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Schwalmtal
Wie Schwester Jordana Ordensfrau wurde

Schwalmtal: Wie Schwester Jordana Ordensfrau wurde
Mit Anfang 20 beschloss Schwester Jordana, ihre Besitztümer, auch die geliebte Ente, zu verschenken und ins Kloster zu gehen. Heute lebt sie als Kinderdorfmutter im Bethanien Kinderdorf in Waldniel. FOTO: Hubertus Busch
Schwalmtal. Mit "Ente zu verschenken - Barfuß unterwegs zu mir selbst " hat die Waldnieler Kinderdorfmutter ein neues Buch geschrieben. Die Dominikanerin von Bethanien stellt das Buch übermorgen in Viersen vor Von Birgitta Ronge

Was mag eine junge Frau mit Anfang 20 dazu bewegen, alles zu verschenken, was sie hat, um ins Kloster zu gehen? Hat sie einen Spleen? Hat sie schlicht von der Welt die Nase voll? Fragen wie diese kennt Schwester Jordana, Dominikanerin von Bethanien, zur Genüge. Und sie begegnet diesen Fragen erfrischend humorvoll in ihrem neuen Buch "Ente zu verschenken - Barfuß unterwegs zu mir selbst".

Mit Iris Rohmann, die schon für ihr erstes Buch "Auf einen Tee in der Wüste" ihre Co-Autorin war, beschreibt Schwester Jordana 25 Jahre später den Weg, der sie ins Bethanien Kinderdorf in Waldniel führte, in dem sie heute als Kinderdorfmutter mit fünf Kindern lebt, und erzählt von den kleinen Schritten, auch von den Rückschlägen.

Ihr Buch sei "ein Plädoyer fürs Aushalten, fürs Mitmischen, für den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen, selbst wenn andere Menschen oder Institutionen einem Steine in den Weg legen", schreibt sie im Vorwort. Ihr gehe es um das Thema Berufung - darum, wie sie entsteht, und wie auch krumme Wege am Ende zum Ziel führen können: "Ich möchte Menschen dazu bewegen, ebenfalls auf Spurensuche zu gehen, um den Sinn des eigenen Lebens zu suchen und um Werte zu finden, nach denen wir unsere Gesellschaft ausrichten können - wenn wir wollen."

Sie erzählt von ihrem Weg - vom Mädchen, das in einem Loch in der Kirchendecke den Eingang zum Himmel wähnt, über die Ausbildung und den Weg in ein strenges dänisches Kloster hin zum Orden der Dominikanerinnen von Bethanien, zum Studium und zur Kinderdorfmutter. Und dabei muss man mitunter schmunzeln, etwa, wenn die Ordensfrau auf die Frage, wie denn eine so hübsche Frau ins Kloster gehen könne, das sei doch Verschwendung, keck antwortet: "Für Gott nur das Beste!"

Nicht zuletzt sind die Einblicke, die Schwester Jordana ins Ordensleben gewährt, spannend: Sie erzählt, wie streng das Leben in einem Kloster sein kann, und wie sie feststellt, dass dieser Weg nicht ihrer ist. Sie verrät, welche Kopfschmerzen ein fester Schleier bereiten kann, dass Spaghetti mit Tomatensoße unpraktisch sind, wenn man ein weißes Ordenskleid trägt, und wie eine Ordensfrau zu ihrem Namen kommt.

"Ente zu verschenken" ist keine Werbekampagne für das Ordensleben oder die Institution Kirche. Aber es ist eine Einladung, sich mit dem eigenen Weg auseinanderzusetzen, auch mit der Frage, ob Gott diesen Weg begleitet, und welche Rolle die Kirche für jeden persönlich spielt. Schwester Jordana hält mit ihrer Meinung zu Fragen in Kirche und Gesellschaft nicht hinter dem Berg. Zur Frage, ob Frauen in der katholischen Kirche für das Priesteramt zugelassen werden, schreibt sie, sie gebe die Hoffnung nicht auf, "dass eines Tages der Heilige Geist auch über unsere Patriarchen kommt und der ,Wind of Chance' die Kinder, vor allem die Mädchen von morgen, ergreifen kann." Sie hinterfragt, diskutiert. Dadurch gibt sie bedenkenswerte Impulse - auch für Eltern, die sich fragen, ob man eine Kirche besuchen soll, obwohl man nicht weiß, was es damit auf sich hat. Schwester Jordanas Antwort: "Ich finde: ja. Wir können die Institution Kirche ablehnen, aber wir müssen Gott deswegen nicht gleich mit aussortieren."

Quelle: RP
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