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Wassenberg
Gelungene Hörspielproduktion

Wassenberg: Gelungene Hörspielproduktion
Intensiv haben die sechs Teilnehmer der Sommerakademie in der vergangenen Woche für ihre Hörspiel-CD gearbeitet, die sie jetzt gemeinsam mit Workshopleiter Ulrich Land (2.v.l.) vorstellten. FOTO: Ruth Klapproth
Wassenberg. Die literarische Sommerakademie der Bücherkiste gemeinsam mit der Kreis-Volkshochschule ist beendet. Zum Abschluss präsentierten die Teilnehmer die CD mit dem gemeinsam konzipierten Hörspiel "Nachtfalter". Von Kurt Lehmkuhl

Für die 16-jährige Ausreißerin Hilde (gelesen von Eva Brudermanns) ist Düsseldorf der Anfang. Für die 67-jährige aus Ostpreußen vertriebene Lene (Ursula Kurzweg) hingegen ist die Stadt das Ende. Sie begegnen sich in einem Nachtcafé, das die von ihrem Mann verlassene Barkeeperin Ingrid (Verena Jeschke) betreibt. Sie sind nicht allein, sie treffen dort die alleinerziehende junge Mutter Renate (Irmgard Stieding), den Schürzenjäger und Heiratsschwindler Herbert (Martin Dalz) und den alkokolsüchtigen Justiziar Bruno (Peter Hellerer). Ergänzt wird die Runde durch einen Polizisten (Ulrich Land).

Die Figuren entstammen der Fantasie. Sie sind die Protagonisten eines Hörspiels, das in kreativer Zusammenarbeit im Rahmen der dritten Sommerakademie entstanden ist. Gemeinsam mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg hat die Bücherkiste Wassenberg den Dozenten und Hörspielautor Ulrich Land aus Freiburg eingeladen, damit er Interessierte in die Kunst des Hörspiels einweiht. "Wir haben täglich an unserem Stück 'Nachtfalter' gewerkelt", sagte Irmgard Stieding bei der Begrüßung der Zuhörer, die zur Welturaufführung des Hörspiels in die Galerie Noack nach Wassenberg gekommen waren. "Es gab viele Ton- und Textexperimente in der Burg", sagte sie. Nun seien die Akteure genauso gespannt wie die Zuhörer, denn erst in der Nacht sei das 45-minütige Stück fertig geworden.

In der Tat hatten Land als Regisseur und Dozent und der für den Ton zuständige Martin Dalz alle Hände voll zu tun, um das fertige Produkt nach fünftägiger Arbeit auf CD gepresst vorlegen zu können. Land, der nicht nur in Wassenberg derartige Seminare anbietet, sondern neben seiner Tätigkeit als Hörspielautor auch an Universitäten und bei anderen Kulturträgern sein Wissen vermittelt, wusste nicht, was am Ende der intensiven Arbeitswoche entstehen könnte. "Ich habe den Kursteilnehmern freie Hand gelassen und Vorschläge unterbreitet." Einer davon war das Gemälde von Edward Hopper "Nighthawks", das die trübe, melancholische Stimmung eines fast leeren Nachtcafés darstellt.

Das Gemälde hatte es den Teilnehmern angetan, sofort sprudelten die Gedanken, wurden Figuren übernommen und um zwei weitere ergänzt. 1953 wurde als Zeit bestimmt und Düsseldorf als der Ort des Geschehens festgelegt. Nach zwei Tagen hatte jeder seine Rolle gefunden und war der Text konzipiert. Die technische Umsetzung dauerte dann noch bis kurz vor der Premiere.

"Wir sind gespannt", sagte Irmgard Stieding, bevor sich endlich "der Vorhang öffnete" für das Hörspiel "Nachtcafé". Das Stück nahm schnell Fahrt auf, die Schicksale der Protagonisten spiegeln auch die damalige Zeit nach dem Krieg wider. Die Ausreißerin will nicht zurück nach Wassenberg zu ihren spießigen, katholischen Eltern. Die Wirtin weiß nicht, wie sie die Pacht zum Monatsende zusammenbekommt bei ihren größtenteils mittellosen Gästen.

Die alleingelassene Schwangere sieht für sich und das werdende Kind keine Zukunft und hegt Selbstmordabsichten. Die Heimatvertriebene wird von schmerzhafter Erinnerung getrieben. Der Justiziar ergibt sich seinem Alkoholismus, der Schürzenjäger und Heiratsschwindler steht mit einem Bein stets im Gefängnis, der Polizist strebt nach Recht und Ordnung und wird sie nicht finden.

So trifft man sich abends bei Muckefuck und Korn und sucht nach Wegen in eine glückliche Zukunft, wissend, dass man sie immer suchen wird. Sie bleibt offen - wie im Leben.

"Ein bisschen melancholisch", beschrieb die Mitorganisatorin der Workshopwoche, Irmgard Stieding, die Stimmung des Hörspiels. Es ist in der Bücherkiste erhältlich und findet, so hoffen die Organisatoren, viele Abnehmer.

Quelle: RP
 
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