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Wassenberg
Grenzerfahrungen im jüdischen Leben

Wassenberg: Grenzerfahrungen im jüdischen Leben
43 Juden wohnten um das Jahr 1800 in und um Wassenberg. Wie sie gelebt und gearbeitet, wie sie in einer kleinen Synagoge ihren Glauben praktiziert haben, das lernen die Schüler an großen Infowänden. FOTO: JÜRGEN LAASER
Wassenberg. Juden als Sündenböcke und Verfolgte. Ausstellung aus den Jahren von 1800 bis 2000 in der Betty-Reis-Gesamtschule rückt Schicksale mit fünf Einzelbiografien in den Blick. Ab Mai im Wassenberger Bergfried zu sehen. Von Daniela Giess

Grenzerfahrungen - Jüdisches Leben zwischen Rhein und Maas: Jetzt wurde die gleichnamige Ausstellung im Oberstufengebäude der Betty-Reis-Gesamtschule eröffnet, die auf Initiative des Arbeitskreises Jüdisches Leben im Heimatverein noch bis zum 29. April den Mädchen und Jungen zugänglich sein wird. Im Anschluss daran ist die Dokumentation, die die Jahre von 1800 bis 2000 umfasst und von der Stiftung Rura mit Sitz im niederländischen Roermond ausgeliehen wurde, im Bergfried für eine breite Öffentlichkeit zu sehen.

Grenzerfahrungen habe es nicht nur im Grenzgebiet gegeben, sondern auch innerhalb der jüdischen Gemeinde, stellte Dr. Ludger Herrmann, der didaktische Leiter der Gesamtschule, heraus - zwischen orthodoxen und liberalen Juden, Männern und Frauen. Am Beispiel von fünf Einzelbiografien werde auch an unbekannte Menschen erinnert. "Unsere Gesellschaft wäre reicher und bunter ohne diesen Traditionsabbruch durch den Holocaust." Herrmann erinnerte in diesem Zusammenhang an die Namensgeberin der Schule, die aus der Brühl stammende, in Bergen-Belsen ermordete Jüdin Betty Reis. Zu ihrem Gedenken und aller ermordeten Juden in Europa habe die Schule ihren Namen erhalten.

Die gleichen Fehler dürften jetzt nicht wiederholt werden. "Menschen, die von fern zu uns kommen, sind eine Bereicherung, zum Beispiel Flüchtlinge, die nicht mal freiwillig kommen", betonte der Didaktische Leiter. Und weiter: "Durch ihre unterschiedlichen Kulturen bringen sie ihre Stärken und Talente ein."

Sepp Becker, Vorsitzender des Heimatvereins, führte in die Ausstellung ein. Die Juden seien häufig Fremde und Außenseiter gewesen. Sie seien oft vertrieben worden, hätten dabei aber immer fest an Gott und ihrem Glauben festgehalten. Nur zehn Prozent hätten Wohlstand und Achtung erreicht, 90 Prozent seien so genannte Landjuden gewesen, die immer als Schuldige hätten herhalten müssen, wenn es eine Pest oder Hungersnot gegeben habe.

Um 1800 habe es im Raum Wassenberg 43 Juden gegeben, 34 davon in Wassenberg, neun in Birgelen. Anno 1867 hätten diese Familien Geld zusammengelegt für den Bau einer kleinen Synagoge. Die Blütezeit der Wassenberger Juden habe, so Becker, zwischen 1860 und 1890 stattgefunden. "Einer hatte ein Textilgeschäft. Der verkaufte armen katholischen Familien die Kommunionkleider oft billiger oder schenkte sie ihnen sogar."

Dann die schlimme Zeit des Nationalsozialismus - 1941 planen die Nazis ein KZ in Wassenberg. "Zunächst kleine Benachteiligungen wurden immer größer", erklärte Becker den Gesamtschülern. So habe eine Heirat zwischen Christen und Juden als Rassenschande gegolten, die mit Gefängnis bestraft worden sei. Die Wassenberger Synagoge sei 1938 in Brand gesteckt worden.

Sepp Becker rief dazu auf, "dass wir alle uns für Frieden und Freundschaft einsetzen, damit so etwas nicht noch einmal geschehen kann".

Quelle: RP
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