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Wassenberg/Pskow
HPZ Pskow ist jetzt doppelt so groß

Wassenberg/Pskow: HPZ Pskow ist jetzt doppelt so groß
Der Engel wurde in der Holzwerkstatt gefertigt. FOTO: INITIATIVE PSKOW (ARCHIV)
Wassenberg/Pskow. Weil in Russland Geld fehlt, kam es zu Verzögerungen. In diesen Tagen kann nun der Erweiterungsbau des von der Ev. Kirchengemeinde Wassenberg geförderten Behindertenzentrums endlich in Betrieb genommen werden. Von Angelika Hahn

"Wenn es der Politik nicht gelingt, die Brücken zwischen den Nationen belastbar zu halten, sind die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem zivilgesellschaftlichen Einsatz umso wichtiger", schreibt Oberkirchenrat Klaus Eberl aus Wassenberg als Vorsitzender der Initiative Pskow (IP) in der Evangelischen Kirche im Rheinland im Rundbrief der IP vor Weihnachten.

Der HPZ-Erweiterungsbau - hier eine Aufnahme von der Baustelle im Sommer 2015 - wird in diesen Tagen bezogen. Der Neubau bietet weitere Schul- und Kindergartenräume, eine Aula und einen Therapieraum. FOTO: HPZ

Das bezieht sich ganz besonders auch auf die Arbeit des von der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg 1991 in der russischen Stadt gegründeten und weiterhin geförderten Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) für Kinder mit geistiger und mehrfacher Behinderung - das längst nicht mehr nur Behindertenschule ist, sondern Dach für vielfältige Förderangebote: Frühförderung, Kindergarten, Schule und Betreutes Wohnen gehören dazu, ebenso die Körperbehindertenschule der Stadt. Der Oblast (Provinz, mit einem Bundesland vergleichbar) ist mittlerweile der Träger, aber nach wie vor auf die Unterstützung der deutschen Partner angewiesen.

Und so freut es Eberl, endlich die Inbetriebnahme des HPZ-Erweiterungsbaus in diesen Tagen bestätigen zu können: Zwei Schulklassen, Räume für drei Kita-Gruppen, eine große Aula und ein Therapieraum sind neu entstanden. Nach den Ferien werden die mittlerweile über 160 Schulkinder und 30 Kita-Sprösslinge nicht mehr in zwei Schichten unterrichtet und betreut werden müssen.

Denn die ursprünglich schon für Sommer geplante Fertigstellung des Neubaus verzögerte sich. "Leider machte sich hier das Fehlen staatlicher Gelder bemerkbar", sagt Eberl. Die angespannte politische Lage zwischen EU und Russland und der Wirtschaftsboykott hätten deutliche Auswirkungen auf den Sozialsektor, stellt Eberl fest. "Die Kirchengemeinde Wassenberg hat noch einmal bis an ihr Limit Geld für die Fertigstellung zugeschossen, und auch die IP konnte 17.500 Euro für die Inneneinrichtung beisteuern", berichtet Eberl. Immerhin hat der Oblast den Hauptanteil des 600.000-Euro-Projektes getragen.

Stadt und Provinz wissen nämlich längst um ihre Vorbildfunktion in Sachen zeitgemäßer Behinderten-Integration, die in Russland keineswegs selbstverständlich ist. "Kürzlich hat der russische Bildungsminister das HPZ besucht, er soll sich beeindruckt geäußert haben", berichtet Eberl. HPZ-Direktor Andrej Zarjow ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und landesweit auf Achse, um das Pskower Modell vorzustellen. Es gebe inzwischen erste Nachfolge-Projekte. "Da hat sich, trotz der Krise, enorm viel getan in letzter Zeit", sagt Eberl zufrieden.

Das betrifft auch die Behindertenwerkstatt der Initiative Pskow gegenüber dem HPZ mit rund 180 behinderten Beschäftigten und rund 70 unterstützenden Mitarbeiten. Die alten Holzhäuschen des Tagesförderbereichs wurden gerade renoviert, das mittlerweile 20 Jahre alte Gewächshaus der Gärtnerei saniert. Die Einrichtung verfügt über eine Näherei, Kartonagenbearbeitung, eine Holzabteilung, eine Wäscherei, eine Metallwerkstatt und eine Abteilung für Landwirtschaft. Zu ihren Kunden gehören ein Pskower Hotelbetrieb und ein Pizzaservice. Die Rollstuhlreparatur, Gartenmöbel- und Werbetaschen-Produktion sind gefragt. Ein Renner bleiben die auch in Deutschland populären Holzsteckspielzeuge bei Jung und Alt.

"Am meisten gefreut und richtig stolz gemacht hat unsere Beschäftigten und alle Mitarbeiter der Pskower Werkstatt die große Nachfrage nach dem Pskower Engel, der ja Trostspender beim Trauergottesdienst für die Flugzeugabsturzopfer im Kölner Dom war", sagt Eberl. Bis heute wird die kleine Holzplastik nachgefragt, entsprechend aktiv bleibt die Pskower Werkstatt bei der Produktion des Nachschubs.

Quelle: RP
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