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Kreis Viersen
Willicher Rat will das Kreisarchiv in Willich

Kreis Viersen. Einstimmig beauftragte gestern der Rat die Willicher Stadtverwaltung, mit Kreis und Stadt Viersen über einen Neubau des Kreisarchivs zu verhandeln. Der Rat will, dass es in Schiefbahn gebaut wird Von Marc Schütz U. Birgitta Ronge

So leicht will sich Willich nicht geschlagen geben im Tauziehen um den Standort des neuen Kreisarchivs. Die Mitglieder des Stadtrates haben in ihrer Sitzung gestern einstimmig beschlossen, dass die Stadtverwaltung Verhandlungen mit dem Kreis und der Stadt Viersen zur Errichtung eines Kreisarchivs (in dem dann das bisherige Willicher Stadtarchiv aufgeht) führen soll - und das auf Willicher Gebiet. Dabei soll die Verwaltung die Willicher Bedingungen selbstbewusst vorbringen.

Zudem soll auch mit der Stadt Viersen über eine Kooperation mit dem Viersener Stadtarchiv verhandelt werden - für den Fall, dass das Kreisarchiv am Ende weder in Willich noch in Viersen stehen wird. Dieser Punkt war der CDU besonders wichtig. Wenn Willich nicht zum Zuge kommen sollte, müsse auch darüber nachgedacht werden, die Archivalien vor 1970, die sich im derzeitigen Kreisarchiv in der Kempener Burg befinden, nach Willich zurückzuholen. Dann dürfe Willich aber auch nicht mehr über eine Umlage an den Kosten für das Kreisarchiv beteiligt werden.

Kritik ging in Richtung des Landrats: Johannes Bäumges, Fraktionsvorsitzender der CDU im Willicher Stadtrat, sagte, ihn habe es sehr gewundert, dass sich Andreas Coenen (CDU) so früh auf den Standort Viersen festgelegt hatte. "Ein Landrat vertritt mehrere Städte und Gemeinden", so Bäumges. Daher hätte der Landrat auch mit Willich und Kempen, die ebenfalls als Standort infrage kämen, sprechen sollen.

Fraglich ist nun, inwieweit sich das Willicher Selbstbewusstsein noch positiv auswirken kann. Denn der Viersener Stadtrat hatte Anfang der Woche ebenfalls beschlossen, dass Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) mit Coenen über ein Kreisarchiv am Standort Viersen verhandeln soll. Eine Entscheidung soll am 22. September getroffen werden. Bernd-Dieter Röhrscheid, Fraktionsvorsitzender der Willicher SPD, machte aber deutlich, dass man gewappnet sein müsse für den Fall, dass die Verhandlungen zwischen der Stadt Viersen und dem Kreis doch noch scheitern. Und dann sollte Willich seine Forderungen deutlich machen.

Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger hatte in ihrer Vorlage herausgestellt, worauf es ankommt: Der Standort soll das Grundstück gegenüber dem St.-Bernhard-Gymnasium an der Albert-Oetker-Straße in Schiefbahn sein, Bildungspartnerschaften müssten fortbestehen, das Willicher Zwischenarchiv muss samt Personal übernommen werden, Willich muss die Möglichkeit haben, in Archivfragen mitzubestimmen, und die Kosten sollen auf 10 Millionen Euro gedeckelt sein. "Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann es zu einer Verbesserung des Angebotes kommen", sagte Schwerdtfeger und betonte, dass das jetzige Stadtarchiv bereits hervorragende Arbeit leiste.

Im Kulturausschuss des Kreises waren einen Tag zuvor die vier Grundstücke vorgestellt worden, die bislang für den Neubau des Kreisarchivs in Frage kommen. Die Städte Viersen, Willich und Kempen hatten sie dem Kreis angeboten. Knackpunkt des Grundstücks in Schiefbahn: Für dieses gibt es noch keinen Bebauungsplan. Die Fläche ist im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen, könnte nach einer Umwidmung also erst 2018 bebaut werden. Es wurde deutlich: Das Grundstück in Schiefbahn ist angesichts der knappen Zeit wohl am wenigsten geeignet. Denn bis 2020 muss das neue Archiv komplett fertig sein. Das ist Bedingung, um 5,1 Millionen Euro Fördermittel zu erhalten.

Quelle: RP
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