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Viersen
Zuhörer jubeln nach Konzert in der Viersener Festhalle

Viersen. Die "Russische Nationalphilharmonie" und Pianist Nicolai Tokarev begeisterten mit russischem Programm Von Heide Oehmen

Eine derartig gefeierte Veranstaltung wie das zweite Sinfoniekonzert ist in der Viersener Festhalle, die auch diesmal wieder lückenlos gefüllt war, nicht alle Tage zu erleben. Dabei begann der Abend mit einer Enttäuschung: Vladimir Spivakov, der Gründer und Künstlerische Leiter der im Jahre 2003 gegründeten "Russischen Nationalphilharmonie" - ein weltweit gefragter Dirigent und darüber hinaus allseits geachtet als Mittler zwischen den Kulturen - war erkrankt. Mihhail Gerts, ein Künstler, den vermutlich in Viersen niemand kennt, war als sein Vertreter avisiert.

Nachdem das groß besetzte, zu Teilen recht junge Orchester Platz genommen hatte, erschien ein schmaler junger Mann in schwarzem Gehrock, geschätzt höchstens 25 Jahre jung, und hob den Taktstock zur Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" von Peter I. Tschaikowsky. Von diesem Augenblick an kam das Publikum aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit welcher Präzision, welchem musikantischen Gestus und welcher Freundlichkeit dieser Ausnahmekünstler der Dirigenten-Nachwuchsgeneration das spürbar mit Feuer und Engagement mitgehende Orchester leitete, fesselte vom ersten bis zum letzten Ton. Gerts stand völlig über seinen dirigentischen Aufgaben, die er ohne auch nur einmal in der Spannung nachzulassen bestens löste. Das zeigte sich mehr noch als in der Ouvertüre in der 5. Sinfonie e-Moll von Tschaikowsky, in der er dem willig mitgehenden Orchester, das in zahllosen, wunderbar ausmusizierten Soli und auch im blühenden, vorbildlich homogenen Gesamtklang Hervorragendes leistete, mit einladender Gestik das Äußerste abverlangte. Am Schluss wetteiferten Zuhörer und Orchester miteinander, den "Ersatzdirigenten" gebührend zu feiern.

Zum dritten Mal machte der 33-jährige russische Pianist Nicolai Tokarev, der auf internationale Verpflichtungen und erlesene Preise verweisen kann, in der Festhalle Station. Seine außerordentliche Virtuosität und perlende spieltechnische Brillanz waren seinerzeit schon bei Konzerten von Edvard Grieg und Peter Tschaikowsky zu bewundern. Nun ist bei dem inzwischen in Düsseldorf lebenden Künstler auch die Reife und Demut vorhanden, getragene Sätze verinnerlicht auszumusizieren. So wurde - getragen von erlesener Orchesterbegleitung - das 2. Klavierkonzert c-Moll op.18 von Sergej Rachmaninoff zum ungetrübten Hörgenuss. Ein ganz großer Abend!

Quelle: RP
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