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Wassenberg
Gespielte Geschichte

Wassenberg: Gespielte Geschichte
Therese Wasch (r.) und Berti Davids-Heinrichs entführen in die Zeit des Mittelalters. FOTO: Ruth Klapproth
Wassenberg. "Naturtheater" ist ein neues Projekt des Naturparks Maas-Schwalm-Nette, das jetzt in Wassenberg Premiere hatte. Gästeführerinnen spielen ein Stück aus der Zeit der Hexenverfolgung in freier Natur. Von Kurt Lehmkuhl

Es war schon eine ungewöhnliche Prozession, die unter der Führung von zwei mittelalterlich gekleideten Frauen durch den Wassenberger Wald zog. Gespannt lauschten die Menschen den beiden Frauen, die auf dem Weg durch die Natur ihre Geschichte von "Hebammenflucht und Hexenbrand" erzählten. Und die Erleichterung war groß, als es schlussendlich einen glücklichen Ausklang des dramatischen Geschehens gab, die Schwestern sich in ihrer Schwesternliebe fanden und sie das Not und Elend der Welt für kurze Zeit hinter sich ließen.

Auf den Spuren eines nicht gerade rühmlichen Teils der Wassenberger Historie hatten sich die Teilnehmer der besonderen Wander-Theater-Vorstellung in der Natur begeben: Die Hexenverbrennungen im Mittelalter, von denen es rund 50 gegeben haben soll, waren Thema. Therese Wasch und Berti Heinrichs-Davids, beide Gästeführerinnen im Verein Westblicke, hatten dieses Thema in dem neuen Projekt "Naturtheater" des Naturparks Maas-Schwalm-Nette bearbeitet. Jetzt stellten sie ihre Umsetzung der Öffentlichkeit vor.

Die Konzentration bei den Hauptdarstellern war nicht minder groß als das Interesse bei den Besuchern oder die Anspannung bei den Organisatoren. Niemand wusste so genau, was ihn erwartet, als es die Premiere von "Hebammenflucht und Hexenbrand" gab. "Das ist unsere elfte Version", bekannte Therese Wasch vor der Aufführung, "wir haben das Stück selbst geschrieben und haben dabei versucht, ein historisches Geschehen in der Natur darzustellen."

Das war auch der Ansatz des Naturparks, der das Projekt Naturtheater vor rund einem Jahr ins Leben gerufen hat, wie Silke Weich erläuterte. Die Mitarbeiterin des grenzüberschreitenden Naturparks war bei der Premiere ebenso dabei wie Regisseurin Marianne Hermans und Organisationsleiter André Claassen. "Es ist schön zu sehen, was aus unserer Idee geworden ist", freute sich Claassen. "Einfach nur toll", sagte Hermans über die Leistung der Wanderführerinnen, die in die Rolle von Schauspielerinnen geschlüpft waren. In acht Workshops haben Claassen und Hermans ein gutes Dutzend von Interessenten aus den Niederlanden und Deutschland auf das Naturtheater vorbereitet, mit ihnen an der Präsentation der unterschiedlichen Geschichten gearbeitet, an Szenen gefeilt und dramaturgische Feinheiten hervorgehoben.

Therese Wasch und Berti Davids-Heinrichs hatten ihre Idee schnell in eine Geschichte umgesetzt: Die in Geilenkirchen tätige Hebamme und Kräutersammlerin Similde wird nach der Geburt eines behinderten Kindes verdächtigt, eine Hexe zu sein. Sie flieht zu ihrer Schwester Marie nach Wassenberg, die eine Nachbarin als Hexe denunziert hat und in allem Übel der Welt Teufelswerk sieht.

Vom Verlorenenturm ausgehend führt der Weg der beiden Schwestern am Tag einer Hexenverbrennung zum Judenbruch, zum Teufelsstein und schließlich zum versöhnlichen Ende am Stiftsplatz. Wobei die Zweifel bleiben: "Hört das Brennen niemals auf?", fragt die von ihrer Schwester geschützte Similde. "Was wird in 500 Jahren sein?", fragt die in ihrem Weltbild verunsicherte Marie. Aber sie haben sich als Schwestern wiedergefunden, weil eine der anderen geholfen hat: die Hebamme Similde ihrer Schwester, weil sie ihr bei der Geburt des Sohnes Hannes das Leben rettete, Marie, weil sie Similde zu einen Neuanfang beim Propst von Wassenberg verhilft.

Der langanhaltende Beifall war der verdiente Lohn für die beiden Schauspielerinnen, die wissen, dass sie mit diesem Stück ein neues Publikum für ihre Wanderungen gewinnen können. Bei der Premiere war der Andrang so groß, dass viele Interessenten wieder nach Hause geschickt werden mussten. Die Gruppe wäre nicht mehr überschaubar gewesen.

Doch Therese Wasch und Berti Davids-Heinrichs haben einen Trost für alle, die bei der Premiere von "Hebammenflucht und Hexenbrand" nicht dabei sein konnten. Weitere Aufführungen sind am 30. Juli, 27. August und 17. September, jeweils ab 14 Uhr.

Quelle: RP
 
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