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Wassenberg
Anklage nach Attacke auf Asylbewerber

Wassenberg: Anklage nach Attacke auf Asylbewerber
Eine beeindruckende Demonstration der Solidarität mit den überfallenen Asylbewerbern war die Andacht gegen Fremdenfeindlichkeit am Wassenberger Busbahnhof im Februar. FOTO: Laaser (Archiv)
Wassenberg. Im Januar waren Asylbewerber am Wassenberger Busbahnhof überfallen worden. Vier Heranwachsende und ein Jugendlicher müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Volksverhetzung vor Gericht verantworten. Von A. Hahn und A. Speen

Das Entsetzen in Wassenberg war groß, als im Januar drei Asylbewerber auf dem Busbahnhof angegriffen und teilweise schwer verletzt worden waren. Jetzt liegt die Anklage vor. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung, Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen und Bedrohung hat die Staatsanwaltschaft Aachen gegen vier Heranwachsende und einen Jugendlichen aus Wassenberg Anklage erhoben. Das Jugendschöffengericht Heinsberg sei zurzeit damit befasst, über die Eröffnung des gerichtlichen Hauptverfahrens zu entscheiden, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit, die ferner dem Vater des jugendlichen Angeklagten Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung vorwirft.

Angeklagt werden sogar vier Vorfälle vom vergangenen Dezember und Januar, bei denen es zu gewalttätigen Übergriffen auf Asylbewerber gekommen ist, die im Übergangswohnheim in Wassenberg untergebracht waren. Die Staatsanwaltschaft spricht von "offensichtlich ausländerfeindlichen Motiven". So sollen die jugendlichen Angeklagten am Wassenberger Busbahnhof im Januar teils mit Teleskopschlagstöcken und Quarzhandschuhen bewaffnet auf drei Asylbewerber eingeschlagen haben. Zwei der Angeklagten sollen einem Geschädigten, als dieser schon am Boden lag, mit Wucht ins Gesicht getreten haben, wobei sie Springerstiefel und Arbeitsschuhe mit Stahlkappen getragen haben sollen. Der Asylbewerber musste daraufhin im Krankenhaus behandelt werden (die RP berichtete). Einem Vater wirft die Staatsanwaltschaft vor, seinen Sohn mit dem Auto zum Busbahnhof gebracht und dabei von dem geplanten Übergriff auf die Asylbewerber gewusst zu haben. Zwei der Angeklagten sollen auch schon Ende vergangenen Jahres in der Innenstadt von Wassenberg mit Fäusten auf einen Asylbewerber eingeschlagen und gedroht haben, ihn umzubringen.

Der Birgelener Ortsvorsteher Werner Cappel war nach der Prügelattacke am Busbahnhof zu den Opfern des Angriffs gefahren, um die Solidarität der Stadt zu bekunden: "Was mit Ihnen passiert ist, tut uns unsagbar Leid. Wir möchten deutlich machen, dass das nicht ,die' Deutschen sind, die so denken und so etwas tun, sondern Wirrköpfe." Anfang Februar waren am Ort des Geschehens dann 350 Menschen zu einem Friedensgebet zusammengekommen, um dasselbe zum Ausdruck zu bringen, unter ihnen auch die Opfer der brutalen Attacke. Das nach dem Überfall vielfach geforderte Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzte der Stadtrat von Wassenberg dann im März und trat dem "Bündnis gegen Rechts" bei.

Bürgermeister Winkens hatte damals auch erklärt, dass die Stadt über eine Videoüberwachung am Busbahnhof nachdenke. "Wir sind dabei, sie zu installieren, was technisch nicht einfach ist, weil eine zusätzliche Stromversorgung geschaffen werden muss", sagte Winkens gestern der RP. Außerdem seien die Kontrollen am Busbahnhof durch Polizei, Ordnungsamt und den von der Stadt beauftragten Sicherheitsdienst verstärkt worden.

Quelle: RP
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