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Wassenberg
Der Zug ohne Heinz Wynen - undenkbar

Wassenberg: Der Zug ohne Heinz Wynen - undenkbar
Heinz Wynen - für den Fotografen in der Kongo-Elferratsjacke - beim Sortieren der Meldeunterlagen für den Tulpensonntagszug. Seit Jahren investiert er viele Stunden in das Ehrenamt. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Als Mann für alle Fälle im Wassenberger Vereinsleben und Sportmensch ist der agile 74-Jährige bekannt. Seit 26 Jahren organisiert er den Tulpensonntagszug der KG Kongo. Außerdem baut er seinen Wagen und sitzt im Elferrat. Von Angelika Hahn

Die Karnevalisten gehen mit Volldampf in eine kurze Session. Auch Wassenbergs Kongo-Zugleiter Heinz Wynen, der kurz vor Ablauf der Meldefrist für Zugteilnehmer alle Hände voll zu tun hat und so manche Nachzügler noch ermahnen muss, jetzt schnell in die Pantoffeln zu kommen. Denn die Zeiten, als sich Narren noch kurzfristig vor den tollen Tagen für eine Teilnahme am Tulpensonntagszug entscheiden konnten, sind lange vorbei.

Melde- und Antragsunterlagen füllen bei Wynens dicke Ordner. Denn vor allem Wagen bzw. Anhänger im Karnevalszug müssen TÜV-Prüfung und Versicherung nachweisen. "Immer kurz vor Schluss werden die Leute wach", sagt Wynen lachend. Er kennt seine Pappenheimer. Seit 1990 kümmert sich Wynen um Zugorganisation und Aufstellung. Vor drei Jahren schon kündigte der mittlerweile 74-Jährige im RP-Gespräch seinen Rückzug an. Bislang aber wurde kein Nachfolger gefunden. Wynen ließ sich immer wieder breitschlagen weiterzumachen. Im Kongo-Vorstand sitzt er zwar mittlerweile nicht mehr, aber im Elferrat nach wie vor.

Und alljährlich werkelt der agile Senior auch am eigenen Wagen, in dem er mit Hoppeditz Heike Jägers den Zug anführt. "In den kommenden Tagen geht es los. In zwei Wochen ist alles fertig", sagt er. Handwerklich hat der frühere Werkselektriker bei Sophia Jacoba einiges drauf, das kommt dem Karneval zugute. "Wer im Bergbau war, muss ein Allroundmensch sein", sagt Wynen.

Wer den Senior umherwieseln sieht, glaubt nicht, einen Mittsiebziger vor sich zu haben. Kein Wunder: Der Mitgründer und bis heute langjährige Vorsitzender des Sportvereins DJK Wassenberg, ist immer noch als Übungsleiter im Breitensport aktiv, spielt Tennis und segelt. Auch aus der Oberstädter St. Marien Bruderschaft ist Wynen - den Kindern als St. Martin hoch zu Ross bekannt - nicht wegzudenken. Er zeigt uns die Aufnäher für neue Schützenuniformen - auch hier war das Organisationstalent des Wassenberger Vereins-Urgesteins gefragt.

Zurück zum Karneval: Hat ein Zugleiter überhaupt selbst Zeit, um "Spaß an der Freud" zu haben? Nun, Wynen räumt eine gewisse Anspannung beim Karnevalszug ein. "Man steht halt unter Strom." Schließlich soll alles reibungslos und unfallfrei über die Bühne gehen. Und bislang sei gottlob noch nichts Schwerwiegendes passiert. In seiner "Amtszeit" konnten bislang alle Züge stattfinden, und auch unangenehmen Wetterkapriolen trotzten die Wassenberger Narren. Aber so richtig erleichtert ist der Zugleiter erst, wenn er zum Ausklang im Kongozelt den besten Zuggruppen beim traditionellen Zuschauervoting gratulieren kann. Warum er sich in Karneval und Vereinsleben einsetzt? "Ich freu' mich, wenn sich andere freuen. Und ich bin ein Traditionsmensch, ich möchte Vereinstraditionen aufrecht erhalten."

Ein wenig schade findet es Wynen, dass das Interesse, beim Karnevalszug mitzumachen, zurückgeht. Man spüre den veränderten Berufsalltag, der dazu führe, dass die Menschen immer weniger Zeit haben. "Wer kann und will heute schon noch Kostüme selbst schneidern?" Karneval koste Zeit und Geld, ihr Wurfmaterial müssen die Zuggruppen ebenfalls selbst organisieren.

Dennoch hofft Wynen, wieder über 20 Zugnummern zusammenzubringen, gestern lagen 15 "fertige" Anmeldungen vor. Aber an die Nachzügler ist Wynen eben längst gewöhnt.

Quelle: RP
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