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Niederkrüchten
Wie ein Elmpter Weihbischof wurde

Niederkrüchten: Wie ein Elmpter Weihbischof wurde
Die Grafikerin Rebekka Lynders hat anhand eines Porträts dieses Schild entworfen, das an Wilhelm Stockums erinnern wird. FOTO: Lynders
Niederkrüchten. Wilhelm Stockums hat sich als Kölner Weihbischof viele Verdienste nicht nur um sein Heimatdorf erworben. Am Sonntag wird dem Priester ein Platz in Elmpt gewidmet Von Jochen Smets

Die große Karriere war Wilhelm Stockums nicht unbedingt vorherbestimmt. Er wurde am 15. Oktober 1877 geboren und stammt aus einfachen Verhältnissen. In dem Elternhaus an der Hauptstraße (Ecke Vietendell) betrieben sein Vater Gerhard und sein Bruder Peter eine Schuhwerkstatt und die erste Poststelle in Elmpt. Wilhelm Stockums besuchte acht Jahre lang die Elmpter Volksschule und danach das Humanistische Gymnasium in Neuss. Nach dem Studium in Köln und Bonn wurde er am 15. März 1902 im Kölner Dom zum Priester geweiht. 1910 promovierte er in Freiburg zum Doktor der Theologie. 1912 wurde er Direktor des Bonner Kollegium Leoninum, in dem Priesteramtskandidaten ausgebildet wurden.

Am 9. Februar 1932 ernannte ihn der Papst zum Weihbischof von Köln. Die Bischofsweihe erhielt er am 20. April 1932. Auch in dieser großen Stunde dachte er an seine Heimat: "Es kommt gerade nicht alle Tage vor, dass der Sohn eines schlichten Dorfes zur bischöflichen Würde erhoben wird", schrieb er damals an den Elmpter Bürgermeister. "Ich will der Heimat die Treue halten und will gerne hoffen, dass die Heimatgemeinde auch mir ein treues Andenken bewahren wird."

Dieses Andenken wird nun sichtbar: Auf Anregung des Elmpter Klängerklubs und Beschluss des Rates wird der Platz an der Ecke Goethestraße/Am Friedhof (heute ein Parkplatz) in "Bischof-Stockums-Platz" benannt. Die Grafikerin Rebekka Lynders hat dazu ein Schild entworfen, das in einer kleinen Zeremonie am Sonntag, 22. Mai, enthüllt wird. Die Elmpter Zweigstelle der Sparkasse Krefeld sponserte das Projekt.

Stockums' Liebe zur Heimat war kein Lippenbekenntnis. Wann immer es seine Zeit erlaubte, kehrte er in sein Heimatdorf zurück. Dann pflegte er sonntags um 10 Uhr das Hochamt zu zelebrieren. Auf dem Weg dorthin fielen immer wieder Menschen auf die Knie, um seinen Bischofsring zu küssen, erinnert sich der damalige Messdiener und heutige Heimatkundler Karl-Heinz Achten in einem Beitrag für das Jahrbuch des Klängerklubs. Dem Bischof waren diese Ehrerbietungen eher unangenehm. Immer wieder wies er vor allem die älteren Leute darauf hin, dass sie vor ihm nicht knien müssten.

In Erinnerung bleibt Bischof Stockums indes nicht nur wegen seiner Heimatverbundenheit: Unter dem Eindruck der Bücherverbrennungen in der Nazi-Zeit verhinderte er als Direktor des Bonner Borromäusvereins in schwierigen Gesprächen mit Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die Zwangsschließung der katholischen Pfarr- und Borromäusbüchereien, so die Recherchen des Klängerklubs. Zudem beriet er Amtskollegen wie den damaligen Elmpter Pastor Trecker in der schwierigen Zeit während der Nazi-Diktatur.

Maßgeblichen Anteil hatte Stockums auch an der deutsch-niederländischen Annäherung und Aussöhnung in der Grenzregion nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Kölner Bischof mit Elmpter Wurzeln knüpfte Kontakt zum Roermonder Bischof Guillaume Lemmens. Die beiden kamen überein, Feindseligkeit und Misstrauen durch Predigten und vertrauensbildende Maßnahmen zu überwinden. Dazu gehörte auch die Entsendung von niederländischen Priesteraushilfen in die deutschen Nachbarpfarren.

Bischof Wilhelm Stockums starb am 5. August 1956. Seine letzte Ruhestätte ist ein Grab an der Nordseite des Kölner Doms.

Quelle: RP
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