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Wassenberg
Ärger über Verlegung des Löschfahrzeugs

Wassenberg: Ärger über Verlegung des Löschfahrzeugs
Gelöste Atmosphäre und Spaß bei der Einweihung: 2013 wurde das jetzt verlegte Feuerwehrfahrzeug in Orsbeck in Dienst gestellt. FOTO: Heldens (Archiv)
Wassenberg. Unmut bei der Löschgruppe Orsbeck über Regelungen im neuen Brandschutzbedarfsplan. Wurde die Basis zu wenig einbezogen? Von Angelika Hahn

In kleineren Orten wie Orsbeck (rund 1800 Einwohner) ist die freiwillige Feuerwehr neben ihrer wichtigen Aufgabe zum Schutz der Bürger auch ein unverzichtbarer Bestandteil des dörflichen Lebens. St. Martinstradition, Dorf- und Schützenfeste - undenkbar ohne die Beteiligung der Löschgruppe, die in Orsbeck 26 aktive Mitglieder zählt, dazu sechs Jugendfeuerwehrleute und vier Mitglieder der Ehrenabteilung. Außerdem gehören 400 Mitglieder dem Förderverein der Feuerwehr an, das zeigt die breite Verankerung der Wehr im Dorfleben.

Sorgen der Feuerwehr sind Ortsgespräch - und dies betrifft ganz aktuell die Auswirkungen des neuen, Ende vergangenen Jahres im Stadtrat verabschiedeten Brandschutzbedarfsplans auf die Löschgruppe Orsbeck. Sie musste als einzige Einheit im Stadtgebiet den Verlust eines Löschfahrzeuges hinnehmen, eines vergleichsweise neuen, 2013 in Dienst gestellten TSF-W (Tragkraftspritzenfahrzeug), das aufgrund von Empfehlungen der externen Firma, die für die Stadt den Brandschutzbedarfsplan erstellt hat, nun stadtintern verlegt wurde. Den Orsbeckern verbleibt ihr 22 Jahre altes Löschgruppenfahrzeug (LF 10) und als (nach Auffassung der Wehrleute keineswegs gleichwertiger) Ersatz ein neu angeschaffter, gebrauchter Mannschaftsbus mit neun Plätzen.

Als Trostpflaster für das abgezogene Feuerwehrfahrzeug bekam die Löschgruppe diesen Mannschaftsbus. FOTO: Löschgruppe Orsbeck

"Wir sind zutiefst enttäuscht von Wehrleitung, Verwaltung und Politik, ja auch verärgert", sagt Löschgruppenführer Matthias Frankowiak, zugleich Vorsitzender des Fördervereins, dem ebenfalls sein Wehrkollege Christoph Jansen als Kassierer angehört. Auch Stephan Lintzen ist zum Gespräch ins Feuerwehrgerätehaus gekommen, er vertritt als Beisitzer die Jugendfeuerwehr. Ursache für den Unmut ist neben der Verlagerung des zweiten Löschfahrzeugs die Art und Weise, wie die Regelungen des neuen Brandschutzbedarfsplans den Leuten an der Basis in der Löschgruppe vermittelt wurden - nämlich gar nicht. Nur die Wehrleitung und die Zugführer (zwei Züge vereinigen je drei Löschgruppen) seien wohl in die Bedarfsplanung einbezogen worden, sagt Frankowiak. Aber auch von dieser Seite seien keinerlei Informationen an die Basis weitergegeben worden - in Orsbeck vermutet man, dies sollte bewusst nicht geschehen.

"Wir haben einen Tag vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im November den Brandschutzbedarfsplan auf der Internetseite der Stadt eher zufällig gefunden und wurden dort ohne Vorwarnung mit der Empfehlung zum Abzug des Löschfahrzeugs konfrontiert. Seit 1982 waren in unserer Löschgruppe immer zwei unterschiedliche Löschfahrzeuge stationiert", erzählt Frankowiak. "Uns enttäuscht, dass man die Löschgruppen generell nicht in die Diskussion über die Vorschläge der Firma einbezogen hat. Das zeugt nicht von Transparenz und Wertschätzung für Leute, die ein wichtiges Ehrenamt übernehmen in Zeiten, wo es immer schwerer wird, Engagierte zu finden", sagt Frankowiak. Und verweist auf die hohe Eigenleistung der Kameraden bei den Erweiterungen des Feuerwehrgerätehauses und die Verdoppelung der Mitgliederzahlen in den letzten Jahren.

Enttäuscht sind die Wehrleute auch über die Stadtspitze, die erst nach der Kritik aus Orsbeck der Löschgruppe die Grundsätze des Brandschutzbedarfsplans darlegte und dabei den neutralen Blick des beauftragten Unternehmens auf die Feuerwehrsituation in der Stadt hervorhob. Dort habe Bürgermeister Manfred Winkens auch begründet, dass man der Empfehlung der externen Berater, Löschgruppen und Standorte zusammenzulegen, nicht gefolgt sei, wohl aber der Bedarfsermittlung an Einsatzfahrzeugen, die das in Orsbeck bisher stationierte TSF-W als "nicht bedarfsnotwendig" eingestuft habe. "Für uns unverständlich, denn die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren nicht verändert", sagt Frankowiak.

Ist damit nun die Einsatzfähigkeit der Löschgruppe bedroht? Nein, sagen die Wehrleute klipp und klar. "Der Grundschutz ist durch das Löschgruppenfahrzeug sicherlich gesichert." Dennoch sitzt der Frust tief. So hat die Löschgruppe ihre freiwillige Mitarbeit am in Myhl stationierten Umweltzug gekündigt.

Quelle: RP
 
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