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Kreis Viersen
Zeigen Kneipen bald noch Fußball?

Kreis Viersen: Zeigen Kneipen bald noch Fußball?
Viersener Wirte wollen ihre Abonnements für Sky kündigen. FOTO: Sven Hoppe
Kreis Viersen. Die Neuregelung bei den Übertragungsrechten für die Bundesliga sorgt für Unmut bei Wirten im Kreis Viersen. Kurz vor Saison-Beginn denken einige darüber nach, ihre Abonnements für den Bezahlsender Sky zu kündigen. Von Nadine Fischer

Das "Sky"-Logo wird wohl nicht mehr lange neben der Außenterrasse des Bistros Gambrinus in Viersen an der Hauswand hängen. "Ich habe meinen Vertrag gekündigt", sagt Inhaberin Ljiljana Babovic. So weit ist Jolanta Pientka, Wirtin der Gaststätte Zum Wasserturm in Lobberich, noch nicht. Aber: "Die Situation momentan finde ich ganz schlimm", sagt sie. "Ich denke darüber nach, mein Sky-Abo zu kündigen." Auch bei anderen Gaststättenbetreibern im Kreis Viersen sorgt die Neuvergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte für Unmut.

Bisher konnten Wirte, die ein Abonnement des Bezahlsenders Sky abgeschlossen haben, alle Spiele der Bundesliga auf Leinwänden oder Fernsehern live zeigen. In der Saison 2017/2018 teilt sich Sky die Rechte jedoch mit dem Medienunternehmen Discovery, das 45 Spiele exklusiv bei seinem Sender Eurosport ausstrahlen will. Ob diese Partien nur im Internet zu sehen sein werden, ob Gastwirte neue Abonnements abschließen müssen, um weiterhin alle Spiele zeigen zu können - "das ist alles noch so unklar", sagt Pientka.

Im November endet ihr aktueller Vertrag mit Sky. Das Unternehmen hat der Gastronomin ein Schreiben geschickt: Ihr neuer Vertrag würde zwei Jahre Laufzeit haben und sie monatlich etwa 15 Euro weniger als die bisherigen rund 600 Euro bezahlen. "Dafür, dass die so viele Spiele nicht mehr zeigen, finde ich das relativ teuer", sagt Pientka. "Das rentiert sich kaum." In den kommenden Tagen möchte sie entscheiden, ob sie ihr Abo kündigt. Auch, sich für direkt zwei weitere Jahre an Sky zu binden, schreckt sie ab: "Wer weiß, was im nächsten Jahr wieder für Neuerungen kommen".

Seyfi Ugurlu, Inhaber des Burghofs Brüggen, ist ebenfalls noch unschlüssig. Rund 400 Euro zahlt er im Monat für sein Sky-Abo. Weil er damit in der kommenden Saison womöglich nicht mehr die Freitagsspiele der Bundesliga zeigen kann, rechnet er mit finanziellen Einbußen. "Wir haben hier eigentlich jeden Freitag einen Fußball-Stammtisch. Der hat jetzt abgesagt", erzählt er.

Ugurlu wollte seinen Vertrag beenden, doch die Kündigung sei nicht fristgerecht eingegangen, teilte ihm Sky mit. Stattdessen bekam der Wirt ein Angebot für einen neuen Vertrag - 50 Euro im Monat günstiger, mit einer Laufzeit über 24 Monate. Wie Jolanta Pientka ärgert auch er sich, dass er sich für zwei Jahre binden soll. Und: Er habe mit Sky damals einen Vertrag abgeschlossen über Leistungen, die nun nicht mehr erbracht würden. "Das wäre, als würde ich in meinem Restaurant Schnitzel mit Pommes und Salat auf die Karte schreiben, nur Schnitzel mit Pommes servieren und trotzdem den vollen Preis verlangen."

Ugurlu möchte vorerst abwarten: "Mal schauen, wie das alles weiter geht." Jupp Thofondern, Wirt im Süchtelner Höhen-Eck, verfolgt die Wirren um die Fußballübertragungsrechte noch gelassen. Wenn er demnächst mit seinem Sky-Abo freitags in seiner Gaststätte keine Bundesligaspiele mehr zeigen könne, sei das nicht weiter tragisch. "Da wir hier überwiegend Gladbach-Fans haben, wirkt sich das alles nicht so auf uns aus", sagt Thofondern. Sollte die Borussia an einem Freitag spielen, "dann nehmen wir das eben in Kauf". So häufig komme das ja nicht vor. "An den ersten sechs Spieltagen der Saison spielt Borussia schon mal nicht an einem Freitag." Dass er als Wirt immer mehr Beiträge für weniger Leistung erbringen müsse, ärgert ihn dennoch. Sollten in seinem Sky-Abo bald noch weniger Spielübertragungen enthalten sein, denkt auch er darüber nach, zu kündigen.

Denn wirklich Geld verdienen lasse sich mit dem Fußball in den Gaststätten nicht - darin sind sich Pientka und Thofondern einig. Das sei eher ein Service für die Gäste.

Quelle: RP
 
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