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Viersen
Zwei Jahre Warten auf eine Garage

Viersen: Zwei Jahre Warten auf eine Garage
Liane und Michael Ramrath zeigen die Stelle, an der sie gern eine Doppelgarage errichten würden. Obwohl in der Nachbarschaft viele andere Garagen stehen, ist es gar nicht so einfach, eine Baugenehmigung von der Stadt zu erhalten. FOTO: Kaiser
Viersen. Viel Geduld und Anstrengungen mussten Liane und Michael Ramrath für den Bauantrag einer Doppelgarage aufbringen. Nach zwei Jahren soll jetzt endlich die Baugenehmigung durch die Stadt Willich erteilt werden Von Bianca Treffer

Ein bisschen hört es sich an wie ein Schildbürgerstreich, was Liane und Michael Ramrath in den vergangenen zwei Jahren mit der Bauaufsicht der Stadt Willich erlebt haben. Alles nahm seinen Anfang am 11. April 2014. Zu diesem Zeitpunkt stellte das Ehepaar aus Neersen den Bauantrag für eine Pkw-Doppelgarage - in den Augen der beiden kein großes Problem.

Schließlich haben Nachbarn, nur wenige Meter entfernt, ebenfalls eine Doppelgarage, deren Zufahrt über die gleiche Straße beziehungsweise Begrünung erfolgt, wie dies bei den Ramraths der Fall ist. Zudem gibt es von dieser Seite bereits eine ehemalige Zufahrt auf das eigene Grundstück, die sogar von der Straße an, über das städtische Grün führend, mit Waschbetonplatten verlegt ist. "Wir haben die Zufahrt allerdings mit einem Maschendrahtzaun verschlossen, da regelmäßig Hunde auf unser Grundstück gelaufen sind", sagt Michael Ramrath. Dazu steht eine Garage neben dem Einfamilienhaus, die allerdings nicht dem Ehepaar gehört, sondern weiteren Nachbarn. "Das Stück ist damals ausparzelliert worden, weil unsere Nachbarn sonst keine Möglichkeit gehabt hätten, eine Garage zu bauen", berichtet Liane Ramrath, die das Grundstück mit ihrem Mann zusammen im Dezember 2011 gekauft hatte - und die selbst Mitarbeiterin der Stadt Willich ist, im Geschäftsbereich Objekt- und Wohnungsbau.

Garagen satt also, und nun sollte die der Ramraths folgen. Der Bauantrag ging ein, und damit startete die Odyssee, mit der keiner der beiden aufgrund der bestehenden Gegebenheiten gerechnet hätte. Die Bauaufsicht lehnte den Antrag ab. Die Begründung: Die Erschließung sei nicht gesichert, da die Zufahrt nur über den im städtischen Besitz befindlichen Grünstreifen als Straßenbegleitgrün erschlossen werden könnte. Eine Befestigung des Straßenbegleitgrüns sei nicht zulässig, da das Regenwasser der Straße darüber entwässern würde. Bei dem Neersener Ehepaar setzte das erste verständnislose Kopfschütteln ein.

Liane Ramrath stellte im Zuge ihrer Recherche fest, dass es die Zufahrt seit über 40 Jahren gibt und diese auch als solche genutzt wurde. Die Ramraths klagten daher gegen die Ablehnung. Es kam zu einem außergerichtlichen Einigungstermin, bei dem die Stadt Willich vorschlug, einen Regenwasserkanal von der Zufahrt bis zur Bengdbruchstraße legen zu lassen, um das anfallende Regenwasser der Zufahrt und der Garage zu entwässern. Wobei die Kosten für rund 14 Quadratmeter große Fläche bei rund 10.000 Euro gelegen hätten. Zahlbar natürlich von Liane und Michael Ramrath, die dies nicht als Lösung ansahen.

Der folgende Rechtsstreit ging zugunsten der Hauseigentümer aus. Die Kosten musste die Stadt Willich tragen. "Was uns in Sachen Entwässerung auffiel, ist das Pumpenhäuschen samt befestigter Fläche. Es liegt uns schräg gegenüber, ebenfalls auf städtischem Grün, und dort kann einfach so entwässert werden. Hier ist alles ohne Kanal und dergleichen möglich", bemerkt Liane Ramrath. Während eines Ortstermins mit der zuständigen Richterin wurde der Beschluss gefasst, die Garage sowie die auf dem städtischen Grundstück befindliche Zufahrt über die vorhandene Rigole zu entwässern. Die einzige Voraussetzung laut Stadt Willich wäre eine wasserrechtliche Erlaubnis des Kreises Viersen.

Liane Ramrath setzte sich sofort mit dem Kreis Viersen in Verbindung. "Dort teilte man mir mit, dass die Entwässerung über die Rigole überhaupt nicht notwendig sei. Vielmehr sei eine Entwässerung über die gewachsene, belebte Bodenzone genehmigungsfrei zulässig", berichtet die Neersenerin. Sie gab diese Information schriftlich an die Bauaufsicht der Stadt Willich weiter und machte zudem den Vorschlag, das Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück zu entwässern. Das Ergebnis war die Forderung der Einreichung eines vollständigen Entwässerungsantrages mit Lageplan, Darstellung der Entwässerungseinrichtungen einschließlich einer wassertechnischen Berechnung und einem Bodengutachten mit dem Nachweis der möglichen Verbringung des Oberflächenwassers auf der verbleibenden Freifläche des Grundstücks, ohne dass die Nachbargrundstücke beeinträchtigt werden.

Im Dezember 2015 gab es einen erneuten Ortstermin, doch ohne Erfolg. Dass die sich auf dem ausparzellierten Stück befindliche Garage ohne all diese Vorgaben errichtet werden konnte, spielte keine Rolle. Die Ramraths baten den Kreis um die eigentlich nicht notwendige wasserrechtliche Erlaubnis, die sie 200 Euro kostete. Diese liegt nun seit Januar 2016 der Bauaufsicht vor, doch eine Baugenehmigung gab es bislang noch nicht. "Der zuständige Mitarbeiter ist erkrankt. Sobald er wieder einsatzfähig ist, wird die Baugenehmigung erteilt", teilte indes Andrea Ritter, Geschäftsstellenleiterin der Bauaufsicht auf Anfrage der RP mit. Die Ramraths sind gespannt.

Quelle: RP
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