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Serie Mein Verein
Weil Frauen historisch zu kurz kommen

Serie Mein Verein: Weil Frauen historisch zu kurz kommen
Angela Klein-Kohlhaas stöbert gern in Geschichtsbüchern nach Frauengeschichten. FOTO: Busch
Viersen. Männer schreiben auf, was Männer gemacht haben. Der Verein "Euregia - Frauenwege zwischen Rhein & Maas" interessiert sich für die Bedeutung der Frauen in der Geschichtsschreibung. Seit 2011 betreiben sie historische Detektivarbeit Von Sigrid Blomen-Radermacher

VIERSEN Frau Holle ist bekannt, Amelia Earhart auch, aber wer hat schon mal etwas von Schola Kreuzer gehört? Vermutlich die wenigsten. Während Frauen in Märchen eine große, oft die Hauptrolle spielen, gehen sie in der großen Geschichtsschreibung häufig unter, auch wenn sie immer eine bedeutende Rolle spielten und spielen. Mit diesen - eher unsichtbar gebliebenen - Frauen befasst sich der Frauenhistorische Verein in Viersen.

Ein Verein von Frauen für Frauen? "Nein", sagt die erste Vorsitzende Angela Klein-Kohlhaas lachend. "Wir sind für alle offen." Auch wenn die 22 Mitglieder tatsächlich ausschließlich weiblich sind.

Vor fünf Jahren, am 19. Juli 2011, hat sich der Verein gegründet. Dies sei aus dem Bewusstsein heraus geschehen, dass eine große Notwendigkeit bestehe, die Geschichte bewusst aus der Perspektive von Frauen zu betrachten, erklärt Klein-Kohlhaas. Traditionell ist die Geschichtsschreibung eben männlich: Männer schreiben auf, was Männer getan haben. Und dabei bleibe die Geschichtsschreibung etwas einseitig, findet die Vorsitzende des Frauengeschichtsvereins: "Da geht es doch immer mehr darum, wer welche Schlacht gewonnen hat oder auch nicht und aus welchen Gründen."

Klein-Kohlhaas studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte an der Ruhr Uni Bochum. Sie und ihre Vereins-Mitstreiterinnen interessieren sich für das Verborgene: Wie haben Männer, Frauen und Kinder gelebt, welche Positionen nahmen Frauen ein, wie war der Einfluss der Frauen auf die Geschichte?

Nein, sie seien keine "Emanzen", aber sie nehmen eindeutig einen anderen Blickwinkel ein, betont Klein-Kohlhaas. Die Frauen verwenden die gleichen historischen Quellen und Methoden wie alle Historiker, hätten sich aber angewöhnt, "quer zu lesen und quer zu denken". Der Frauengeschichtsverein nennt sich "Euregia - Frauenwege zwischen Rhein & Maas". Ihre historische Detektivarbeit beschränkt sich nicht auf Viersener Frauen wie die Ärztin Schola Kreuzer oder die Professorin Theresa Bock und andere, sondern dehnt sich auf die Region zwischen Rhein und Maas aus.

Die Vereinsmitglieder bringen sich mit ihr persönliches Wissen ein. Eine pensionierte Germanistin forscht über Autorinnen, eine Medizinerin über Ärztinnen.

An jedem zweiten Mittwoch im Monat bietet der Verein offene Themenabende an etwa zu Frauenbiografien oder Frauen in Viersener Straßennamen an. Daneben organisiert er Workshops und Exkursionen. Der Verein ist vernetzt mit anderen Frauengeschichtsvereinen wie dem Heinsberger Verein "Frauenschätze".

Bei den Themenabenden des zweiten Halbjahrs wird es um lokale Persönlichkeiten gehen, aber auch um Zeremonien des Jahreskreises. Vereins-Mitbegründerin Angela Klein-Kohlhaas lebt seit 16 Jahren in Dülken. Unabhängig von der Vereinsarbeit bietet sie Stadtrundgänge durch Dülken an. Auch da ist ihr Spezialgebiet Frauengeschichte.

Quelle: RP
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