine kostengünstige Lösung", sagt Wehrführer André Erkens. "Dadurch, dass nur sechs Personen auf den Lehrgang geschickt wurden, konnten etwa 12 000 Euro eingespart werden." Von Heike Ahlen

Die technische Hilfe nimmt einen immer größeren Teil der Hilfeleistungen durch die Feuerwehr ein, die Anforderungen dafür verändern sich rasant. War in den 1970er-Jahren noch ein einfaches Brecheisen ein Mittel, um eine nach einem Verkehrsunfall im Auto eingeklemmte Person zu befreien, so brauchte man später Schere und Spreizer.

Heute müssen diese Geräte schon eine immense Kraft haben, sonst haben sie gegen die modernen Autos keine Chance. Denn die Hersteller optimieren die Fahrzeuge immer weiter - mit Airbags und Verstrebungen, die verhindern sollen, dass die Fahrgastzelle bei einem Aufprall völlig eingedrückt wird. Was für die Insassen zuerst lebensrettend ist, kann kurz darauf für die Retter zum Problem werden. Denn aufgrund dieser Verstrebungen und Airbags kann nicht bei jedem Auto die Schere überall angesetzt werden, um die Insassen zu befreien. Ansonsten könnte ein Airbag, der beim Unfall noch nicht ausgelöst hat, dann noch auslösen und den Eingeklemmten und den Retter verletzen.

Die Niederkrüchtener Führungskräfte üben in zwei Gruppen und mit unterschiedlichem Werkzeug. Acht Autos hat ihnen das Dülkener Abschleppunternehmen Bröker dafür zur Verfügung gestellt. Weil es so viele verschiedene Modelle mit ihren Besonderheiten gibt, geben die Autohersteller Modell-Karten heraus, auf denen die Retter sehen können, wo in welchem Auto welche Airbags und Verstrebungen liegen. Die Ausdrucke aus dem Internet füllen inzwischen sieben Ordner, die auf einem Feuerwehrfahrzeug untergebracht werden müssen, um sie am Unfallort zur Hand zu haben. "Und eigentlich müssten wir jede Woche neue Karten ausdrucken, weil neue Modelle hinzukommen", sagt der stellvertretende Wehrführer Jens Classen.

Besser aber wäre es, so Erkens, ein System mit Tablet-PC zu haben, wo in Sekundenschnelle alle Modelle abrufbar sind. Dort sollen auch die Einsatzpläne für größere Gebäude wie Altenheim und Schulen und die Hydrantenpläne für das Gemeindegebiet hinterlegt werden. "Die notwendige Anschaffung dieses Hilfsmittels scheiterte leider im letzten Jahr kurzfristig, weil der Feuerwehr kein Geld zur Verfügung gestellt wurde. Wir hoffen jedoch, dieses Jahr die entsprechenden Geldmittel zu erhalten", sagt der Wehrführer.

Einstweilen üben die Wehrleute die Zusammenarbeit an der Unfallstelle. Die Lernenden werden später den anderen Mitgliedern der Löschzüge die Techniken vermitteln. "Die Feuerwehr muss halt immer bereit sein den Einsatzerfolg sicher zu stellen. Auch wenn uns mal wieder kurzfristig die technischen Hilfsmittel verwehrt werden", so Erkens.

Quelle: RP
 
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