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Wassenberg
HPZ Pskow eröffnet bald zweiten Anbau

Wassenberg: HPZ Pskow eröffnet bald zweiten Anbau
Es wird gebaut am HPZ in Pskow: Das Heilpädagogische Zentrum wächst weiter. Die politische Krise macht die Arbeit aller Akteure nicht einfach. FOTO: HPZ
Wassenberg. Das von der Ev. Kirchengemeinde Wassenberg gegründete Heilpädagogische Zentrum in der russischen Stadt bietet heute ein beispielhaftes Netz an Hilfen für behinderte Kinder. Das Vertrauen der Partner trotzt der politischen Krise. Von Angelika Hahn

"Russland-Image belastet Pskow-Hilfe" schrieb die RP Anfang dieses Jahres über die zurückgehende Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland vor dem Hintergrund der politischen Eiszeit in den Beziehungen Russlands zur EU durch Krim-Annexion und Ukraine-Krise. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert. "Die Situation ist gleichbleibend schwierig", resümieren Oberkirchenrat Klaus Eberl und Bernd Schleberger (früherer Leiter der Rurtal-Schule), der Vorsitzende und das Vorstandsmitglied der Initiative Pskow (IP), im RP-Gespräch.

Zudem mussten und müssen die sozialen Projekte für Menschen mit Behinderung in nordwest-russischen Stadt konkurrieren mit Hilfskampagnen für etliche Krisengebiete dieser Welt. "Das haben wir gerade beim Evangelischen Kirchentag an unserem Stand gespürt", berichtet Schleberger. Dort informierte die Ev. Kirchengemeinde Wassenberg, die in Pskow ab 1993, anfangs selbstständig, später unter dem Dach der IP, das russlandesweit einzigartige Heilpädagogische Zentrum (HPZ) für Kinder und Jugendliche aufgebaut und viele Jahre nahezu allein finanziert hat.

Gleichwohl bleibt das HPZ ein landesweit vorgezeigtes Erfolgsmodell, das, wie Eberl betont, trotz schwieriger gewordener Rahmenbedingungen auf festen Füßen und nun kurz vor der Eröffnung des zweiten Erweiterungsbaus steht. Er beherbergt eine Aula, weitere Klassen und Kita-Gruppen sowie einen Werkstufenbereich.

Stolz darf die IP auch darauf sein, dass sie ein wichtiges Ziel erreicht hat, wie Eberl erläutert: Der Oblast, vergleichbar mit einer Provinz bzw. einem Bundesland, hat als Träger die finanzielle und soziale Verantwortung für das HPZ übernommen. Unter dem Dach des HPZ, anfangs eine reine Behindertenschule, hat sich mit deutscher Unterstützung ein Netzwerk an Hilfen für geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche entwickelt: Es gibt eine Frühförderung, einen Vorschulbereich, Kindergarten-Gruppen und eine Werkstufe, in der Jugendliche auf die Arbeit in der Behindertenwerkstatt der IP vorbereitet werden - die ihrerseits rund 180 Menschen mit Behinderung Beschäftigung bietet.

Auch Betreutes Wohnen in Wohnungen, finanziert von russischer Seite und den deutschen Partnern, entwickelt sich unter dem Dach des HPZ, ebenso ein Betreuungsdienst. Für Behinderte in abgelegenen Orten, die nicht ins HPZ kommen können, wurde ein Lernprogramm per Internet konzipiert. Und HPZ-Leiter Andrej Zarjow, der übrigens perfekt Deutsch spricht, wirbt als Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften und im Expertenrat des Präsidenten für die Förderung von Menschen mit Behinderung.

Trotz des Engagements des Oblasts bleiben die von der IP gegründeten Einrichtungen auf Spenden angewiesen: So zahlt die evangelische Kirchengemeinde Wassenberg etwa den Aufzug im HPZ-Neubau, und die IP (mit ihren Stiftungen) finanziert außerdem die Inneneinrichtung. An den Gehältern der rund 60 HPZ-Mitarbeiter, die mittlerweile auch der Oblast bezahlt, allerdings sei die wirtschaftliche Krise in Russland abzulesen. "Die ohnehin kleinen Löhne sind um rund zehn Prozent gekürzt worden, weil man Zulagen gestrichen hat", sagt Eberl. "Die Beschäftigten spüren die Kürzungen der Sozialausgaben, es wird ohne Ende rationalisiert."

Klaus Eberl und Bernd Schleberger freut aber, dass trotz der politischen Krise das Vertrauen der Partner vor Ort eine sichere Basis geblieben ist. Eberl: "Man signalisiert uns ständig: ,Bitte zieht euch nicht zurück.' Wenn es der Politik nicht gelingt, Frieden zu schaffen, ist das Engagement der Zivilgesellschaften umso wichtiger."

Quelle: RP
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