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Wassenberg
Bienen - Arbeiter und Demokraten

Wassenberg. Die Familienimkerei Heimes produziert seit fünf Jahren ihren eigenen Honig. Inhaber Walter Heimes erzählt über seine Passion und verrät, warum Bienen in einer perfekten Demokratie leben. Heimes-Honig ist in der Region beliebt. Von Johanna Küppers

Walter Heimes steht in seinem Garten. Er trägt einen Cowboyhut, schaut sich um und genießt den Moment. "Das Schönste für mich ist, wenn es richtig brummt", sagt er. Denn Heimes betreibt eine Imkerei und hält Bienen im Garten. Bei viel Flugbetrieb kann es in seinem Garten ziemlich laut werden. Die Passion der Königinnenaufzucht, der Honigernte und der Wartung der Bienenkästen ist für ihn nicht mehr bloß ein Hobby. Mit zehn bis 15 Stunden Arbeit pro Woche ist es eine Nebentätigkeit geworden.

Carnica und Buckfast bestimmen seinen Rhythmus - das sind die beiden Bienenarten, welche Heimes hält. Er beschäftigt sich schon seit zehn Jahren mit den Insekten. Vor fünf Jahren eröffnete er dann selbst eine Imkerei, eine Familienimkerei, die er mit Ehefrau Inge und Sohn Steven betreibt. Das Wissen über Bienen sammelte Heimes jahrelang bei einem Berufsimker. Er ließ sich nie offiziell ausbilden, sondern lernte eher durch praktisches Mitwirken, was einen guten Imker ausmacht.

Einmal in der Materie drin, wollte Walter Heimes noch mehr wissen und machte deshalb vor drei Jahren eine Ausbildung zum Bienensachverständigen. Nun kann er auch kranke oder verdächtige Bienenvölker untersuchen und gegebenenfalls retten. Als "Bienendoktor" ist er für den ganzen Kreis Heinsberg zuständig, hatte bisher aber noch keinen schwerwiegenden Fall.

Seine Faszination für Bienen gibt Heimes nicht nur an seine Familie weiter, sondern auch an andere Interessierte. Im vergangenen Jahr bildete er zwei angehende Imker aus, von denen eine Imkerin in diesem Sommer ihre ersten Bienen bekommt.

Die Entscheidung, Imker zu werden, will gut überlegt sein, denn die Arbeit mit Bienen ist sehr zeitintensiv. Hobbyimker halten in der Regel zwei Völker, Heimes besitzt mittlerweile schon 20 Völker, die auf vier Außenstände verteilt sind. "Bei meiner Arbeit werde ich zehn bis 15 Mal im Jahr gestochen", sagt der Bienenexperte, nimmt das aber ziemlich gelassen.

Bei einer kleinen Rundführung durch seinen Garten zeigt Walter Heimes seine Bienenstände und erzählt, dass Bienen im Gegensatz zu Hummeln sehr intelligent sein. "Sie sind blütenstetig, das bedeutet, sie wissen immer, welche Blüte sie angeflogen haben, und diese besuchen sie, bis ihr Nektar erschöpft ist." Außerdem lebe ein Bienenvolk die beste Demokratie vor, denn jede Position sei gleich viel wert und selbst die Königin werde getötet, wenn dies nötig sei. Neben der Bienenkönigin gibt es Arbeiterbienen und Drohnen. Drohnen sind dick, haben große Augen und sind männlich. In einem Volk leben etwa 80.000 Bienen zusammen und alle leben nur für den Erhalt des Volkes - dort gilt also wirklich, einer für alle.

Ab zehn Grad Außentemperatur ist die Flugsaison eröffnet. Stimmt das Flugwetter, schwirren die Bienen aus, um Nektar zu finden. Besonders in der Erntezeit ist Walter Heimes auf seine Familie angewiesen. Dann arbeiten alle gemeinsam in der "Honigküche". In dem umfunktionierten Gartenhaus befindet sich eine große Honigschleuder, die 42 Rähmchen einspannen kann und motorbetrieben ist. Durch die technische Erleichterung ist die Ernte innerhalb von zwei Tagen erledigt, und das passiert zweimal im Jahr: im Juni für die Frühtracht und im Juli für die Sommertracht.

Familie Heimes produziert einen Mischhonig. "In dieser Region ist es nicht möglich, einen reinen Sortenhonig zu produzieren. Es wächst nicht ausreichend Löwenzahn, Tanne oder Sonnenblume, um sagen zu können, dass es eine reine Form ist", sagt der Imker. Denn die Sortenhonige müssen vom Institut geprüft werden, bevor sie als solche verkauft werden dürfen. Oft ist anhand der Farbe aber schon erkennbar, welche Bestandteile vorwiegend in der Mischung enthalten sind. Heimes verkauft seine Produkte in den lokalen Geschäften in Wasserberg, Erkelenz und Hückelhoven, liefert aber auch über die Landesgrenze hinaus. Sein entferntester Kunde lebe in Sizilien, sagt Heimes und lacht.

Obwohl Heimes sehr viel Freude an seinen Bienen hat, ist er gleichzeitig besorgt um sie. In den vergangenen Jahren habe die Biene viele Feinde bekommen, sagt er. Pestizide auf den Feldern, die importierte Varroamilbe und fehlende Artenvielfalt der Blüten gehörten dazu. "Das ist ein Problem, weil Bienen rund 60 Prozent unserer Lebensmittel bestäuben", erklärt der Wassenberger Imker.

Familie Heimes versucht deshalb, ihre Kunden für das Thema zu sensibilisieren und säht selbst pro Jahr 300 bis 400 Quadratmeter Wildblumen. Das sei im Kreis Heinsberg auch zusätzlich nötig, weil es in dieser Region eine sehr hohe Bienendichte gebe. "Die Bienen nehmen sich gegenseitig das Futter weg, so viel gibt das Land gar nicht her", erläutert Walter Heimes.

Wenn er jedoch wieder den Cowboyhut aufsetzt, in den Garten geht und dem Summen lauscht, sind seine Sorgen eine Zeit lang vergessen.

Quelle: RP
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