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Wassenberg
Aus der Historie der Seidenweberstadt

Wassenberg: Aus der Historie der Seidenweberstadt
Bürgermeister Manfred Winkens begrüßte die Gäste und stellte die Redner vor: Sepp Becker und Johan Gielen (re.). Der Niederländer wohnt in Wassenberg und hat die Ausstellung organisiert. FOTO: JÜRGEN LAASER
Wassenberg. Die Geschichte der Großweberei Kranen & Gobbers präsentiert eine Ausstellung, die im Wassenberger Bergfried noch bis Jahresende zu sehen ist. Ehemalige Beschäftigte haben Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt. Von Willi Spichartz

Industriellen-Burgen in der Festungs-Burg - in Wassenberg ist das möglich, wenn auch die Industriellen-Burgen nur noch auf Fotos zu bewundern sind. Im 1000 Jahre alten Bergfried wurde nun eine Ausstellung mit Fotos, Dokumenten und Objekten der Industrieanlagen der Großweberei Kranen & Gobbers (K&G) eröffnet, die für die Stadt Wassenberg und den Heimatverein vom Neu-Wassenberger Johan Gielen im wahrsten Sinn des Worts erarbeitet worden ist.

Und der junge Familienvater, Niederländer und seit sechs Jahren in Wassenberg wohnend, schilderte seine ersten Blicke auf seine neue Heimatstadt: "Ich habe hier viele sehr schöne Häuser gesehen und gedacht: Da muss einmal sehr viel Geld gewesen sein." Seine Neugierde, sein Forschergeist waren geweckt, historische Bilder der Seidenweberstadt Wassenberg taten ein übriges - vor einem Jahr machte sich der IT-Spezialist und Diplom-Maschinenbauingenieur an die Arbeit, unterstützt vom Heimatverein, speziell von Bernd Serode.

Johan Gielen suchte und fand ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den in Spitzenzeiten je rund 600 Beschäftigten des Unternehmens, die Fotos und kleinere Werkstücke zur Verfügung stellten. Vor allem aber fand der Forscher die heutige Nachfolgefirma von Kranen & Gobbers in Krefeld, "kragoART", mit ihrem geschichtsinteressierten Vertriebsleiter Erhard Becker, selber Diplom-Textilingenieur, der ebenfalls eine Reihe von Dokumenten und zur Eröffnung einige mündliche Erläuterungen beisteuerte.

Begrüßte hatte Bürgermeister Manfred Winkens gut 50 Interessierte an der Ausstellungseröffnung in der "guten Stube der Stadt", die ihre Qualifikation als Ausstellungsstätte schon mehrfach belegt habe. Er freute sich über Vertreter der Heimatvereine aus Niederkrüchten, Wegberg-Beeck, Roerdalen und Günther Merkens vom Heimatverein der Erkelenzer Lande sowie Hückelhovens Alt-Bürgermeister Werner Schmitz.

Wassenbergs Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker trug die Geschichte des Textil-Wesens in der Stadt bei, schilderte auch die weiteren Impulse, die von K&G ausgegangen sind. Dazu gehört die Gründung des Heimat-Verschönerungsvereins zur Förderung des "Fremdenverkehrs" im Städtchen, das den Titel "Stadt" 1802 verlor und 1973 zurückerhielt.

Erhard Becker erläuterte die Architektur der beiden Türme, die jeweils die beiden Fabriken von K&G in Wassenberg, der "unteren" und der "oberen", überragten und mit ihren Zinnen Burgen-Charakter zeigten: "Die erfolgreichen Industriellen zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts fühlten sich gegenüber dem Erbadel zurückgesetzt. Darum wurden funktional an sich nutzlose Türme auf Fabrikgebäude gesetzt wie bei den Adelsburgen."

Zur Ausstellung hat Hückelhovens Alt-Bürgermeister Werner Schmitz seinen Lehrvertrag zum Betriebsschlosser von 1954 und sein Urteil über Kranen & Gobbers beigefügt: "Das war das familiärste Unternehmen, das ich in meinem Berufsleben je kennengelernt habe. Trotz der 600 Mitarbeiter war jeder einzelne als Mensch angesprochen. Im ersten Lehrjahr gab es bei K&G 70 Mark im Monat, im zweiten 90 und im dritten 110 Mark. Ich bin übrigens da hingegangen, weil Sophia-Jacoba in Hückelhoven mich nicht haben wollte."

Quelle: RP
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