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Viersen
Wenn ein Hospital die Betten packt

Viersen: Wenn ein Hospital die Betten packt
FOTO: Busch
Viersen. Der Umzug des Dülkener St. Cornelius Hospitals zum Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Viersen ist fast abgeschlossen. Im laufenden Betrieb wurde Station um Station und Zimmer um Zimmer geräumt. Von Bianca Treffer

Kaum hat Christian Hedlich, Teamleiter der Spedition Hertling, mit dem großen Paket auf Rollen, das in schwarze Stretchfolie eingewickelt ist und einen roten Aufkleber trägt, den Lastenaufzug verlassen, rollen zwei weitere Männer der Spedition eine Kunststoffbox mit Luftpolsterfolie hinein.

"Alle sensiblen Geräte werden erst in Luftpolsterfolie gehüllt, danach in Stretchfolie verpackt und dann gibt es den Aufkleber, der heute rot ist. Das gerade war ein Beatmungsgerät", erklärt Thomas Bose, Prokurist und Einkaufsleiter des AKH - und aktuell Umzugsbeauftragter.

Seit einer Woche läuft der Umzug des St. Cornelius Hospitals. Die Dülkener Betriebsstätte des AKH zieht ins erweiterte Mutterhaus nach Viersen um. "Wir haben für jeden Umzugstag eine andere Aufkleberfarbe. Wir sind mit Gelb gestartet und heute bei Rot gelandet", sagt Bose. Jeder Aufkleber zeigt an, in welches Bauteil, welche Etage und welches Zimmer das entsprechende Teil kommt.

Die Spedition Hertling ist auf Umzüge von Krankenhäusern spezialisiert. "Sie wissen, wie ein Beatmungsgerät verpackt wird und was ein Lithotripter ist", bemerkt AKH-Geschäftsführer Kim-Holger Kreft. Es handelt sich um den Nierensteinzertrümmerer, der mit 600 Kilogramm und sechs Kubikmeter Volumen auch das größte Gerät des Umzuges ist.

Etliche Stationen bieten schon ein leeres Bild. Krankenzimmer, in denen nur noch die Festinstallationen daran erinnern, dass hier einst Patienten lagen. Auf anderen Stationen herrscht noch normaler Betrieb, wenngleich überall verpackt wird. Der Frühstückwagen rollt durch die Flure und macht vor den einzelnen Krankenzimmern halt. Krankenhausalltag mitten im Umzug. Auf der Intensivstation stehen Perfuser und Bildschirme zur Abholung bereit, zeitgleich laufen die noch benötigten Apparaturen.

"Wir ziehen im laufenden Betrieb um. Das heißt, hier werden Gerätschaften bis zur letzten Sekunde benötigt, schließlich sind noch 30 Patienten, darunter vier Intensivpatienten, im Haus und bis heute morgen 8 Uhr lief auch noch die Ambulanz", berichtet AKH-Geschäftsführer Dr. Thomas Axer. Mit Kreft und Bose bildet er das leitende Umzugsteam. Und sogar Ehemalige sind gekommen, um zu helfen. So wie Wolfgang Schümers, der schon in Rente ist und jetzt dennoch "überall mit anpackt, wo helfende Hände benötigt werden", wie es der ehemalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende beschreibt, der gerade das letzte der fünf Ambulanzzimmer mit ausgeräumt hat.

Gelassen geht es Monika Rennen an. Die Patientin der Station C1 sitzt gemütlich beim Frühstück - vom Umzugsstress keine Spur. "Ich habe meine Tasche schon gepackt und bin startklar, wenn es nachher losgeht", meint Rennen. Man habe die Patienten gut auf den Umzug vorbereitet, und daher gäbe es auch keine Aufregung, fügt Dr. Ulrike Siegers, Chefärztin der Viszeral- und Allgemeinchirurgie, an.

Auf dem Hof des St. Cornelius Hospitals sind indessen die Krankentransportwagen und ein Rettungswagen (RTW) vorgefahren. "Unsere vier Intensivpatienten transportieren wir mit dem RTW und ärztlicher Begleitung nach Viersen", informiert Dr. Axer, der seinen Rundgang durch das schon sichtlich leerer Krankenhaus startet. An einer auf dem Flur stehenden Schredderkiste mit gelbem Aufkleber, aber keiner genauen Bezeichnung, bleibt er stehen, verpasst ihr einen weiteren Aufkleber und zückt den Stift. "Zweite Etage, Raum 009, Arztzimmer, Bauteil B" schreibt er darauf. "Ich bin bei uns im Viersener Haus noch einmal umhergegangen und habe mich umgehört, wo noch etwas fehlt. Die Schredderkiste ist so ein Fall."

Um alles, was noch gebraucht werden kann, mit nach Viersen zu nehmen, findet am Wochenende ein Großeinsatz der kompletten Geschäftsführung und der leitenden Mitarbeiter statt. Es gibt einen letzten Gang durch das geräumte Krankenhaus, mit "Schraubenziehern", wie Kreft sagt.

Quelle: RP
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