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Brüggen
Wo die Müllabfuhr den Müll hinbringt

Brüggen: Wo die Müllabfuhr den Müll hinbringt
Mehr als 100 kleine Fans der "Sendung mit der Maus" erfuhren beim Entsorgungsunternehmen Lankes, was mit unserem Müll passiert, wenn man ihn in die Tonne geworfen hat. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Beim Maus-Türöffnertag hat das Entsorgungsunternehmen Lankes zur Entdeckungstour eingeladen. Mehr als 100 Kinder und viele Eltern informierten sich über den Weg des Mülls. Eine Sachgeschichte Von Jochen Smets

Wenn sich der Müll auf die Reise macht, ist Michael Ploenes der Chauffeur und Benjamin Jakob der Schaffner. Der eine steuert das Müllfahrzeug, der andere steht hinten auf dem Trittbrett und wuchtet die Tonnen auf die Hebeanlage. So eine Tour, die morgens um 6 Uhr beginnt und nicht selten bis 16 Uhr dauert, ist wie eine Dauerkarte fürs Fitnessstudio. Runter vom Trittbrett, Tonne ran- und nach Entleerung wieder wegrollen, wieder rauf aufs Trittbrett und das Ganze zehn Meter weiter von vorn.

Fahrer Michael Ploenes hat es da in seinem Führerhaus bequemer. Er wacht über ein High-Tech-Fahrzeug, das mit reichlich Technik vollgestopft ist. Dank GPS lässt sich die Position des Wagens von der Zentrale jederzeit orten. Und am Hebewerk ist ein Transponder angebracht, der den Barcode auf der Tonne ausliest und so erkennt, wenn jemand eine falsche Tonne dazwischengemogelt hat. Die wird dann nämlich nicht geleert.

Sortiert liegt in Containern das, was vom Abbruch übrig bleibt - hier Glas. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.

"Und wo fahrt ihr den Müll hin?", fragt die zehnjährige Mara. "Der geht in der Verbrennungsanlage", erklärt Hans Willi Lankes. Er ist Chef des Brachter Entsorgungsunternehmens Lankes und sorgt mit seinen 35 Mitarbeitern dafür, dass die Menschen in Brüggen, Niederkrüchten, Wassenberg und Issum nicht im Müll versinken. Denn dort ist Lankes für die Abholung des Mülls zuständig. Früher wurde der Hausmüll einfach auf die Müllhalde gekippt. Deponie nannte man diese Sammelstellen. Dort gammelte er dann vor sich hin. Heute ist das anders. Denn vor 20 Jahren trat das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft. Damit wollte die Politik erreichen, dass Abfälle im Idealfall vermieden und ansonsten wiederverwertet oder verbrannt werden. Die Verbrennung nennt der Fachmann "thermische Verwertung": Aus der Energie, die bei der Verbrennung entsteht, werden Wärme und Strom gewonnen, die bei uns in der Heizung und der Steckdose landen.

Das alles gilt für den Müll, den wir in die graue Tonne werfen. Aber dann haben wir ja noch ein paar andere Tonnen vor dem Haus stehen, die die Firma Lankes ebenfalls regelmäßig einsammelt. Insgesamt zwölf Müllfahrzeuge sind dafür unterwegs. Da gibt es die blaue Tonne für Papier, die braune Tonne für Garten- und Küchenabfälle, die gelbe Tonne für Verpackungsmüll und die Glaskörbe. Das Altpapier bringen Michael Ploenes, Benjamin Jakob und die anderen Müllwerker-Teams direkt in die Papierfabrik. So eine steht zum Beispiel in Roermond. Aus dem Papier, das zu 100 Prozent wiederverwertbar ist, können neue Zeitungen oder Kartonverpackungen gemacht werden. Der Inhalt der gelben Tonne geht nach Süchteln in die Sortieranlage. Alles, was wir in der braunen Tonne sammeln - vom Rasenschnitt bis zur verwelkten Topfpflanze - wandert in die Kompostierungsanlage. Dort entsteht Kompost, den wir im Garten oder die Bauern auf ihren Feldern nutzen können. Glas wird in der Glasverwertungsfabrik in Dormagen geschmolzen. Daraus kann dann wieder neues Glas geformt werden.

Die Kehrmaschine hat es den Maus-Fans angetan. Sie dürfen mit Fahrer Wolfgang Riedling eine Runde drehen. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.

Stephan Dicks, ein Kollege von Hans Willi Lankes, steht vor vier großen Stahlbottichen. Container heißen die. Jeder ist ungefähr so breit und doppelt so lang wie eine Garage. In den vier Containern liegt das, was nach einem Abriss von einem Einfamilienhaus übrig bleibt. Im ersten Container ist das Glas aus den Fenstern. Im zweiten ist Holz, das in den Fensterrahmen, in Deckenbalken und in der Dachkonstruktion steckte. Im dritten sind Metalle wie Klinken, Fenstergriffe, Rohre und ähnliches. Und im vierten landet der Rest, vor allem Steine und Beton. Auch der Inhalt der Container wird wiederverwertet. Das Holz wird geschreddert, so dass man Spanplatten daraus machen kann. Das Metall wird eingeschmolzen und dient als Grundlage für neue Metallteile. Steine und Beton werden zermahlen und als Unterbaumaterial im Straßenbau eingesetzt.

Auch in vielen Firmen, die teilweise mit gefährlichen Chemikalien oder anderen Stoffen arbeiten, sorgt Lankes für die sichere Abholung, Verwertung und Entsorgung.

In der Werkstatt werden die großen Fahrzeuge des Unternehmens gewartet und repariert. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.

Außerdem macht das Unternehmen nicht nur Tonnen leer, sondern auch Straßen sauber. Dafür ist regelmäßig eine Kehrmaschine auf Tour. Selbst das, was sie sammelt, wird wiederverwertet: Der Kehricht wird in eine Fabrik in Bottrop gebracht. Dort wird der Sand, der vorher im Rinnstein war, ausgewaschen und als Baumaterial aufbereitet. Auf der Kehrmaschine dürfen die Maus-Fans mit Fahrer Wolfgang Riedling ein paar Runden über den Hof drehen. Beim achtjährigen Daniel, der ausgiebig den Knopf für die Hupe testet, kristallisiert sich ein Berufswunsch heraus: "Ich werd' Kehrmaschinenfahrer."

Quelle: RP
 
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