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Wassenberg
Gemeinsame Geschichte im Blick

Wassenberg: Gemeinsame Geschichte im Blick
In eine Wand eingelassen ist eine Hälfte des Gedenksteins an Betty Reis im Foyer der Gesamtschule. Dr. Ludger Herrmann (r.) erläutert den Austauschschülern aus Oberschlesien die Beziehung der Schule zu der 1944 in Bergen-Belsen ermordeten Wassenberger Jüdin. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Die Betty-Reis-Gesamtschule wird ihrem Namen Europaschule gerecht: Neben Partnerschaften mit Frankreich und den Niederlanden besteht die jüngste Verbindung mit Polen. Zwölf Schüler aus aziska Górne sind derzeit zu Gast. Von Angelika Hahn

Ganz schön viele Eindrücke von ihrer deutschen Gastgeberstadt Wassenberg gab es für zwölf polnische Jugendliche des Gymnasiums aus dem oberschlesischen aziska Górne schon am ersen Besuchstag. Nach einer Kurzführung durch die Betty-Reis-Gesamtschule stand ein Besuch bei Bürgermeister Manfred Winkens im Rathaus und eine Stadtführung mit dem Heimatvereinsvorsitzenden und früheren stellvertretenden Leiter der Gesamtschule, Sepp Becker, auf dem Programm. Vor allem dessen Schilderungen über das Schicksal Wassenberger Juden und der Schulnamensgeberin Betty Reis hatten auf dem jüdischen Friedhof und an der Synagogengasse Interesse und Betroffenheit ausgelöst, berichtete Becker.

Im Schulfoyer erläuterte Dr. Ludger Hermann, Didaktischer Leiter der Schule, den symbolträchtigen, geteilten Gedenkstein für Betty Reis, dessen zweiter Teil sich in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen befindet, wo Betty Reis mit 23 Jahren wohl ermordet wurde. Eine Verbindung zur Heimatstadt der jungen Gäste ergibt sich durch Betty Reis' zwischenzeitlichen Aufenthalt im KZ Auschwitz, 30 Kilometer von aziska Górne entfernt, das die Wassenberger Schüler bei ihrem letzten Austauschbesuch gemeinsam mit ihren polnischen Gastgebern besucht haben. "Der Name von Betty Reis ist Grundlage, auf der unsere politische Bildung steht", sagte Herrmann. Der Austausch solle den Blick für die gemeinsame Geschichte und Zukunft öffnen.

Nach den Partnerschaften mit Pontorsoner und niederländischen Schulen und der Verbindung nach Guatemala setzt die jüngste Partnerschaft der Gesamtschule mit ihrem Blick nach Osten einen besonderen Akzent. Drei gegenseitige Austauschbesuche gab es bisher, 33 Familien kamen dadurch schon miteinander in Kontakt. Die polnische Lehrerin Zofia Kozyra war es, die vor vier Jahren mit einem Anruf in Deutsch (!) beim damaligen Schulleiter Heinrich Spiegel die Verbindung herstellte, die über das Deutsch-polnische Jugendwerk zustande kam.

Zofia Kozyra ist auch diesmal mit ihrer Kollegin Jolanta Chrost begleitende Lehrerin. Eine bessere Botschafterin für Völkerverständigung als sie könnte es kaum geben. "In unserer Familien wurde schon immer auch Deutsch gesprochen, es gab immer viele Kontakte zu Deutschen", sagt sie, die aus einer Bergarbeiterfamilie im oberschlesischen Revier stammt. aziska Górnes Gymnasium hat 270 Schüler(innen) und liegt in der Nähe von Kattowiz.

Ein wenig beneide man die Wassenberger Gesamtschule für ihre großzügige Ausstattung, sagen die polnischen Gäste, die bescheidenere Schulverhältnisse gewohnt sind. Zwei Wochenstunden Deutschunterricht enthält der Stundenplan. Und so versuchen die jungen Polen, auch möglichst viel "Deutsch" aufzuschnappen und etwas zu sprechen. Die Verständigung in den Gastfamilien läuft in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, erzählen die 15-jährigen Szymon, Pawel und Patrycja. Gespannt sind die polnischen Gäste nicht nur auf den gemeinsam Schulunterricht, sondern auch auf einige Besichtigungsfahrten, die in dieser Woche noch auf dem Plan stehen.

So geht es zu einer Stadterkundung nach Köln und in die Europastadt Aachen.

Quelle: RP
 
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