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Viersen
Wie Architektur Heimat schafft

Viersen: Wie Architektur Heimat schafft
Cornelia und Martin Breidenbach sind auf dem Tho-Rieht-Hof zu Hause. In jahrelanger Kleinarbeit haben sie das historische Bauwerk restauriert. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Die Namen Cornelia und Martin Breidenbach untrennbar mit der Kreisstadt verbunden. Liebevolle Restaurierungen und durchdachte Neubauten zeichnen das Viersener Architektenpaar aus. Von Bianca Treffer

"Putzen mag ich nicht so gerne, ich verputze lieber", sagt die 59-jährige Cornelia Breidenbach voller Begeisterung. Voller Stolz zeigt sie auf die hohe Seitenwand des Tho-Rieht-Hofes, in dem sie mit ihrer Familie lebt. Die gesamte Giebelwand trägt ihre Handschrift, denn sie hat Gefach für Gefach eigenhändig mit Lehmputz versehen. Ihre Liebe zum Umgang mit alten Baumaterialien und zur Architektur hat die studierte Ökotrophologin durch ihren Mann entdeckt, er hat ihr auch das entsprechende Fachwissen vermittelt.

"Handwerklich habe ich immer gerne gearbeitet, aber die Augen für die Architektur hat Martin mir geöffnet", sagt die Viersenerin. Martin Breidenbach vom gleichnamigen Architekturbüro ist mit der Baukunst groß geworden und ein Viersener durch und durch. Sowohl Cornelia Breidenbach als auch Martin Breidenbach sind in Viersen geboren. "Sogar im gleichen Kreißsaal", erzählt Cornelia Breidenbach mit einem Augenzwinkern. Sie wuchs aber in den ersten fünf Jahren in Mönchengladbach und danach in Buxtehude auf, er hingegen komplett in Viersen. Die beiden Familien verband aber eine langjährige Freundschaft. "Meine Mutter war nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs bei Martins Großmutter in Süchteln untergekommen", berichtet die 59-Jährige. Man kannte sich von Kindesbeinen an, aber "ein vier Jahre jüngerer Junge wurde nicht so wirklich beachtet", meint Martin Breidenbach grinsend. Erst im Studium funkte es, wobei sie Ernährungswissenschaften studierte und er eben Architektur.

"Mein Vater war Architekt und Handwerker und das mit Leib und Seele. Sein Wirken hat mich fürs Leben geprägt", sagt der Viersener. Er begleitete seinen Vater von klein auf, Baugeschichten am Mittagstisch gehörten beispielsweise zum täglichen Leben dazu. Sein Vater war schon in der Denkmalpflege tätig. Diese Sparte führte auch dazu, dass der Tho-Rieth-Hof in den Besitz der Familie Breidenbach gelangte. Der Architekt erinnert sich noch genau daran, wie heruntergekommen der Hof war und sein Vater feststellte, welch einen wertvollen Urtyp er darstellte. Es handelt sich nämlich um ein niederrheinisches Hallenhaus mit offener Feuerstelle. "Ein Baggerfahrer sollte damals vor dem Haus einen Schutthaufen abfahren. Er war allerdings der Meinung, es handle sich um das Haus, das er abreißen sollte und wollte hineinfahren. Es konnte haarscharf verhindert werden und ich weiß noch, wie blass mein Vater wurde, als ihm aufging, was beinahe passiert wäre", erzählt Martin Breidenbach. Als sein Vater 1977 starb überlegte seine Mutter, den Hof zu verkaufen. Sie behielt ihn aber und an den Wochenenden sowie den Ferien arbeiteten Martin und sein Bruder Peter mit am Hof. Schon in dieser Zeit machte die Restaurierung des Hauses wichtige Fortschritte, außerdem lernten die jungen Breidenbachs damals einen verantwortungsvollen Umgang mit der historischen Materie und sammelten viel handwerkliche Erfahrung. Schon während des Studiums machte sich Martin Breidenbach mit Bauberatung selbstständig.

Die Begeisterung, Altes wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, hat ihn bis heute nicht losgelassen. Man greife Spuren in alten Häusern auf und führe sie weiter, beschreibt es der 55-Jährige. Auch mit einem Neubau schaffe man etwas, aber hier müsse die Lebendigkeit neu entstehen, bei einem alten Objekt gelte es dagegen, sie fortzusetzen. Etwas, dass dem Architekten immer wieder aufs Neue gelingt. Der Waldorfkindergarten in Viersen, entstanden aus einer Ruine eines niederrheinischen Hallenhauses, die alte Lateinschule sowie das Stadtbad in der Kreisstadt, das Schloss Liedberg oder das aktuell laufende Projekt, die Königsburg in Süchteln - überall spiegelt sich die Handschrift des Vierseners wider.

"Bei mir ist der Funke, die Liebe zur Architektur übergesprungen. Ich fand als Kind schon die Ästhetik im Haus der Breidenbachs schön. Die Schaukel im Wohnzimmer faszinierte mich zudem", erinnert sich Cornelia Breidenbach. Für das Ehepaar mit ihrer Begeisterung für historische Bauwerke war es keine Frage, den Tho-Rieht-Hof zu ihrem Lebensmittelpunkt, zu ihrer Heimat zu machen. Dort ist das Büro, dort lebt die Familie. Wobei die Küche das Zentrum ist.

Martin Breidenbach schafft mit seiner Arbeit Heimat für Menschen. Das gelingt ihm nicht nur mit Restaurierungen, sondern auch mit Neubauten. Sie erfüllen bei ihm Funktionen, die über das reine Wohnen hinausgehen. Bestes Beispiel dafür ist die Gartensiedlung in Süchteln. "Es tut sich was, um die Häuser herum", beschreibt es der Architekt. Und welche Siedlung kann schon von sich sagen, dass sie einen eigenen Lehmofen hat? Ihre Leidenschaft für Architektur und Musik - es gibt regelmäßig Hauskonzerte - haben die Breidenbachs an ihre vier Kinder weitergegeben. Das Viersener Paar bezeichnet es als Schatz, der auch wiederum die nächste Generation prägt.

Quelle: RP
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