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Gastbeitrag
Wir sollten unser Herz für Menschen in Not öffnen

Viersen. KREIS VIERSEN Vielleicht kennen Sie das auch? All die guten Wünsche und all die guten Vorsätze für das neue Jahr? Jedes Jahr aufs Neue nehmen wir uns unendlich viel vor, was nun nur einen Tag später in Erfüllung gehen soll. Kennen Sie alles? Und was ist draus geworden? Manches hat geklappt - den einen oder anderen Tag - manches wurde schon am ersten oder zweiten Januar wieder über den Haufen geworfen. Von Gabi Terhorst

Wenn wir in christlichen Traditionen denken, müssen wir eine andere Sichtweise an den Tag legen. Silvester I. (gestorben 335), der erste Papst der freien Kirche nach der konstantinischen Wende, berief das erste richtungsweisende Konzil in der Katholischen Kirche (Nicäa 325). Er wagte einen Neuanfang, er stellte sich den Herausforderungen seiner Zeit.

Vor welchen Herausforderungen stehen wir heute? Die Flüchtlingssituation ist in den vergangenen Monaten für viele Menschen in den Fokus gerückt. Gegeben hat es Flüchtlingsströme immer wieder. Der aktuelle Zustrom von Asyl suchenden Menschen scheint uns besonders durch mediale Unterstützung geradezu ins Wohnzimmer zu "flattern". Die jüngste Entwicklung macht manchen Menschen Angst und Unbehagen. Was wird da Neues kommen? Was wird sich für mich ändern? Fragen, die manche mit Unruhe und Unbehagen erfüllen. Und dann gibt es zu Tausenden die, die aus christlichen Motiven heraus helfen. Helfen und da sein wollen. Da sein für Menschen, die nach einem langen Weg eine neue Heimat finden möchten oder ein Plätzchen, um zur Ruhe zu kommen - ähnlich wie Maria und Josef bei dem gerade gefeierten Weihnachtsfest.

Diese Menschen gehen ehrenamtlich ans Werk, wagen für die Heimatlosen Neues, Ungewöhnliches. Sie bringen Ideen ein und versuchen auf kleinen Wegen etwas zu bewegen, etwas anzustoßen. In Willich hat sich der Verein AKF (Arbeitskreis Fremde) in vielfältiger Weise mit den Flüchtlingen beschäftigt. Eine Sternstunde ist es, wenn im umgebauten Katharinen-Hospital in Willich dienstagabends Ehrenamtliche mit den Flüchtlingen die Instrumente "tauschen" und Musik machen.

Sternstunden sind es, wenn in Dülken Schüler Weihnachtspakete für Flüchtlinge sammeln, packen und dann verschenken. Sternstunden sind es, wenn andere den Menschen nur zuhören und sich ihre Geschichte erzählen lassen. Es gibt so viele zahlreiche und unterschiedliche Arten von Sternstunden in unserer Region, dass sie hier leider nicht alle Erwähnung finden können. Sternstunden sind es, wenn sich jemand auf den Weg macht für einen Anderen.

Dem Nächsten zuhören, ihn ernst nehmen, ihn annehmen - darum ging es Jesus in seiner Frohen Botschaft, darum ging es Silvester vor dem ersten Konzil, darum geht es Papst Franziskus im Jahr der Barmherzigkeit, darum sollte es uns Christen im neuen Jahr gehen. Der Katholikenrat sieht seine Aufgabe darin, Missstände unserer Gesellschaft aufzudecken und anzusprechen.

Die Herausforderungen, die an uns gestellt werden, sollten wir annehmen mit Herz und Erbarmen, um den Begriff Barmherzigkeit anders zu beleuchten. Erbarmen sollten wir haben und es zeigen für Menschen in Not, für Menschen am Rande unserer Gesellschaft, für Menschen, die nicht im Fokus stehen oder deren Schicksal oder Lebensgeschichte uns nicht durch die mediale Welt ins Haus "flattert".

Herz sollten wir zeigen, wenn es um den Nächsten geht. Es sind nicht immer die großen Wünsche und Vorsätze die das Leben verändern können, es sind meist die kleinen Dinge, die mit Gottvertrauen ganz viel bewirken. Zuhören, Zutrauen und Zuversicht für uns alle, das wünsche ich uns allen für das kommende Jahr.

ZUR AUTORIN: GABI TERHORST AUS VIERSEN IST SEIT ENDE OKTOBER 2015 EHRENAMTLICHE VORSITZENDE DES KATHOLIKENRATES FÜR DIE REGION KEMPEN-VIERSEN. DAS LAIENGREMIUM VERTRITT FAST 159.000 KATHOLIKEN IM KREIS VIERSEN. HAUPTBERUFLICH ARBEITET GABI TERHORST ALS KATHOLISCHE RELIGIONSLEHRERIN AN EINER FÖRDERSCHULE IN VIERSEN.

Quelle: RP
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