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Niederkrüchten
Zum Auftakt gab es einen Skandal

Niederkrüchten: Zum Auftakt gab es einen Skandal
Zum Vorstand der Niederkrüchtener Grünen Anfang der 1990er Jahre gehörten Ralf Wilke (v.l.), Andrea Schmitz, Marianne Lipp, Marion Fackler, Birgit Weecks, Nina Ungerechts und Dr. Klaus Fackler. FOTO: privat
Niederkrüchten. Vor 25 Jahren haben sich die Grünen in Niederkrüchten gegründet. Die streitbare Partei hat Farbe in den politischen Betrieb gebracht. Morgen wird das Jubiläum auf dem Adolph-Kolping-Platz in Elmpt gefeiert. Von Jochen Smets

Die erste Aktion war dann gleich mal ein handfester Skandal. 1990 - erste zarte Bande der Annäherung zwischen der Royal Air Force und der Gemeinde waren geknüpft - luden die Briten eine deutsche Delegation zum ersten Besuch auf dem Flughafengelände ein. Auch eine Gruppe der damals sehr aktiven Aktionsgemeinschaft Fluglärm und der frisch gegründeten Ortspartei der Grünen war dabei. Alles war hübsch harmonisch - bis die Aktivisten sich zeitgleich die Jacken auszogen. Jeder trug ein T-Shirt mit einem Buchstaben drauf. Blitzschnell formierte sich die Reihe und bildete einen menschlichen Schriftzug: "Atombomben raus". Bei den übrigen Gästen und den Gastgebern löste das kollektive Schnappatmung aus. Hintergrund der Aktion: Damals hatten die Briten stets geleugnet, dass es auf dem Flughafen Atomwaffen gebe. Dass es anders war, räumten sie erst sehr viel später ein.

Ja, die Grünen haben Farbe in den politischen Betrieb gebracht. Vor gut 25 Jahren, im Februar 1990, traf sich ein halbes Dutzend Idealisten, um in der alten Schule in Heyen einen Ortsverein zu gründen. Man saß stilsicher auf dem Boden, erinnert sich Marion Fackler, eines der Gründungsmitglieder. Die Zeit war reif für die Grünen, findet Marianne Lipp, ebenfalls ein Mitglied der ersten Stunde. Natur und Umwelt hätten in der Gemeinde Niederkrüchten damals nicht die geringste Lobby gehabt. Lipp und Dr. Klaus Fackler waren die prägenden Figuren der ersten Jahre. Es war ein ideales Gespann: Hier der spontane, leidenschaftliche, streitbare Bauchmensch Lipp, dort der kühle, analytische, rhetorisch brillante Kopfmensch Fackler. Dessen messerscharfe, ironisch-bissige Haushaltsreden zählen zum Besten, was je im Ratssaal zu hören war.

Fackler hat sich längst aus der Kommunalpolitik zurückgezogen. Lipp ist immer noch aktiv - und immer noch voller Energie. Leicht hatten es die Grünen in den ersten Jahren nicht. Im Rat waren sie zunächst nicht vertreten, weil sie bei der Kommunalwahl 1989 noch nicht auf der politischen Bühne waren. Das änderte sich erst 1994, als die Partei zwei Ratsmandate holte. Den ersten grünen Antrag schmetterten die etablierten Parteien krachend ab. Es ging um eine Baumschutzsatzung. Die gibt es in Niederkrüchten übrigens bis heute nicht. Als 1995 ein anonymer Brief - wohl von einem britischen Soldaten geschrieben - auf Grundwasserverseuchungen durch Kerosinlecks hinwies, machten die Grünen das publik. Bis heute wird der Kerosinsee abgepumpt. Und bis heute kämpfen die Grünen konsequent für die Umwelt - und demzufolge gegen Kiesabbau in Oberkrüchten, gegen McDonald's am Waldrand und gegen einen Vollsortimenter im Landschaftsschutzgebiet.

Geändert hat sich allerdings das politische Klima. "Es gibt eine größere Akzeptanz für grüne Themen, und es gibt größere Schnittmengen mit den anderen Parteien", sagt Anja Degenhardt, die seit vier Jahren Vorstandssprecherin des auf 26 Mitglieder angewachsenen Ortsverbandes ist. Die Fraktion versteht sich längst auch auf pragmatische Ratsarbeit und das Organisieren von Mehrheiten. Sind die Grünen also zahm geworden? Lipp weist das fast entrüstet zurück: "Das werden Sie nicht erleben."

Quelle: RP
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