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Wassenberg
"Dank für wunderbare Hilfe"

Wassenberg: "Dank für wunderbare Hilfe"
Die Wallfahrtskapelle heute; unten der Brunnen nach Kapellenerweiterung in den 1930er Jahren. FOTO: Laaser/Foto: Archiv Breuer/RP-Foto: JL (Archiv)
Wassenberg. Seit Jahrzehnten zieht die Wallfahrtskapelle Birgelener Pützchen Christen an, die bei der "schmerzhaften Gottesmutter" Hilfe und Trost suchen und dem Quellwasser heilende Wirkung zumessen. Votivtafeln drücken Dankbarkeit aus. Von Angelika Hahn

An den Kartagen gedenken Christen der Passion Christi, seines Leidensweges und Todes am Kreuz, der der Auferstehung zu Ostern vorausgeht. Aus Birgelen sind Menschen zu Beginn der Karwoche wieder den Kreuzweg zum Pützchen gegangen, zu dem die Kirchengemeinde alljährlich einlädt. Ziel ist die Wallfahrtskapelle mit dem Bild der Schmerzreichen Gottesmutter (nach Zerstörungen heute als Fotokopie), die nicht nur an den Kartagen seit Jahrzehnten viele Christen anzieht, die bei Maria Stärkung und Trost suchen.

FOTO: Archiv Breuer

Beleg hierfür sind rund 250 Votivtafeln, die die Wände des Kapellenaltbaus über dem heute abgedeckten Brunnen (Pützchen) nahezu vollständig bedecken. Auf diesen "Erhörungstafeln" danken Menschen der Gottesmutter für Beistand und Hilfe in der Not. Zu erahnen ist, dass hier Menschen Spuren hinterlassen haben, die ihren jeweils individuellen Leidensweg oder den nahestehender Menschen erlebten. Dass Glaube Berge versetzen kann, scheinen diese Menschen erfahren zu haben, sie danken auf Tafeln in unterschiedlichster Größe für Heilung und Hilfe in Notlagen - mal klassisch auf rechteckigen Marmortafeln, mal in Holz geschnitzt oder auf Baumscheiben geschrieben, auch Kunststofftafeln gibt es. Selten ist ein Name zu lesen, manchmal als Kürzel, etwa N.H. plus Jahreszahl, die meisten Stifter bleiben anonym.

Aber die breite Streuung bei den Ortsangaben auf den Tafeln bis in die Nachbarkreise Düren, Viersen und die Region Mönchengladbach zeigt die Ausstrahlungskraft der legendären Wallfahrtskapelle an der Stelle, wo St. Lambertus an einer Quelle die ersten Christen der Region getauft haben soll.

FOTO: Laaser Jürgen

"Dank für wunderbare Hilfe" heißt es auf einer der ältesten erhaltenen Tafeln mit der Jahreszahl 1935, der Zeit kurz nach der Erweiterung der Kapelle. Oder aus demselben Jahr "Dank der lieben Gottesmutter und dem heiligen Herzen Jesu für die Heilung unseres Kindes". 1950 wird auf einer Tafel Maria "für Erhörung meines Anliegens" gedankt. "Maria half in seelischer Not" oder "Der lieben Gottesmutter in Dankbarkeit für Gesundung unseres lieben Vaters" liest man nebenan, ebenso wie einen "Dank für die Hilfe bei schwerer Geburt". Manche Tafeln zeigen nur ein schlichtes "Danke". Gleich mehrere beziehen sich auf Hilfe "nach schwerer Operation". Aber auch eine sehr moderne, alltäglich anmutende Sorge kommt zur Sprache: "Danke für Hilfe beim Staatsexamen", datiert vom Juni 1991. Dass der Zufluchtsort Birgelener Pützchen selbst Konfessionsgrenzen sprengt, zeigt "F.B." aus Doverheide, der auf der Votivtafel formuliert: "Als Protestant sage ich der lieben Gottesmutter herzlichen Dank für ihre Hilfe und Gebetserhörung."

Die weitaus meisten Erhörungstafeln stammen aus den 70er und 80er Jahren, Tafeln aus früheren Jahrzehnten und der unmittelbaren Nachkriegszeit sind heute rar, manche wurden wohl auch zerstört in der wechselvollen Geschichte des Kapellchens, das Vandalismusschäden, Diebstähle (unter anderem der Altarstatuen) und Brandzerstörung erlebte, die letzte bekanntlich 2009.

In jüngerer Zeit kamen nur noch vereinzelt Votivtafeln hinzu, erzählen Frajo und Irmgard Beckers vom Kapellenverein Birgelener Pützchen, zwei neue immerhin noch zu Beginn dieses Jahres. Wir entdecken im Pützchen die nach Datum jüngsten Tafeln aus den Jahren 2012/13, darunter auch eine schlichte Fürbitte "Beschütz meine Familie". In der jüngeren Generation sei es eben üblicher geworden zu spenden, statt Votivtafeln zu stiften, weiß Frajo Beckers.

Bleiben die meisten Spender der Votivtafeln in aller Regel gern anonym, weiß der Birgelener Heimatkundler und Ehrenbürger Franz-Josef Breuer (85) manches über Pützchenpilger zu berichten, denen das heute aus einer Pumpe neben dem Kapellchen fließende Brunnenwasser geholfen haben soll.

"Leute benetzen Hände, Augen oder Arme mit dem Wasser und hoffen auf Linderung oder Hilfe", sagt Breuer. Er kannte Familien, deren behinderte, erkrankte oder verletzte Kinder durch die Benetzung mit Pützchenwasser geheilt worden sein sollen. Der bekannte Birgelener Johann Winkens habe in den 90er Jahren jede Woche ein Fläschchen Wasser vom Pützchen seiner Frau gebracht, die ein Augenproblem hatte. Noch heute komme monatlich ein Mann zur Kapelle, um fünf Kästen Pützchenwasser für Bewohnerinnen eines Altenheims abzupumpen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Breuer ein Bergarbeiter aus Doverheide, dessen protestantische Schwiegermutter die Heilwirkung des Pützchenwassers für ihr Augenleiden gelobt hatte. Der Mann stiftete zwar keine Votivtafel, reparierte als versierter Handwerker aus Dankbarkeit aber mehrfach die Wasserpumpe am Kapellchen.

Quelle: RP
 
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