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Wassenberg
Großbaustelle im Wald bis Jahresende

Wassenberg: Großbaustelle im Wald bis Jahresende
Mächtige Spundwände sichern seit kurzem die Baugrube für das neue Rückhaltebecken bei Haus Holland am Eingang zum Wassenberger Judenbruch. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Bagger graben derzeit die sieben Meter tiefe Grube für das neue Regenrückhaltebecken im Judenbruch an Haus Holland. Das künftige Stahlbetonbecken wird später mit Boden überdeckt und bepflanzt. Ein Baustellenbesuch. Von Angelika Hahn

Die Zeit des Rätselratens und Ärgers vieler Passanten über den großen abgeholzten Waldbereich am Eingang zum Judenbruch bei Haus Holland ist vorbei. Einige Monate lag die Fläche zum Unmut vieler Bürger brach, weil sich Voruntersuchungen des Geländes verzögert hatten. Seit Ende Februar ist die Baustelle für das neue Regenrückhaltebecken eingerichtet, der Bagger gräbt seit rund zwei Wochen unermüdlich Erde ab. Bis zur späteren Bodenplatte sieben Meter tief, rund die Hälfte ist bereits geschafft.

Eine mächtige Stahlspundwand wurde errichtet, sie sichert die Baugrube und hält die Erde im abschüssigen Gelände zurück. In diesen Tagen wird die Wand noch rückwärtig verankert, erfahren wir bei einer Baustellenbesichtigung mit Pressereferent Marcus Seiler und Walter Horres, dem projektleitenden Ingenieur des Wasser- und Bodenverbandes Eifel-Rur (WVER), der die Maßnahme durchführt.

Warum wurde es nötig, neben dem bestehenden, rund 800 Kubikmeter großen Überlaufbecken, das versteckt unter einem Erdwall zur Erkelenzer Straße hin liegt, ein weiteres 2750 Kubikmeter-Becken zu bauen? Bei besonders starken Regengüssen, so erfahren wir, reichte die Kapazität des bestehenden Überlaufbeckens nicht aus, um das Mischwasser, das sich aus häuslichen Abwässern und Regenwasser zusammensetzt, längere Zeit zu halten.

"Mischwasser darf bei starken Niederschlägen abgeleitet, zwischengespeichert und gedrosselt in Gewässer eingeleitet werden, um Kläranlagen nicht zu überlasten", erläutert Seiler die Wasserrahmenrichtlinie. Die stoßweisen Überläufe nach Starkregen hatten dem Bett des Gasthausbaches arg zugesetzt. Unter anderem solche Ausspülungen sollen künftig verhindert werden.

"Bei Abschlägen aus dem bestehenden Regenüberlaufbecken konnten bislang bis zu 2000 Liter in der Sekunde überlaufen. Durch den bedeutend größeren Stauraum mit dem neuen Becken kann dies gedrosselt und auf maximal 16 Liter reduziert werden, also wesentlich weniger", erläutert Seiler.

Auch die Einleitung in den Gasthausbach wird verlegt. Dazu wird im sogenannten Vortriebsverfahren - also ohne offene Baugrube - unter dem Gehweg am Waldrand parallel zur Erkelenzer Straße ein rund 400 Meter langer Ablaufkanal gebaut, der das Abschlagswasser künftig erst hinter dem Weiherbereich ins Flussbett einlässt, beschreibt Ingenieurin Vera Bloschies, stellvertretende Projektleiterin. Diese Vorgabe macht auch der aktuelle Landschaftsplan des Kreises, der den oberen Teil des Judenbruchs als einleitungsfreie Fläche definiert, wie Horres erläutert.

Für die Stadt ist die Fertigstellung dieser Baumaßnahme, die die Teiche entlastet, auch Voraussetzung für die geplante ökologische Aufwertung des Judenbruchs, das unter anderem einen Waldlehrpfad bekommen soll. Die alte Einlassstelle wird künftig nur noch als sogenannte Notentlastung genutzt werden, wenn - in seltenen Fällen - die Kapazitäten beider Rückhalteanlagen erschöpft sind.

Das neue Regenrückhaltebecken wird als unterirdisches Stahlbetonbecken gebaut und mit Boden abgedeckt. Der Wanderer im Judenbruch wird nach der Fertigstellung also keinen Beton mehr sehen, betonen die WVER-Vertreter zu Befürchtungen mancher Bürger. Bäume werden über dem Betonkubus freilich nicht mehr wachsen. Vorgesehen sei eine Bepflanzung mit Strauchwerk.

Ende des Jahres sollen die Arbeiten fertig sein. Die Kosten liegen bei dreieinhalb Millionen Euro.

Quelle: RP
 
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