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Wassenberg
Georgis satirische Verkaufsschule

Wassenberg: Georgis satirische Verkaufsschule
Immer gut für bissige Kommentare zu Politik und Gesellschaft: Hans Georgi gastierte in Wassenberg mit seinem wohl letzten Programm vor dem Abschied von der Kabarettbühne. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Der Autor und Kabarettist Hans Georgi präsentierte sein letztes Programm "Der kleine Maschmeier" in der Veranstaltungsreihe der Wassenberger Bürgerbücherei "Bücherkiste". Von Kurt Lehmkuhl

Die Erkenntnis zum Schluss: Immer schön positiv denken. Das gilt nicht nur für die Interessenten, die der Satiriker Hans Georgi in einem Verkaufsseminar zu gewieften Verkäufern drillen will. Das gilt auch für die Zuhörer, die trotz hochsommerlichen Wetters zur Veranstaltung der Bücherkiste Wassenberg in die Aula der Gemeinschaftsgrundschule gekommen waren.

Und das gilt schlussendlich auch für den in der Eifel heimisch gewordenen Künstler aus Würselen, der sich noch gut an seinen letzten Auftritt in Wassenberg Ende 2015 erinnern konnte, als die Anzahl der aufgestellten Stühle gerade mal ausreichte, um den Andrang der herbeiströmenden Besucher bewältigen zu können. "Hat irgendwie Spaß gemacht", sagte Georgi vor überschaubarem Kreis. Und: "Qualität geht vor Quantität."

Qualität hat das Programm "Ich will dein Geld! Der kleine Maschmeier" durchaus. Das wusste auch Ursula Kurzweg, Vorsitzende der veranstaltenden Bürgerbücherei "Bücherkiste", die den Künstler begrüßte. Als sie erfuhr, dass sich der 70-Jährige in die dunklen Eifelwälder zurückziehen wollte, habe der Verein alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Georgi doch noch einmal zu einem Auftritt in Wassenberg zu gewinnen. Diesem Drängen leistete Georgi gerne Folge. Schon vor 30 Jahren hat er mit seinem ersten Satireprogramm in der Region Erfolge gefeiert, jetzt kam er mit seinem letzten.

Georgi nimmt sie alle aufs Korn, die angeblich Schönen und Reichen, scheinbar Prominenten und Politiker; kurzum alle, die etwas verkaufen wollen, sich selbst, den Schein, die Hoffnung oder das Überflüssige. "Vertreter verkaufen Produkte, Volksvertreter das Volk", ein Satz von vielen, mit dem er Sinn und Unsinn von Sein und Schein deutlich macht.

In drei Rollen schlüpft Georgi in diesem Programm. Zunächst ist er "Günther von RTL", der das Publikum aufheizt. Wenn er augenscheinlich und offenkundig von seinen Erlebnissen auf der Bühne und dahinter erzählt und von seiner Rolle als Kostümverantwortlicher bei der Sendung "Adam sucht Eva", bleibt das Offensichtliche zwar ungesagt, aber nicht verborgen. Das Publikum wird zum Spielball der Unterhaltungsprofis.

Spielbälle sind auch die Menschen, die "lieben Bürger, die sehr verehrten über den Tisch Gezogenen", über die Georgi anschließend in seiner Rolle als Seminarleiter, der kleine Maschmeier, redet. Dank seiner Freunde Gerhard, dem Gefärbten, und Christian, dem Wulf, sei es ihm möglich geworden, reich zu werden, nachdem es der Niedersachsenkönig verstanden habe, die staatliche Rente zu ruinieren und die private, vom kleinen Maschmeier verkaufte, zu protegieren.

Zum Verkauf benötigt man Verkäufer. Sie auszubilden im Rahmen eines Kurzseminars, dazu bedarf es Referenten, in diesem Fall Heinrich Tag. Er bringt den Interessenten bei, wie man was verkauft und was ein guter Verkäufer braucht: in erster Linie ein neues Auto. Und was geschieht mit dem alten? "Bevor wir uns die Krätze holen, verkaufen wir es schnell nach Polen." Tags Ratschlag bei dubiosen Verkäufen: "Da muss die Verkaufsprovision so hoch sein, dass nach Zahlen einer Kaution, um aus dem Gefängnis entlassen zu werden, noch etwas übrig bleibt."

Auch lebt ein guter Verkäufer davon, dass er immer wieder neue Märkte entdeckt und neue Bedürfnisse entfacht: "Es gib keinen Bereich, der ausgespart werden muss." Beispiel Gesundheit: Da würden abends Krankheiten publik gemacht, von denen morgens noch niemand wusste, dass es sie überhaupt gibt. Hauptsache, der Rubel rollt, weil irgendwie, irgendetwas verkauft wird an den Bürger, der nicht denken, sondern applaudieren und kaufen soll.

Mit einem Feuerwerk von Spitzen und Polemiken gegen die Mächtigen und Scheinheiligen dieser Welt entfachte Georgi Lacher am laufenden Band, fast schon zu schnell, um sie alle zu verarbeiten.

Fazit zum Schluss: Hat irgendwie Spaß gemacht - nicht nur Georgi, sondern auch dem Publikum.

Quelle: RP
 
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