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Nettetal
Zurück in alte Schulzeiten

Nettetal: Zurück in alte Schulzeiten
Günter Cox (3. Reihe, 3. v.l. im gestreiften Pulli) im Jahr 1957 mit seiner Klasse und der Lehrerin Fräulein Gewaltig, die "auch genau so war". FOTO: cox
Nettetal. Große Klassen, oft wechselnde Lehrer, Unterricht von Montag bis Samstag — und im Tornister befanden sich Schiefertafel, Griffel und Schwämmchen: Ehemalige aus der heute nicht mehr existierenden Volksschule Breyell erinnern sich an ihre Schulzeit. 

1935: Hans Hoffmanns (88) erzählt: "Beten vor dem Unterricht war selbstverständlich." In der Klasse habe ein Ofen gestanden, auf dem Schulhof habe es eine Wasserpumpe gegeben. Die sanitären Anlagen hätten aus Plumpsklo und Pinkelrinne bestanden und seien gemieden worden. Samstag war ein Schultag wie jeder andere, der Unterricht habe um kurz nach 7 Uhr begonnen bis 13 Uhr gedauert. Nach den Hausaufgaben habe man Zeit zum Spielen gehabt. "Der Samstag war immer der schönste Schultag: Da bekam ich fünf Pfennig für ein Brötchen vom Bäcker, und es blieb noch Geld übrig für zwei Himbeerbrocken." Ein Ausflug wurde etwa zu den Süchtelner Höhen gemacht, mit dem Zug ging es zurück. Natürlich musste darüber — wie über jeden Ausflug — ein Aufsatz geschrieben werden.

Rolf Ingenrieth (2.v.l., obere Reihe) 1955 mit Mitschülern. FOTO: Ingenrieth

1951: Winfried Sieben (73) erinnert sich kaum noch an seinen ersten Schultag: "Das war nichts Besonderes: Man wurde einfach zur Schule geschickt." 54 Kinder waren in seiner Klasse, alle in einem Raum mit einem Lehrer. Streiche standen auf der Tagesordnung, Strafarbeiten und auch die Prügel dafür wurden eingesteckt. Seine Klasse, so erinnert sich Sieben, habe etwa dafür gesorgt, dass ein Pastor nie mehr Religionsunterricht an einer Schule geben wollte. Ein Mitschüler wurde im Fahrradkeller versteckt und schickte durch das Heizungsrohr Sätze wie "Hierist der Teufel" ins Klassenzimmer. Keiner in der Klasse gab sich als Störenfried zu erkennen, immer mehr Jungen wurden vom erbosten Pfarrer auf den Flur geschickt. Das rief den Rektor auf den Plan — eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Pfarrer folgte. Worüber sich die Schüler damals am meisten freuten: "Wenn es keine Hausaufgaben gab."

Winfried Sieben (hintere Reihe, 7. v.l. ) als Erstklässler der Volkschule in Breyell im Jahr 1951. FOTO: Sieben

1955: Rolf Ingenrieth (68) erinnert sich noch an Fleißkärtchen, die bunte Bilder oder Hausaufgabenbefreiung bedeuteten. "Als Junge musste man sich um seinen Ruf sorgen, wenn man bis zur große Pause noch keinen Streich gespielt hatte." Dafür steckte man auch Schläge ein.

Anneliese Sieben (3.v.r.) beim Malunterricht. Die Schüler saßen an großen Tischen in einem Raum. Die Mädchen trugen Zöpfe, bis sie 12 waren. FOTO: Sieben

1955: Günter Cox (68) gehörte zu den sechs von 36 Jungen, die in die Mädchenklasse geschickt wurden. In höheren Klassen war der Kontakt zum anderen Geschlecht begehrt: Wer beim Rechnen der Schnellste war, durfte die Milch rüberbringen: "Das spornte an." Schule habe ihm immer Spaß gemacht. Heute erinnert er sich an die Nachmittage: "Nach den Schularbeiten spielten wir draußen, jeden Tag."

Das Gebäude der katholischen Volksschule Breyell existiert heute nicht mehr. Dort, wo sich früher die WC-Anlagen der Volksschule befanden, ist inzwischen das Feuerwehrmuseum. FOTO: Archiv Ingenrieth

1957: Anneliese Sieben (66) besuchte die Katholische Volksschule in Leutherheide, dem Nachbarort von Breyell: "Es gab nur eine Klasse für alle acht Jahrgänge. Die älteren Kinder halfen den jüngeren, der Lehrer hätte das nicht alles geschafft." Ihre Schule galt damals als sehr modern, Gruppenarbeit sei selbstverständlich gewesen. Und geprügelt wurde auch nicht mehr.

Quelle: RP
 
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