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Wassenberg
Als Markttage noch gefährlich waren

Wassenberg: Als Markttage noch gefährlich waren
Therese Wasch führt über den Freitagsmarkt - hier macht sie Station an der Marktsäule bei der Bio-Gärtnerin Alexandra Hecker aus Straelen, die zum ersten Mal in Wassenberg dabei ist. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Beim Rundgang über den Wassenberger Abendmarkt am Roßtorplatz kam Gästeführerin Therese Wasch mit den Händlern ins Gespräch. Der Rundgang war auch eine Zeitreise in die Vergangenheit, als Wassenberg drei Stadttore hatte. Von Daniela Giess

Waldmeister, Rosmarin, Schokominze, Cola-Kraut: Biogärtnerin Alexandra Hecker aus dem niederrheinischen Straelen hat ihr Sortiment an einem geschichtsträchtigen Ort aufgebaut. Ein dunkles Kapitel der Wassenberger Geschichte.

Beim Rundgang über den Abendmarkt am Roßtorplatz erklärt Therese Wasch, Gästeführerin des Vereins Westblicke, dass an der Stelle früher der Pranger stand. Schon bei kleinsten Vergehen - wenn zum Beispiel die angebotene Ware nicht frisch gewesen sei - habe der Beschuldigte Kopf und Hände durch die dafür vorgesehenen Öffnungen in dem hölzernen Brett stecken müssen, um dann Tritten, Schlägen, Bespucken und Bewerfen ausgesetzt zu sein.

Therese Waschs Führung ist an diesem Tag beides - Zeitreise in die Vergangenheit, als Wassenberg noch drei Stadttore hatte, 55 Brauereien aufwies und 400 Meter im Durchmesser groß war. Zugleich ein Bekanntmachen mit jedem einzelnen der insgesamt 29 Händler.

Mit den Kaffeeröstern aus Arsbeck, die Ende der Woche ihre Zelte abbrechen und zurückkehren in ihre sachsen-anhaltinische Heimat. Mit den Fischhändlern aus Sevenum bei Venlo. Der Bäckersfrau aus Gangelt, vor deren Verkaufswagen sich eine lange Schlange gebildet hat. Schafsmilchseife, Zimt-Schuheinlagen, Osterdekoration, Nougat-Pralinen und Marmeladen aus eigener Herstellung gehören auf dem Wassenberger Abendmarkt zum breitgefächerten Sortiment. Und feine Liköre. Die Halbliterflaschen kosten fünf Euro und wurden von Frank Burwitz und Hans-Jürgen Coenen kreiert. Marzipanlikör, Eierlikör, Rhabarberlikör, Bananenlikör oder Kaffeelikör werden von den Freunden und Nachbarn aus Myhl selbst produziert. "Unser Hobby", erzählt Frank Burwitz und lacht.

Ein paar Meter weiter zur Straße hin ist Norbert Lennartz anzutreffen. Der Viersener Buchhändler wird am 14. Mai und 3. September den großen Wassenberger Büchermarkt gemeinsam mit der Stadtverwaltung organisieren. Achtzehn Stände sind geplant, die Leseratten aus nah und fern anziehen sollen. Auch beim Abendmarkt sind Bücher zu haben.

Gästeführerin Therese Wasch ist die Begeisterung für das kulturelle Angebot in der Stadt anzumerken. "Dabei bin ich gar keine Wassenbergerin", verrät sie augenzwinkernd. Immer wieder wird sie angesprochen von Marktbesuchern, die sie kennen.

Gästeführerin Therese Wasch erläutert auf de Roßtorplatz, dass anno 1273 Wassenberg die Stadtrechte sowie das Markt- und Münzrecht verliehen worden seien. "Hier war immer viel los am Markttag." Auf dem in dreieckiger Form angelegten Platz habe sich "das ganze Leben abgespielt". Vor allem reiche Kaufleute hätten hier gewohnt, die ärmeren Wassenberger habe es an die Stadtmauer verschlagen, "weil man dort nur drei Wände errichten musste, da ja die Stadtmauer als Hauswand genutzt wurde".

Alte Prozessakten, so Therese Wasch weiter, belegten, dass die Markttage in Wassenberg damals "nicht ganz ungefährlich" gewesen seien. Schließlich sei viel Bier getrunken worden, da man gewusst habe, dass Wasser krank mache, denn es sei keimbelastet gewesen. Selbst kleinen Kindern habe man aus diesem Grund Bier zu trinken gegeben, jedoch nur mit einem geringen Alkoholanteil von einem Prozent.

Quelle: RP
 
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