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Viersen
Wo die mutigen Kinder spielen

Viersen: Wo die mutigen Kinder spielen
Vor der Aufführung berichteten die Darsteller um Ilona Friedrich auf der Bühne von ihren Vorbereitungen auf das Theaterstück.
Viersen. Was Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam alles auf die Beine stellen können zeigte der Kinderschutzbund Viersen jetzt bei der Theaterinszenierung von "Wo die wilden Kerle wohnen". Die Aktion Mensch unterstützte die Produktion Von Bianca Treffer

Die Aufregung ist den jungen Darstellern, die sich auf der Bühne der Aula des Förderzentrums Ost eingefunden haben, anzusehen. Etwas unsichere Blicke gehen hin und her, aber das zuversichtliche Nicken von Ilona Friedrich gibt Sicherheit. Die Künstlerin strahlt eine Ruhe und Souveränität aus, die sich auf die Kinder überträgt. Und auf einmal ist es ganz egal, dass da Besucher sitzen und die Bühne beobachten. Eigentlich ist alles wie immer, und auf der Bühne zu stehen und zu erzählen, ist etwas ganz normales. Das Eis ist gebrochen, und die Kinder beginnen zu berichten, wie es bei den Proben war, was sie erlebt haben und wie ihr Theaterstück "Wo die wilden Kerle wohnen" eigentlich entstanden ist. Ihr Mutmachtheater, das nicht nur ihnen selbst Mut und Selbstvertrauen gegeben hat, sondern mit dem sie auch zeigen, was alles geht, wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet.

Ein halbes Jahr haben 15 Kinder vom Förderzentrum Ost und Schulen der Umgebung zweimal in der Woche im Förderzentrum zusammen mit Friedrich an dem Projekt Mutmachtheater gearbeitet. Das vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB), Ortsverband Viersen, ins Leben gerufene Projekt, konnte dabei dank der Unterstützung von Aktion Mensch realisiert werden. "Wir haben schon mehrmals Inklusionsprojekte umsetzen können und haben in Ilona Friedrich eine phantastische Partnerin gefunden", berichtet Uta Petersen vom KSB Viersen.

Inzwischen haben die Zuhörer erfahren, dass das Buch "Heute bin ich" eine wichtige Rolle bei der Arbeit gespielt hat. In diesem Buch beschreibt die Autorin Mies van Hout mit Hilfe von originellen Illustrationen die unterschiedlichsten Gefühle. Angeregt von dem Buch lernten die jungen Darsteller Stück für Stück, wie ein jedes Gefühl mit Gestik, Mimik und Sprache auszudrücken ist. Wie ein Gang vom Gefühl beeinflusst wird, wie ein Gesichtsausdruck erzählen kann, was man empfindet und das mittels lautem und leisem Sprechen Gefühle geformt werden können. Anschaulich erzählen die Kinder, wie sie selber Szenen erarbeitet haben, bei denen viele verschiedene Gefühle eine Rolle spielten. Die Gruppe probte Sequenzen, die lose aneinandergereiht an die Herangehensweise beim Improvisationstheater erinnerte. Gerade die Kinder mit Sprachförderbedarf lernten, sich mit Körper und Stimme auszudrücken. Eindrucksvoll schilderten die Kinder, wie sie eine Liebesszene an einer Bushaltestelle inszenierten, bei der sich zwei Menschen inmitten vieler anderer kennenlernten und feststellten, dass sie sich mögen. Schließlich ging's ans Einstudieren des eigentlichen Theaterstückes. Während dieses etwas ungewohnten Einstiegs, bei dem die Besucher Einblick in ein halbes Jahr voller Arbeit und Spaß nehmen konnten, fiel die letzte Aufregung ab. Begeisterte Kinder schlüpften in die verschiedenen Rollen, wobei Max die Hauptfigur des Theaterstückes war. Mit geschickt eingesetzt kleinen Requisiten schuf die Theatergruppe um Friedrich auf der Bühne Situationen wie auf dem Wasser und im Wald, in denen Max eine ganze Gefühlswelt erlebte. "Mein Herz schlägt genau für die Kinder, die sich nicht trauen", betonte Friedrich, nach der großartigen Leistung der Kinder. Sie alle zeigten, dass mit entsprechender Anleitung vieles möglich ist und man auch Mut lernen kann, um etwas Neues und Ungewohntes zu machen, wie zum Beispiel Theater spielen.

Quelle: RP
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