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Niederkrüchten
Wie man ein Dorf lebendig hält

Niederkrüchten: Wie man ein Dorf lebendig hält
Der Visualisierer Christoph Illigens aus Köln begleitet das Projekt. Bei den Dorfgesprächen hält er fest, was für die Dorfbewohner wichtig ist. FOTO: Birgitta Ronge
Niederkrüchten. Für die Reihe "Dorf im Gespräch" machte Bürgermeister Kalle Wassong diesmal in Overhetfeld Station. Für ihre Kinder und Enkel wollen die Einwohner Vereine und Traditionen erhalten, aber auch Wohnraum und schnelles Internet haben Von Birgitta Ronge

Rund um die Elmpter Kapelle ist die Welt noch in Ordnung. In dem 1776-Einwohner-Dorf Overhetfeld gibt zwei Gaststätten, Hofläden, alte und neue Häuser, Familien mit Kindern, Senioren. Es gibt Nachbarschaften, die sich zum Klönen und Kränzen treffen, und aktive Vereine wie das Trommlercorps, den Musikverein, den Theaterverein, die Bruderschaft und den Kapellenverein. "Auf den ersten Blick würde ich sagen: Et is doch juut, so wie et is", fasste es Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) am Mittwochabend zusammen.

Der Verwaltungschef hatte die Einwohner Overhetfelds zum "Dorf im Gespräch" in die Gaststätte Bereths eingeladen. Die Gesprächsreihe soll nicht dem Nörgeln und Klagen dienen, das machte Wassong zu Beginn deutlich: Wer ihm mitteilen wolle, welche Hunde wohin machen, oder fragen wolle, warum es mit der Baustelle so lange dauerte, könne ihn im Rathaus anrufen oder zum "Bürgerdialog" kommen. Die Reihe "Dorf im Gespräch" hingegen ist der Zukunft vorbehalten.

Bei den Dorfgesprächen will Wassong von den Bürgern der kleinen Orte erfahren, was ihrer Einschätzung nach ihr Dorf lebenswert macht, warum sie gern dort leben, und was sie davon so wichtig finden, dass sie es für ihre Enkel bewahren möchten. In Brempt, Birth, Boscherhausen, Dam, Gützenrath und Oberkrüchten war Wassong schon, um Blonderath, Heyen, Laar, Ryth, Silverbeek, Varbrook und Venekoten geht es bei den folgenden Terminen. Sein Fazit nach den ersten Dorfgesprächen: "Sie haben mir gezeigt, dass da eine ganze Menge Power ist. Denn die Menschen, die hier leben, wissen am besten, was für ihren Ort gut ist."

Rund 30 Bürger waren der Einladung Wassongs gefolgt, unter ihnen nicht nur Overhetfelder, sondern auch einige Ratsmitglieder. Als Wassong fragte, was schön an Overhetfeld sei, sprudelte es nur so aus den Teilnehmern heraus: Sie lobten die grüne Umgebung, die gute Autobahnanbindung, die Nähe zu Roermond, die Kapelle als Wahrzeichen des Dorfes, die günstigen Grundstückspreise. Kurzum: "Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen." Auch die Overhetfelder erhielten viel Lob: Sie seien kontaktfreudig, hilfsbereit, in Vereinen engagiert.

Als Wassong wissen wollte, wie der Ort denn in 50 oder 70 Jahren aussehen soll, kamen die Probleme auf den Tisch, mit denen auch andere Dörfer zu kämpfen haben: So forderte eine Teilnehmerin, dass auch ihre Kinder und Enkel noch die Möglichkeit haben sollten, schwimmen zu lernen. Dazu erklärte Wassong, dass man einzig den Venekotensee möglicherweise zum Schwimmen freigeben könne, denn er befinde sich im Landschaftsschutzgebiet, die übrigen Seen in Naturschutzgebieten. Am Venekotensee eine legale Form des Schwimmens zu finden, Sanitäranlagen zu installieren, sei besser, als eine Situation wie die derzeitige, der man ohnehin nicht Herr werde.

Ein Teilnehmer fragte nach barrierefreien kleinen Wohnungen, wenn für Ältere das Einfamilienhaus zu groß werde. Wassong bestätigte: "Wir wissen, dass in den nächsten 20 Jahren rund 500 kleine Wohnungen in der Gemeinde fehlen werden." Er sprach sich dafür aus, ein Wohn-Konzept aufzulegen - dies hatte kürzlich die CDU-Fraktion beantragt. Er nannte drei Dinge, die man berücksichtigen müsse: In der Gemeinde gebe es "einen ziemlich hohen Leerstand", so Wassong, "an der Wae zum Beispiel stehen ganze Häuserzeilen leer". Auch müsse man überlegen, ob man nicht Grundstücke tauschen könne, wenn sich Leute weigerten, bebaubare Grundstücke zu verkaufen. Es nütze nichts, sich zu beschweren, dass die Kinder in den Orten nicht bauen könnten, aber gleichzeitig kein Land zur Verfügung stelle. Zudem setzt Wassong auf die Entwicklung des Gewerbeparks Elmpt: "Die Menschen, die da arbeiten, werden in der Nähe wohnen wollen."

Für wichtig halten die Overhetfelder auch die schnelle Internetanbindung, die ärztliche Versorgung, Treffpunkte, gute Radwege, den Erhalt von Vereinen und Traditionen - auch gegen die Kritik von Zugezogenen: "Bei einer Goldhochzeit war kürzlich Milchkannenschießen", berichtete ein Teilnehmer, "und bei Facebook ging ein Shitstorm wegen der Knallerei los."

Quelle: RP
 
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