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Viersen
Wenn der Fahrgast zur Bedrohung wird
Viersen: Wenn der Fahrgast zur Bedrohung wird
Eingetretene Bustüren, ein eingeschlagenes Fenster und jede Menge Graffiti – die Kraftverkehr Schwalmtal musste im vergangenen Jahr drei stark beschädigte Linienbusse reparieren lassen. FOTO: KN
Viersen. Aggressive Fahrgäste gibt es insbesondere in den Großstädten von NRW häufiger – im Kreis Viersen sind Zwischenfälle selten. Elmar von der Forst, Geschäftsführer von Kraftverkehr Schwalmtal, freut sich dennoch wenig auf Karneval. Von Sebastian Münster

Während des Karnevals 2012 hatte Elmar von der Forst wenig zu lachen. Die Bilanz nach der "fünften Jahreszeit" war für ihn ernüchternd: Drei seiner Fahrzeuge waren so stark beschädigt, dass sie vorübergehend nicht einsatzbereit waren. Im Oktober wurde ein Busfahrer in Recklinghausen ausgeraubt und angeschossen. Im Kreis Viersen sind Vorfälle mit Personenschäden aber eher selten.

"In den vergangenen Jahren gab es jährlich drei oder vier Vorfälle. Im laufenden Jahr waren das ausschließlich alkoholisierte Personen, die den Busfahrer oder die Fahrgäste belästigten", sagt NEW-Sprecherin Marina Willems. In solchen Fällen werde in der Regel die Fahrt gestoppt und die Polizei gerufen. Alle Fahrzeuge verfügen dafür über einen "Notruftaster", der den Fahrer direkt mit der Zentrale verbindet.

Zusätzlich gebe es halbjährliche interne Schulungen, in denen Problemfälle und Schwierigkeiten angesprochen würden, sagt Willems. In Deeskalationstrainings werden die Fahrer außerdem über den Umgang mit solchen Situationen geschult. Auch die Busse von Kraftverkehr Schwalmtal verfügen über Notruftaster. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Videoüberwachung hält Elmar von der Forst in seinen Fahrzeugen jedoch für unnötig und obendrein zu teuer. "Pro Fahrzeug würde das in etwa 6000 Euro kosten." Von der Forst bestätigt jedoch, dass aggressives Verhalten unter den Fahrgästen zunehme. Zerkratzte Scheiben und Graffiti kommen am häufigsten vor. Auf den Kosten bleiben die Unternehmen in der Regel selbst sitzen.

Nur im seltensten Fall werden die Verursacher gefasst und selbst wenn, dann können sie den Schaden fast nie begleichen. "Man muss für solche Dinge einfach einen festen Betrag im Budget bereithalten", sagt von der Forst. Maximal seien das rund 1000 Euro jährlich pro Bus. 17 Linien bedienen die Fahrzeuge von Kraftverkehr Schwalmtal im Kreis Viersen, in Krefeld und in Mönchengladbach.

Auch hier gilt: Wenn es zu Eskalationen im Fahrbetrieb kommt, sind die Fahrer dazu angewiesen, die Fahrt zu stoppen und gegebenenfalls die Polizei zu verständigen. "Es ist nicht der Job unseres Personals, selbst einzugreifen", sagt von der Forst. Häufen sich die Vorfälle, so wie in der vergangenen Karnevalszeit, so könne der Fahrbetrieb auch vorübergehend ganz eingestellt werden. Zwar sei das Unternehmen vertraglich verpflichtet, den Personentransport sicherzustellen, "aber die Sicherheit der Fahrgäste hat Vorrang".

Der Eurobahn-Zug RE 13 passiert auf dem Weg von Hamm nach Venlo auch die Bahnhöfe in Viersen, Dülken, Breyell und Kaldenkirchen. Im Jahr 2011 gab es auf der Linie 116 Vorfälle, im vergangenen Jahr sind es etwa 90 gewesen. Rund die Hälfte davon sind verbale Auseinandersetzungen, in weniger als zehn Prozent der Fälle geht es um "körperliches Angehen und Körperverletzung". Beim Rest handelt es sich um Vandalismus, Regelverstöße, Drogendelikte oder Diebstahl.

Auch bei Eurobahn wird das Personal entsprechend im Umgang mit den Fahrgästen geschult. "Aber manche Sachen können sie eben nicht trainieren", sagt Mathias Wieland, Sprecher des Eurobahn-Mutterkonzerns Keolis.

Im Ernstfall können Gäste des Zuges verwiesen werden. Bei schlimmeren Zwischenfällen dient die Videoanlage, die in allen Zügen installiert ist, zur Beweissicherung. Das Material darf allerdings nur die Polizei im Zuge ihrer Ermittlungen einsehen. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP
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