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Viersen
Zwei Künstler für zwei Orte

Viersen. In Viersen und Gladbach stellen ab morgen Vera Lossau und Amit Goffer aus. In der Villa V wird das Wohnzimmer zur Galerie Von Birgitta Ronge

Die Wände im Wohnzimmer der Villa V sind hellgrün. So hell, dass sie fast weiß erscheinen, wenn die Sonne durch die großen Fensterscheiben fällt. Die Villa schuf der Bauhaus-Architekt Bernhard Pfau zu Beginn der 1930er-Jahre für den Kaffeegroßhändler Walter Kaiser (Kaiser's Kaffee). Heute lebt dort Gerda-Marie Voß, Diplom-Ingenieurin der Fachrichtung Innenarchitektur und Kunsterzieherin. Regelmäßig öffnet sie ihr Haus für Menschen, die Kunst lieben, für Künstler und Kunstinteressierte.

Ab Sonntag dienen die hellgrünen Wände im Wohnzimmer nun als Hintergrund für Skulpturen der Künstlerin Vera Lossau. Die Bildhauerin, 1976 in Haan geboren, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Konrad Klapheck, Magdalena Jetelová und Rita McBride. Mit Blick auf die hellen Wände, die luftige Atmosphäre der Räume und die verspielt anmutenden Türbögen und Klinken hat Lossau für die Ausstellung in Viersen vor allem farbige Arbeiten ausgewählt. "Der Raum hat eine Wahnsinnsproportion und viel Licht", sagt Lossau über das Wohnzimmer. "Ich habe versucht, das aufzugreifen."

Die Ausstellung in der Villa V ist ein Teil einer Doppelausstellung. Den zweiten Teil bestreitet der Künstler Amit Goffer im Rudolf-Boetzelen-Silo des MMIII Kunstvereins Mönchengladbach. Er wurde 1979 in Tel Aviv geboren und studierte ebenfalls an der Kunstakademie Düsseldorf. "Doppel X" heißt das gemeinsame Projekt von Villa V und Kunstverein, das junge Künstler und Kuratoren am Niederrhein fördern will und vom NRW-Kulturministerium und dem Kulturbüro Mönchengladbach unterstützt wird. Mit Lossau und Goffer stellen nun zwei Künstler an zwei Orten aus. Im September folgen mit Eva Weinert und Vesko Gösel zwei weitere Künstler für beide Orte. Kuratorin ist die junge Kunsthistorikerin Hannah Eckstein, die aus Mönchengladbach stammt. Der Titel der Doppelausstellung nun lautet "Change of Guards" - Wachwechsel. An beiden Orten gehen die Künstler auf die Räume ein - die Villa auf der einen, die industrielle Umgebung auf der anderen Seite. Lossaus Arbeiten sind überwiegend in Viersen zu sehen, Goffers in Mönchengladbach. Doch an beiden Orten findet der Besucher Verweise auf den anderen Künstler.

In der Villa V platziert Lossau leuchtende Neonskulpturen an der Wand, die wie verlorene Fäden wirken. Aus einer zerfetzten Granate hat sie ein zartes, pastellfarbenes Objekt geschaffen, "das schwere, harte Metall in etwas Helles, Verträumtes transferiert", erklärt sie. Ein Strahlenkranz, aus Kunststoff handgeformt und goldglänzend, erinnert an den Prunk der Kirchen - nur dass hier die Fingerabdrücke der Künstlerin sichtbar sind. Das ist ihr wichtig: "Man sieht die Abdrücke der Hand, sieht, wie es gemacht wurde."

Dieser Prozess des Machens gehört zum Zyklus des Entstehens und Vergehens - ein Thema, das Lossau in einem Stop-Motion-Video aufgreift, das auf eine Wand projiziert wird. Es zeigt das Entstehen einer Skulptur aus Plastilin - bunte Kugeln, die unaufhörlich neue Gebilde formen. Das sei das grundlegende Tun in ihrer Arbeit, erklärt Lossau. Und so gab sie dem Film den Titel "The story of my life".

Quelle: RP
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