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Schwalmtal
Wie werde ich ein guter Praktikant?

Schwalmtal: Wie werde ich ein guter Praktikant?
In der "Schlosserei" müssen die Übungspraktikanten ihr Geschick beweisen. Sie sollen dabei auch lernen, ehrlich und höflich zu sein. FOTO: Busch
Schwalmtal. Acht- und Neuntklässler der Europaschule absolvieren zurzeit ein Planspiel zum Praktikum. Sie üben mit Mitarbeitern der offenen und mobilen Jugendarbeit, wie es in der echten Arbeitswelt zugeht Von Heike Ahlen

Der große Saal im Pfarrheim Waldniel ist die Arbeitsagentur. Dort müssen die Schüler hin, um die begehrten Praktikumsplätze zu ergattern. Neun verschiedene "Betriebe" sind im und um das Pfarrheim verteilt eingerichtet: Eine Boutique, ein Hotel, eine Gärtnerei oder auch eine Kfz-Werkstatt sind darunter.

Darum, das richtige Berufsfeld zu finden, geht es auch - aber nur in zweiter Linie. "Vor allem sollen die Schüler durchspielen, wie es in einem Praktikum so läuft", sagt Ricarda Polnik, Jugendbeauftragte des Bistums Aachen für die Region Kempen/Viersen. Hauptziel ist, den Jugendlichen die Angst vor einem Praktikum zu nehmen und ihnen zu vermitteln, worauf es ankommt. "Höflichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit spielen eine große Rolle in den Betrieben", sagt sie. Und das ist einfach einzuüben - die Kappe abnehmen, das Gegenüber anschauen, anstatt zu Boden zu blicken. Ein fester Händedruck, ein Lächeln. Die meisten machen das schon beim ersten Versuch richtig gut. Und wer seine bunte Praktikumskarte, die die Bewerbungsunterlagen symbolisiert, verliert oder vergisst, der darf zu einem Besuch in die Chefetage kommen. Das ist zunächst einmal unangenehm, aber auch dort geht es human zu, jeder erhält eine zweite Chance.

Was muss man in einer Bäckerei als Praktikant tun? Auch das wurde in der Europaschule geübt. FOTO: Busch

Der Werkstattleiter, die Gärtnerin, der Malermeister und die Gärtnerin - sie sind im wirklichen Leben Mitarbeiter der offenen und mobilen Jugendarbeit aus Schwalmtal, Brüggen und Niederkrüchten.

Aus Eric Loll vom BigBass ist "Herr Rost", der Meister der Kfz-Werkstatt geworden. Und auch das gehört dazu: Niemand duzt die Jugendlichen, sie sind nicht Albin und Sara, sondern Herr Beqiri und Frau Ripkens. Sie müssen sich in der Arbeitswelt der Erwachsenen zurechtfinden.

Und weil es um Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit geht, sind die Praktika in ganz kleine Fünf-Minuten-Häppchen unterteilt. Ins Werkstatt-Büro hereinkommen, kurz mit Herrn Rost sprechen, eine Aufgabe bekommen. Kanten an einem Werkstück glätten, ein Auto von innen feucht reinigen.

Albin freut sich, als ihm der Check im Motorraum übertragen wird. "Endlich dreckige Hände." Er entdeckt auch auf Anhieb, dass absolut kein Öl in dem Wagen ist, den der Kunde dort abgestellt hat.

In der Maler- und Lackierwerkstatt bei "Herrn Färber" - im wirklichen Leben Streetworker Joachim Hambücher - geht es erst einmal ums Rechnen. Wie viel Quadratmeter hat eine Wand, wenn sie 2,50 Meter hoch und vier Meter lang ist? Und wie viel Farbe braucht man für verschiedene Wände, wenn man mit einem Liter fünf Quadratmeter streichen kann?

Hier gibt es auch Punkte für die Ehrlichkeit. Einem Mädchen hat das Ausschneiden einer Vorlage gar nicht gefallen. Sie sagt es höflich - und erhält die volle Punktzahl.

Am Ende gibt es für jeden Teilnehmer noch ein Feedback-Gespräch, aus dem er gestärkt heraus gehen kann. Denn im nächsten Schuljahr steht für die meisten der Schüler ein Praktikum im richtigen Leben an.

Quelle: RP
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