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Brüggen
Wie die großen Bauernhöfe entstanden

Brüggen: Wie die großen Bauernhöfe entstanden
An der Genholter Straße in Lüttelbracht entstand dieses Bild, das Familie Strötges zur Verfügung stellte. FOTO: Strötges
Brüggen. Auf Einladung der Brachter Heimatfreunde gab Greta van der Beek-Optendrenk einen Einblick in die Entstehung der großen niederrheinischen Bauernhäuser. Sie waren einst weithin sichtbare Landmarken Von Ingrid Flocken

Siedlungen am Niederrhein waren über Jahrhunderte hinweg fast ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt. Noch im vorigen Jahrhundert gab es auch in Bracht Höfe, die aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammten und meist aus Lehm gebaut waren.

Die meisten großen Höfe waren an Wasserläufen angelegt, im hiesigen Raum an Nette und Schwalm. Beide Flüsse münden in die Maas. So nannten sich die Siedler "Maasländer". Sie fanden fruchtbares Ackerland, Wiesen und Wald vor - hervorragende Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Handwerker gab es wenige, auch Mühlen wurden erst später errichtet. Auch die Herrenhäuser und Burgen am Niederrhein wurden an Wasserläufen errichtet.

Wie die Häuser früherer Zeiten am Niederrhein aussahen, erfahren Besucher im Niederrheinischen Freilichtmuseum des Kreises Viersen in Grefrath. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Mehr als 50 interessierte Brachter waren der Einladung der Heimatfreunde gefolgt und hörten interessiert im Bürgersaal dem Vortrag zu, den Greta van der Beek-Optendrenk über "Bauernhäuser am Niederrhein - Früher und Heute - Geschichte und Gegenwart" hielt. Die Lobbericherin gratulierte zu Beginn zu "900 Jahre Bracht" und machte gleich deutlich, dass sie Häuser vom gesamten Niederrhein vorstellen werde, nicht speziell aus Bracht. "Doch diese sind alle generell vergleichbar", betonte die frühere Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer Niederrhein.

Unter dem Motto "Was ist gut? Was tut dem Haus weh?" zeigte sie Fotos von Häusern, die einige Jahrhunderte bereits alt sind - mal umgebaut, mal erweitert, mal unter Denkmalschutz stehend, mal nicht. Mehr als 45 bäuerliche Anwesen am Niederrhein von Emmerich bis Brüggen und Viersen besuchte und fotografierte und ließ sich alte Zeichnungen und Bilder geben.

Greta van der Beek-Optendrenk zeigte anhand von Zeichnungen, wie sich die niederrheinischen Bauernhöfe entwickelten. Zunächst gab es ein sogenanntes Langhaus - ein Hallenhaus, in dem sich die Menschen, das Vieh und die Erntevorräte unter einem Dach befanden. Dann wurde irgendwann ein Wohnhaus quer davor gebaut, in dem unten die Familie lebte, darüber Obst und Gemüse lagerten und erst dahinter Platz für das Vieh war. Bedeckt waren diese T-Häuser von einem Krüppelwalmdach. Nach und nach bekamen die Höfe auch Namen.

Im flachen Land am Niederrhein waren die Höfe oft weithin sichtbare Landmarken und sind es auch noch heute. Entweder gaben die Besitzer dem Hof ihren Familiennamen, der sich nach einem Besitzerwechsel dann änderte, oder aber sie nannten ihren Hof nach der Örtlichkeit. "Schade, dass so viele Hofnamen verschwanden", bedauerte Greta van der Beek-Optendrenk.

Sie hob besonders den Bengerhof in Lobberich-Sittard hervor, auch den Bischofshof in Süchteln, von dem sie eine Hof-Inventarliste von 1828 erwerben konnte. Sie nannte Mühlenhof, Landwehrshof, Brockerhof, Straterhof und den Immenkath, der seinen Namen von der dort beheimateten Bienenzucht erhielt.

Reet- und Strohdächer, wie sie heute noch auf Häusern in Schwaam zu sehen sind, waren die am Niederrhein am weitesten verbreiteten Dächer. Im 15. und 16. Jahrhundert kamen in Bracht Hohlziegel und Dachpfannen dazu. Dort lösten auch die Feldbrandsteine im Ständerwerk das bisher übliche mit Lehm ausgefachte Fachwerk ab. Dies ist auch gut am Stemmeshof auf dem Naturschutzhof in Lobberich-Sassenfeld abzulesen.

Aus den kleinen Bauernhäusern wurden im Laufe der Zeit große Vierkanthöfe, wie eine Karte von 1775 zeigt. Einer steht am Königsbach in Bracht-Hülst und gehört der Familie von Willy Hauser, der ganz besonders interessiert dem Vortrag lauschte und sich herzlich für den Beifall bedankte, den die Anwesenden ihm als Organisator der Heimatfreunde und vor allem Greta van der Beek-Optendrenk spendeten.

Quelle: RP
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