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Viersen
Zu warm: Händler sitzen auf Winterware

Viersen: Zu warm: Händler sitzen auf Winterware
Auf dem Schlitten kann Gabriele Beyes, Praktikantin in der "Zoo- und Gartenwelt Frieters", entspannt sitzen bleiben. Danach fragt jetzt niemand. Bei zweistelligen Temperaturen sind auch Wintermode oder Skibekleidung Ladenhüter. FOTO: busch
Viersen. Mützen, warme Unterwäsche, Schlitten - bei zweistelligen Temperatur-Werten sind das Ladenhüter. Der milde Winter lässt die Umsatzerwartungen des Handels schmelzen. Die Geschäftsleute reduzieren so früh wie selten. Von Daniela Buschkamp

Gabriele Beyes, Praktikantin bei "Zoo- und Gartenwelt Frieters", kann zurzeit weder Streugut noch Schlitten an den Mann bringen: Die typischen Winterartikel bleiben im Laden stehen, bei zweistelligen Temperatur-Werten sind sie nicht gefragt. "Winterfutter für Vögel, warme Mäntelchen für Hunde" nennt Norbert Langens, Geschäftsführer von "Frieters" als Beispiele für Artikel, auf denen er in diesem bisher ungewöhnlich warmen Dezember sitzen bleibt.

Nicht nur bei Garten- und Tierartikeln zeigt der warme Winter seine Auswirkungen. Er lässt auch in anderen Branchen die kalkulierten Umsätze schmelzen. Beim Bummel durch die Viersener Innenstadt kleben etwa an zahlreichen Schaufenstern bereits "Sale"- und "Reduziert"-Aufkleber, Winterjacken oder Pullover werden mit Preisnachlässen ab 40 Prozent angeboten. "Das Wetter tut jedem weh", sagt Stephan Weymans, Filialleiter bei "Intersport Borgmann". Schlitten gehören dort längst nicht mehr zum Sortiment. "Das kann man nur falsch machen", sagt er. Gerade bei der Skibekleidung hofft er aber noch auf die Ski-Urlauber. Auch Gabriele Schmitt, Geschäftsführerin bei Fritz Schmitz Damenmoden" hat den "großen Run" noch nicht erlebt. "Mäntel, Jacken und Rollis gehen schlecht." Beim ersten Kälteeinbruch vor rund vier Wochen sei allerdings einiges verkauft worden.

Umsatzeinbußen sind längst "nicht nur ein regionales Phänomen", sagt Markus Ottersbach, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Krefeld-Kempen-Viersen. Auch er hat sehr frühe Reduzierungen bei seinen Rundfahrten bemerkt: "Bisher fanden diese erst nach Weihnachten statt." Ottersbach weiß: "In der Modebranche wirkt sich das Wetter 1:1 auf den Kleidungskauf aus." Bei minus 15 Grad würden die Kunden sofort zu Schals, Pullover und Jacken greifen: "Bei 17 Grad probiert niemand eine Winterjacke an", sagt er. Für die Branche stelle der milde Winter eine unkalkulierbare Härte dar: "Mancher kleine Händler, der sich bei seinen Bestellungen verkalkuliert hat, kann in Schwierigkeiten geraten", sagt der Verbandsvorsitzende. Größere Geschäften könnten dies besser verschmerzen. In der Modebranche laufe von Januar bis März die Orderrunde für die Winterkollektionen - für die Händler sei es schwierig, sich auf das wechselhafte Wetter einzustellen.

Eine, die bereits ihre Bestellungen auf die zunehmend milderen Winter angepasst hat, ist Angelika Houben vom gleichnamigen Damenmodehaus: "Ich kaufe anders ein. Weniger dicke Ware, sondern mehr für den Übergang." Doch auch Houben hat bereits die ersten Preisschilder mit dem Rotstift durchgestrichen: "Wir kriegen die erste Herbst-/Winterkollektion bereits im Juli/August. Teile davon habe ich heruntergesetzt." Laut Markus Ottersbach würde aber gerade die Mode-Branche zunehmend unter Druck stehen: Es gebe einen Produktionsüberhang, gleichzeitig sei die Mode-Affinität der Käufer ebenso gesunken wie ihre Bereitschaft, Ausgaben zugunsten von Mode aus anderen Bereichen zu verschieben.

Sind Rabatte also die Lösung? "Nicht nur. Auch wenn der Einzelhändler meist nachzieht, wenn die Konkurrenz bereits reduziert hat", sagt Ottersbach. Nicht jeder habe die Lagerkapazitäten, doch manchmal lohnt es sich zu warten: Im Februar oder März könnten die Temperaturen fallen - dann sei die Winterware wieder heiß begehrt. Auch Luise Strucker, Inhaberin im "Huthaus Brötsch", setzt auf Geduld. "Die Nachfrage ist bisher verhalten, aber vor Januar setzen wir keine Ware herunter", sagt sie - auch wenn viele dies bereits getan hätten.

Mit Kälte rechnet auch Norbert Langens. Er ist sicher: "Der richtige Winter kommt erst noch."

Quelle: RP
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