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Niederkrüchten/Schwalmtal
Zukunft des "Big Bass" wird diskutiert

Niederkrüchten/Schwalmtal: Zukunft des "Big Bass" wird diskutiert
Im Jugendhilfeausschuss des Kreises hatte die Verwaltung zunächst die Situation des rollenden Jugendtreffs "Big Bass" kurz geschildert. FOTO: Busch
Niederkrüchten/Schwalmtal. In den nächsten Wochen müssen Kreis, Kirche und Gemeinden über Fortführung oder Ende des Jugendtreffs sprechen. Von Birgitta Ronge

Ob der rollende Jugendtreff "Big Bass" auch 2016 noch durchs Grenzland fahren soll, darüber müssen die politischen Vertreter in den Gemeinderäten Niederkrüchtens und Schwalmtals, der katholische Kirchengemeindeverband als Träger und der Kreis nun reden. Im Jugendhilfeausschuss des Kreises hatte die Verwaltung zunächst die Lage kurz geschildert.

Der rollende Jugendtreff war vor zwei Jahren als Projekt bis Ende 2015 verlängert worden. Das hatte damals der Kreistag mehrheitlich bei 17 Gegenstimmen beschlossen. Weil der Kreistag damals so entschied, stellten die Gemeinden Niederkrüchten und Schwalmtal in ihrer Haushaltsplanung ab 2016 auch keine Finanzmittel mehr für den Bus ein. Sie müssen nun also überlegen, ob sie ab 2016 weiterhin Geld für den Bus ausgeben können und wollen.

Der Bus fährt kleine Ortschaften in Niederkrüchten und Schwalmtal an und macht pädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche. Diskutiert werden seit Jahren das Konzept, die personelle Besetzung und die Finanzierung. Zunächst ist da die Frage, ob der Bus für die pädagogische Arbeit überhaupt nötig ist.

Die einen argumentieren, der Bus sei nicht notwendig, die Angebote für Kinder und Jugendliche seien auch ohne Bus machbar. Die anderen halten dagegen, der Bus sei sehr wohl notwendig - biete er doch beispielsweise bei Regen trotzdem Spielmöglichkeiten, etwa unten in der Sitzecke oder oben im Kickerraum. Mit Sozialpädagoge Eric Loll am Steuer verfügt der Bus über eine Fachkraft. Loll hat den Busführerschein, kann den Jugendtreff also von Ort zu Ort fahren. Ist Loll krank, fährt der Bus nicht.

Nach einer Evaluation 2012 durch Prof. Ulrich Deinet lautete das Fazit: "Wenn Big Bass, dann richtig" - auch mit dem Hinweis darauf, dass eine zweite Fachkraft nötig sei. Doch die Einstellung einer zweiten Fachkraft wäre teuer. Würde man ihr den Busführerschein bezahlen und außerdem Geld beiseite legen müssen für den Fall, dass in absehbarer Zeit ein neuer "Big Bass" als Ersatz für den alten her müsste, hätten Kreisjugendamt und Träger fast 200 000 Euro mehr zu stemmen. Das könnten weder die klammen Gemeinden Schwalmtal und Niederkrüchten bezahlen noch der Kreis.

Der Ausschussvorsitzende Thomas Paschmanns bat darum, in den nächsten ein, zwei Wochen Rückmeldungen zu erhalten, wie man denn in den dem Kreisjugendamt angeschlossenen Kommunen den "Big Bass" sieht. Denn bezahlen müssen über die Kreisumlage alle gemeinsam, also auch Brüggen, Grefrath und Tönisvorst. Der katholische Kirchengemeindeverband jedenfalls will den Bus nicht nur halten, sondern ihn auch aus dem Projektstatus holen und in eine Regeleinrichtung überführen. Das hat der Kirchengemeindeverband als Träger dem Kreis mitgeteilt.

Ein klares "Ja" zum "Big Bass" konnte Heinz Joebges für die SPD schon abgeben, "wir wollen den ,Big Bass' nicht sterben lassen", sagte er. Hermann-Josef Güldenberg, als Vertreter für die Gemeinde Schwalmtal beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss, rügte wie andere Ausschussmitglieder auch die Vorlage der Verwaltung: "Aus meiner Sicht schätzen Sie die geleistete Arbeit des Jugendbusses zu wenig." Es gebe eine große Zustimmung zu der Arbeit des "Big Bass", es gebe Initiativen, die alles daran setzten, den Bus "nicht sterben zu lassen".

Er sei auch nicht damit einverstanden, dass das Deinet-Gutachten immer als "Totschlagargument" benutzt werde - sei der Bus nicht auch in einer einfachen Form seine Existenz wert? Güldenberg sprach damit die Frage an, ob der "Big Bass" nur dann gut weitergeführt werden könnte, wenn man eine zweite Fachkraft einstellen würde.

Doch damit sieht es in festen Jugendzentren nicht besser aus. Daran erinnerte Angelika Witte, beratendes Mitglied der evangelischen Kirche: "Es sollte auch jedes Haus - eine Wunschvorstellung - mit zwei Personen besetzt werden." Klaus von der Heiden, beratendes Mitglied der katholischen Kirche, bestätigte, die Besetzung mit nur einer Fachkraft sei ein gängiges Prinzip in den Jugendzentren im Kreis - sei beispielsweise die Leiterin des Doc5 in Niederkrüchten krank, sei auch die Einrichtung geschlossen. Von der Heidens Fazit: "Es ist im Kreis üblich, so minderbesetzt zu sein."

Zur Kritik an der Verwaltungsvorlage erläuterte Kreisjugendamtsleiter Lothar Thorissen: "Unsere Bewertung des ,Big Bass' ist nicht so positiv, wie sie in der Öffentlichkeit gesehen wird." Man habe keine inhaltlichen Probleme mit dem "Big Bass", aber wenn der Bus nur dabei sein solle, als Alibi, könne das auch nicht sein.

Heinz Joebges von der SPD sah das anders. Er habe mit vielen Bekannten gesprochen, was sie denn von dem Bus hielten. Ihre Argumente wiederholte Joebges im Ausschuss: Allein durch seine Aufmachung sei der Bus ein Alleinstellungsmerkmal. "Sie haben zu mir gesagt: ,Das ist der Bus der Kinder. Den könnt ihr nicht plattmachen.'"

Quelle: RP
 
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