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Viersen
Zwei Männer und ihr Vergnügen an Kunst

Viersen. Richard Caelers zeigte in Süchteln Fotografien, Uwe Peters Collagen aus Gemüsekisten und Linolschnitte

Was man sofort merkt: Diesen beiden Männern macht es viel Vergnügen, sich über Kunst zu unterhalten, die eigene genauso wie die fremde, und eine Ausstellung zu organisieren. Die beiden Männer, das sind die Viersener Richard Caelers, Jahrgang 1952 und Uwe Peters, Jahrgang 1955. Lange kennen sie sich, durch die gemeinsame Arbeit für Viersen open Art sind sie künstlerisch und freundschaftlich miteinander verbunden.

Richard Caelers stellt auch selbst aus, aber organisiert vor allem Ausstellungen. Im eigenen Haus auf der Gebrandstraße 19 hat er ein Atelier, wo er seine Fotografien zeigt. Für das erste Adventswochenende hatte er Uwe Peters überredet, Beispiele seiner künstlerischen Produktion zu zeigen. "Keine Ahnung" habe Peters von Kunst und stehe "seit Jahren am Anfang", so beschreibt er nicht ganz so ernst gemeint seinen Zugang zur Kunst.

Bei Caelers zeigt er Collagen aus Gemüsekisten und Linolschnitte. Seine Arbeiten "müssen eine Geschichte erzählen". So wählt er für die gedruckten Porträts Autoren und Künstler aus, die ihn geprägt haben: T.C. Boyle, Heinrich Böll, Egon Schiele. Als Vorlage dienen ihm Fotografien, die er am Rechner farblich reduziert. Dann fräst er das Porträt mit einem feinen Bohrer aus der Linolplatte. Wichtig ist jede einzelne Gesichtslinie, jeder Schatten, jede Falte, die Form der Augen, des Mundes - alles, was die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht. Die Porträts gruppiert Peters zu Viererblöcken zusammen. Auch die Gemüsekisten haben es ihm angetan. Denn auch sie erzählen Geschichten. Peters zerlegt die Kisten bis in kleinste Bestandteile, setzt sie erneut zusammen und fügt noch eine rostige Scheibe hinzu, bis sie eine neue Geschichte erzählen.

Nachdem Richard Caelers sich intensiv mit Malerei befasst hatte, griff er auf sein früheres Hilfsmittel, die Kamera, zurück und suchte Motive. Beim Fotografieren fasziniert ihn vor allem das, was er "abstrakte Fotografie" nennt. Caelers sucht besondere Motive wie etwa den Innenraum einer Kirche in Wollseiffen, die vom Militär zweckentfremdet wurde. Durch das, was er "Choreografie" nennt, entsteht eine leicht verschwommene verfremdete Darstellung, in der ein weißes Kreuz direkt vor dem Fenster zu stehen scheint (obwohl es sieben Meter entfernt ist) und scheinbar von zwei Händen ergriffen wird. Die Choreografie besteht darin, die Kamera auf eine besondere Art zu bewegen und dabei "Farben, Formen, Licht" zu sammeln. In einem lang andauernden Prozess entstehen bis zu 1000 Fotos, in deren Entwicklung schließlich das eine Foto steht, das Caelers ausstellt. Andere Fotografien werden aufgenommen und am Rechner bearbeitet. Dazu gehören die Bilder aus dem Gasometer, die während der Ausstellung "Big Package" von Christo entstanden. Caelers begrenzt seine Bilder auf die Menschen, die in die Betrachtung des Raumes versunken sind.

Caelers und Peters Arbeiten verbindet einiges, auch wenn sie offenkundig so unterschiedlich sind. Nicht zuletzt das sichtbare Vergnügen an der kreativen Arbeit.

(b-r)
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