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Niederkrüchten
Zeit zum Pläneschmieden

Niederkrüchten. Zurückgehende Einnahmen zwingen die Gemeinde Niederkrüchten auf Sparkurs. "Alles kommt auf den Prüfstand", kündigt Bürgermeister Winzen an. Gleichzeitig gilt es, Konzepte für die Konversion des Flughafens zu entwickeln. Von Jochen Smets

Nach den kalorienreichen Festtagen kommt die Zeit der Diäten. Der eine oder andere Hüftring infolge der einen oder anderen Schlemmer-Sünde muss weg. Auf Diät geht 2010 auch die Gemeinde – nicht weil sie Speck angesetzt hätte, im Gegenteil: Finanziellen Hüftspeck, der als Polster schwere Zeiten erträglicher machen könnte, gibt es kaum. Niederkrüchten, das nicht unter Völlerei-Verdacht steht, muss eisern sparen. Darauf wird Bürgermeister Herbert Winzen die Bürger schon beim Neujahrsempfang am kommenden Samstag einstimmen.

1,5 Millionen Euro weniger

Der Haushalt 2010 wird vermutlich Mindereinnahmen von 1,5 Millionen Euro ausweisen, kündigt Winzen an. Vor allem die Gewerbesteuereinnahmen und der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer dürften erheblich zurückgehen – die Wirtschaftskrise ist in Niederkrüchten angekommen. "Wir müssen unsere Ausgaben reduzieren", betont Winzen. Und das bedeutet: "Alles kommt auf den Prüfstand." Das gilt auch für "liebgewonnene freiwillige Leistungen", so der Bürgermeister weiter. Der Katalog möglicher Einschnitte reicht von der durchaus üppigen Sport- und Kulturförderung in der Gemeinde bis hin zum Straßenbau. Winzen will – im Einklang mit den Parteien – unbedingt ein Abrutschen in einen Nothaushalt vermeiden, weil die Gemeinde dann ihre finanziell-gestalterische Unabhängigkeit verlöre.

Positiv ist, dass die Gemeinde in fetteren Jahren wichtige Investitionen getätigt hat – die neue Realschule, der Umbau des alten Feuerwehrgerätehauses zum Bürgerservice oder die Offene Ganztagsgrundschule in Elmpt seien als Beispiele genannt. Die neue Kindertagesstätte an der Overhetfelder Straße in Elmpt kann sich die Gemeinde nur leisten, weil sie größtenteils aus Mitteln des Konjunkturpakets II finanziert wird (dafür muss Blau-Weiß Niederkrüchten einstweilen auf einen Kunstrasenplatz verzichten).

Folgenutzung für 980 Hektar

Die größte Herausforderung steht der Gemeinde indes noch bevor: 2014 wollen die Briten abziehen und den ehemaligen Militärflughafen freigeben. Für eine gigantische Fläche von 980 Hektar muss eine Folgenutzung her. Konzepte dafür gilt es jetzt zu entwickeln. Enttäuscht ist Winzen in diesem Zusammenhang, dass Unterstützungs-Zusagen des Landes bisher nicht über das Stadium von Lippenbekenntnissen hinausgekommen sind. Aus Roermond gibt es laut Winzen Signale, dass sich die an möglichen Arbeitsplätzen für die eigenen Bürger interessierte niederländische Nachbarstadt an einer Folgeplanung beteiligen könnte. Dann könnten Interreg-Mittel aus EU-Töpfen beantragt werden.

"Wichtig ist, dass wir im Moment da facto schuldenfrei sind", so Bürgermeister Herbert Winzen. Das sichert Handlungsspielräume. Damit das so bleibt, "müssen wir uns einschränken". Es ist die Zeit der Diäten.

Quelle: RP
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