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Wassenberg
Bergschäden: Region bleibt in Bewegung

Wassenberg. Betroffene aus Wassenberg und Ratheim berichteten bei der Mitgliederversammlung von neuen Bergschäden. Von Willi Spichartz

Im Juni 2010 bestand der feste Wille, sich selbst aufzulösen - das jedoch scheiterte an der zu geringen Beteiligung an der entsprechenden Mitgliederversammlung. Im Juli 2010 sprach sich eine knappe Mehrheit für den Weiterbestand des Vereins aus. Im November 2016 machten der Vorstand des Vereins "Bürger gegen Bergschäden" (BgB) sowie Fachreferent Peter Immekus vor knapp 30 Mitgliedern in einer Zusammenkunft deutlich, dass die Existenzberechtigung auch über das Jahr 2035 hinaus aufgrund des Braunkohlentagebaus Garzweiler II und dessen Grundwasserabzug gegeben ist.

In einer ganz besonderen Situation befinde sich der geografisch-geologische Bereich Hückelhoven, Ratheim, Wassenberg bis etwa Gerderath, wo die Hebungen des Steinkohlbergbaus durch den Anstieg des Grubenwassers nach Förderungsende sich überschneide mit den Absenkungen des Grundwassers durch den Braunkohlentagebau. "Sind Riss-Schäden in den Häusern der Steinkohle oder der Braunkohle zuzuordnen?" Auf diese selbst gestellte Frage konnte Peter Immekus, Markscheider und Sachverständiger für Bergschäden aus Bergheim, keine Pauschal-Antwort geben. Er empfahl den Betroffenen, vom BgB-Vorsitzenden Dr. Wolfgang Meurer im Lokal "Zur Rennbahn" in Wassenberg begrüßt, die Schäden den beiden Bergbautreibenden zu melden und auf Verjährungsfristen zu achten.

Betroffene aus der Wassenberger Innenstadt, Umfeld des schwer gezeichneten Alten Rathauses nahe Roßtor, berichteten von neuen Schäden, nachdem vor Jahren Risse und Schäden bereits beseitigt worden seien. Gegenüber unserer Redaktion berichteten Hauseigner aus Ratheim, Gendorfer und Mühlenstraße ebenfalls von neu aufgetretenen Schäden. Peter Immekus bestätigte, dass zumindest im "Hückelhovener Osten" der Einfluss des Abpumpens des Grundwassers durch das Braunkohleunternehmen RWE Power schon nachgewiesen sei. Je weiter dieser Tagebau bis 2035 nach Westen vordringe, umso weiter wirkten sich auch die Sümpfungsmaßnahmen aus.

Und dann gab der Experte eine Prognose, nach der der BgB-Verein im Jahr 2105 das hundertjährige Bestehen feiern kann: Nach dem Ende des Braunkohlenabbaus würden auch die Sümpfungs-Pumpen abgestellt mit der Folge, dass das Grundwasser wieder steige und Schäden bedinge, wie sie seit dem Ende der Zeche Sophia-Jacoba 1997 in den Städten Hückelhoven und Wassenberg aufgetreten sind. Markscheider Immekus hielt dann eine abgeschwächte Form von Trost bereit: Die Geländehebungen durch das Volllaufen des Untertage-Grubengebäudes von Sophia-Jacoba ebbten ab. Die zunehmenden Senkungen durch RWE Power wechselten mit Hebungen ab 2035, die Region bleibe in Bewegung.

Quelle: RP
 
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