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Wassenberg
Botschafter in Sachen Passivhausbau

Wassenberg: Botschafter in Sachen Passivhausbau
Ein Textil-Passivhaus haben Studenten der FH Erfurt unter Leitung von Prof. Ludwig Rongen geplant und gebaut. Es steht in Südfrankreich. FOTO: Rongen Architekten
Wassenberg. Prof. Ludwig Rongen und sein Architektenteam entwickeln unermüdlich neue hoch energieeffiziente Bauprojekte in der Region und international. In Moldawien wurde jetzt die erste Passivhaus-Kita eröffnet, in China ein Tagungszentrum. Von Angelika Hahn

In seinem Wassenberger Architekturbüro ist Professor Ludwig Rongen in jüngster Zeit nur auf Stippvisite. Zwischen seiner Dozententätigkeit an der Fachhochschule Erfurt jettet der Passivhaus-Experte durch die Welt zwischen Shanghai und New York zu Vorträgen, Kongressen und Architekturprojekten. Über das jüngste informierte Rongen jetzt bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch in Wassenberg.

Erneut geht es um eine Premiere. Rongen Architekten haben eine Kindertagesstätte in dem kleinen moldawischen Ort Calarasi (circa 10.000 Einwohner) nahe der Großstadt Chisinau als erstes Passivhaus-Projekt in der Großregion Moldawien, Rumänien, Ukraine vollendet. Vor wenigen Tagen wurde das Domizil für 100 Kinder vom moldawischen Premierminister Pavel Filip höchstselbst eröffnet. "Eine sehr schöne Geste war, dass der Eingangsbereich mit Luftballons in den Landesfarben Deutschlands und Moldawiens geschmückt war", erzählt Rongen.

Eröffnung der Passivhaus-Kita mit unter anderen Premierminister Pavel Filip und der deutschen Botschafterin in Moldawien, Ulrike Knotz. FOTO: Igor Rotari

"Im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau/KfW haben wir das Projekt von Anfang an, also vom Vorentwurf bis zur fertigen Ausführungsplanung beraten, mehrere Planungs- und auch Bauworkshops vor Ort durchgeführt, um die zuständigen ortsansässigen Kollegen und Ingenieure, die unsere Ideen und Vorschläge gesetzeskonform für Moldawien umsetzen mussten, auf das Planen und Bauen im Passivhaus-Standard gut vorzubereiten."

Ebenfalls im Auftrag der KfW, die das Projekt mit einem Zuschuss von mehr als einer Million Euro finanziell unterstützte, hat Rongen die Baustelle rund achtmal besucht, um sicherzustellen, dass die geplante Qualität auch entsprechend gut ausgeführt wird. Beteiligt war von einheimischer Seite der Moldawische Sozial-Investmentfonds. Die "Entwicklungshilfe" in Sachen energieeffizientem Bauen fiel auf fruchtbaren Boden. Rongen zeigte sich höchst zufrieden mit der konstruktiven Zusammenarbeit. Und das moldawische Kita-Projekt könnte Rongen Architekten weitere Türen in den früheren "Ostblock" öffnen, etwa in die Ukraine. Rongens vor allem in Polen aktiver Kollege Günter Schlagowski, der das Passivhausinstitut in Bremen leitet, stellte die Vermittlung her. Man darf gespannt sein.

Prof. Ludwig Rongen berichtete in Wassenberg über Premieren im Passivhaus-Bau. FOTO: aha

Während sich hier die Zusammenarbeit noch entwickeln soll, ist Rongens Engagement in China längst fest institutionalisiert. Seit 2003, damals angestoßen durch das Land NRW, ist Rongen in China als Dozent, Berater und Architekt für energiesparendes Bauen und Passivhausprojekte aktiv. Sein größtes Projekt wurde im Sino-German Ecopark Quingdao an der Ostküste Chinas am 22. September vergangenen Jahres eröffnet. Der von den Regierungen beider Länder gemeinsam unterstützte Park, über den unsere Redaktion bereits berichtete, wird auf rund zwölf Quadratkilometern nach deutschen Qualitätskriterien mit dem Gebot der Ökologie und Nachhaltigkeit erbaut. Als erstes "Nicht-Wohngebäude der Welt" entstand hier unter Rongens Federführung ein "Passivhaus Premium", das seine Energie ausschließlich aus Sonne und Geothermie bezieht. Dieses "Passive House Technical Experience Centre" ist ein Tagungs- und Entwicklungszentrum für Passivhausbau, das in China auf überregionales Interesse stößt - ein Aushängeschild. Neu ist übrigens auch Rongens Mitgliedschaft im "Green Building Council" der Metropole Shanghai, wo Rongen Architekten (neben Erfurt) auch eine Niederlassung haben.

Neben dem Fernen Osten jedoch bleibt Rongen auch die Verbindung zu Hochschulen in Amerika, wie etwa der Parsons School of Design in New York wichtig - Workshops, Vorträge, studentische Kooperationsprojekte führen ihn regelmäßig über den Atlantik. Stolz ist der Architektur-Professor auf das 2014 von seinen Erfurter Studenten entwickelte und umgesetzte erste Textil-Passivhaus, das heute in Südfrankreich steht.

Die Tagesstätte für 100 Kinder in Calarasi ist laut Prof. Rongen das erste Passivhaus in der Region Rumänien, Ukraine und Moldawien. FOTO: Rongen Architekten

Aber zum Profil der PassivhausSpezialisten gehören natürlich auch die von Rongen Architekten in der Region umgesetzten beispielhaften und teilweise preisgekrönten Projekte: etwa die erste energetisch in Passivhausstandard sanierte Kirche, die Heinsberger Christuskirche (2013); Alten- und Tagespflegeeinrichtungen in Mönchengladbach, die zweifach preisgekrönte Energie-Sanierung des Baesweiler Gymnasiums - derzeit wird ein Schulzentrum in Titz derart saniert - oder das kleinste freistehende Passivhaus der Welt an der Straße "Am Buir" in Wassenberg.

Quelle: RP
 
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