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Wassenberg
"Aufbruchstimmung ist schon spürbar"

Wassenberg: "Aufbruchstimmung ist schon spürbar"
FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Der Marketingexperte Professor Harald Ross berät Wassenberg bei der Suche nach einem unverwechselbaren Profil, das zu einer Belebung der Innenstadt führen soll: Als "Genuss-Stadt" soll sie auf kulinarische und kulturelle Nischen setzen. Von Angelika Hahn

Professor Harald Ross spürt es schon, das freilich noch zarte Pflänzchen einer Aufbruchstimmung in Wassenberg. Der Marketingexperte, der die Stadt seit kurzem in Sachen Innenstadtbelebung berät, ist sicher, dass der Stadtspitze, den Ratsvertretern und vielen in der Wassenberger Gastronomie mittlerweile klar geworden ist, dass die Stadt Chancen hat, ihr Image zu verbessern.

Die richtigen Nischen finden, ausbauen und pflegen lautet die Devise - Wassenberg soll sich nicht unter Druck setzen, mit den Nachbarstädten zu konkurrieren: Elektronik- und Baumärkte oder Textilkaufhäuser gebe es dort genug. Stattdessen bieten für Ross ein "Leuchtturmprojekt" wie der Schlemmermarkt oder - auf volkstümlicherer Ebene - das Effelder Spargelfest gute Anknüpfungsmöglichkeiten für ein Image als "Genuss-Stadt" mit historischem und touristischem Ambiente. Wobei Ross nicht nur empfiehlt, auf regionale Produkte wie Spargel, Sämlingpfirsich & Co. zu setzen, sondern auch die Trends hin zu Bioprodukten, vegetarischer und veganer Küche mit einzubeziehen.

"Der neue Abendmarkt jetzt war ein guter Anfang: ein bislang einzigartiges Angebot in der Region, das unbedingt weiter ausgebaut werden sollte", sagt Ross. "Die Stimmung war großartig, die Leute angetan und neugierig aufs Angebot." Das umfasste eben nicht nur Übliches, sondern neben Gemüse und Obst auch Liköre, besondere Käse- und Fleischspezialitäten oder Schmuck in Handarbeit. Weitere Anbieter seien schon im Visier, deutet der Betriebswirt und Hochschuldozent aus Hückelhoven an, der sich natürlich auch in der Nachbarschaft auf Märkten umsieht und Kontakte knüpft, dabei unterstützt von Gabi Jansen in der Stadtverwaltung.

Vor allem freut ihn, dass die Gastronomen rund um den Roßtorplatz freudig überrascht waren über die Resonanz auf den ersten Abendmarkt, der ihnen gute Geschäfte bescherte. Veranstaltungen beleben die Innenstadt mit ihren leeren Ladenlokalen derzeit zwar nur punktuell, aber sie machen Besucher (und auswärtige Gewerbetreibende) aufmerksam und regen zum Wiederkommen an. "Aus temporären Gästen können ständige werden", ist Ross überzeugt. Solche Anreize sieht er auch in guten Ideen wie den neuen kulinarischen Stadtführungen mit Therese Wasch vom "Westblicke"-Verein.

Kunst und Tourismus sind zwei weitere Felder, mit denen Wassenberg auf sich aufmerksam machen kann - und es teilweise auch schon tut. Hier sieht Ross vor allem auch im Hinblick auf gemeinsame Veranstaltungen mit Partnern aus dem grenznahen Niederlanden noch Luft nach oben.

Nur Schritt für Schritt ist der Wechsel möglich, mahnt Ross die Ungeduldigen, er denkt an ein Leitbild mit Zielen für die kommenden fünf Jahre. "Was in zehn Jahren den Bach runtergegangen ist, kann nicht in zwei Jahren neu aufgebaut werden", sagt er. Ungeschminkt hatten seine Studentinnen in einer Multimedia-Präsentation den Ratsvertreten seinerzeit die Tristesse der Innenstadt mit ihren vielen leeren Ladenlokalen vor Augen geführt, zugleich aber verdeutlicht, dass das pessimistisch geprägte Selbstmitleid vieler Geschäftsleute in der Stadt keine Aufbruchstimmung erzeugen kann.

Dabei ist die marktwirtschaftliche Bestandsaufnahme für Wassenberg keineswegs schlecht. Die Stadt ist mit Lebensmittelmärkten gut versorgt. Ross: "Der Grundbedarf ist hier gedeckt, der erweiterte Bedarf (Kaufhäuser, Baumärkte etc.) in Hückelhoven, Heinsberg und Erkelenz." Wassenberg sollte auf "Kaufleute, Landwirte, Händler, Künstler - viele kleine Anbieter - zugehen, die das Besondere bieten." Die Industrie- und Handelskammer unterstütze diese im Marketing-Deutsch "Blue Ocean" genannte Strategie, neue Zielgruppen durch Nischenangebote zu gewinnen, ausdrücklich.

Während der Kontakt zur Gastronomie schon gut geknüpft sei, wünscht sich Ross - ein deutlicher Wink - , für seine Ideen noch intensiver bei weiteren Firmen des Gewerbeverein werben zu können. Der sollte ein solches Angebot nicht ausschlagen. Wichtig findet Ross, dass die örtlichen Geschäftsleute an einem Strang ziehen - was in der Vergangenheit leider nicht immer der Fall war.

Quelle: RP
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