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Wassenberg
Innenstadt lahmt, Baugebiete boomen

Wassenberg: Innenstadt lahmt, Baugebiete boomen
Grundstücke in Wassenberg sind begehrt: In Birgelen wachsen Neubaugebiete wie hier an der Straße Kasparsweide. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Wassenberg bekommt die B 221-Umgehung. RP-Gespräch mit Bürgermeister Manfred Winkens über die längerfristigen Perspektiven der Stadt. Kanalsanierung und Umgestaltung der Graf-Gerhard-Straße sollen frühzeitig begonnen werden. Von Angelika Hahn

Nach der Erleichterung über die Freigabe der Bundesmittel für den Bau der Wassenberger B 221-Ortsumgehung denkt Bürgermeister Manfred Winkens natürlich voraus. Im Mittelpunkt steht für ihn dabei die Bemühung, möglichst schnell mit Überlegungen zu beginnen, wie das Gesicht der Graf-Gerhard-Straße nach Fertigstellung der Umgehung aussehen soll. "Damit dürfen wir nicht fünf Jahre warten", betont Winkens. Dabei könnte das Konzept, dass Stadtplaner Jochen Meyer-Brandis im Rahmen seiner Stadtsanierungsvorschläge für einen verkehrsberuhigten Umbau vor rund acht Jahren umrissen hat, in einer verkleinerten Form wieder aktuell werden, meint Winkens. "Die Straße bedarf ohnehin dringend einer umfassenden Kanalsanierung, damit könnte eine Umgestaltung schon vor der Eröffnung der Umgehung in Angriff genommen werden. Ich hoffe, dass es dafür Zuschüsse gibt. Auf jeden Fall werden wir frühzeitig die Anträge stellen müssen", sagt der Bürgermeister. Er unterstützt den CDU-Vorschlag einer Arbeitsgruppe, die sich nun bilden sollte, um Konzepte für die Innenstadt mit ihren bekannten Leerstandsproblemen zu entwickeln.

Denn in der Tat scheint sich die Gewerbeflucht von der heute noch innerstädtischen, verkehrsbelasteten B 221 (Kirchstraße/Graf-Gerhard-Straße) von Woche zu Woche zu verschärfen. Das Bild prägen zu Vermietung oder Verkauf stehende, leere Immobilien im Ortskern, mit Firmenbüros besetzte Ladenlokale und wenige, nicht sonderlich attraktiv dekorierte Geschäfte.

Noch sind konkrete Vorschläge vor dem Hintergrund des andauernden Lamentos über Leerstände Mangelware. Die Stadt als Käufer solcher Häuser, um selbst mehr Einfluss auf Nutzung und Gestaltung der Innenstadtgebäude zu bekommen? - Für Winkens durchaus eine diskutierbare Möglichkeit. Denkverbote soll es nicht geben. Der Bürgermeister ist aber Realist, wenn es um die Träume von einer als Geschäftszentrum wiederbelebten Graf-Gerhard-Straße geht. "Wassenberg wird keine Einkaufsstadt werden. Die Leute zieht es in die umliegenden größeren Städte mit Geschäftszentren - und sie kaufen immer mehr im Internet ein. Wir müssen für Wassenberg andere Ziele haben: Hier muss man hinkommen wollen, um seine Freizeit zu verbringen oder lecker Essen zu gehen." Also die noch unlängst vom Rat beschlossene Veränderungssperre für die leeren Ladenlokale wieder aufheben? Auch das, so Winkens, könne in einer künftigen Projektgruppe überlegt werden.

Anregungen erhofft sich die Stadt vom "Netzwerk Innenstadt", dem Wassenberg kürzlich beigetreten ist. Der Verbund vereint Städte mit ähnlichen Problemen, von denen man möglicherweise lernen könne, sagt Winkens. Auch über Personelles wird im Stadtrat zu reden sein. Braucht die Stadt eine Art Wirtschaftsförderer oder anderweitig mehr Personal, um die genannten Probleme wirksam anzupacken? Winkens bekennt, dass er dies sehr begrüßen würde.

Dennoch wehrt sich der Bürgermeister gegen pauschale Miesmacherei. "Die Stadt ist finanziell gut aufgestellt, braucht längerfristig kein Haushaltssicherungskonzept zu fürchten, und - was vor allem wichtig ist - wir wachsen noch." Wassenberg werde nach den Prognosen der Bertelsmann-Studie bis 2030 mit das prozentual größte Wachstum im Kreisgebiet haben. "Unsere Kindergärten und Schulen sind nicht gefährdet", betont Winkens. Und während man von der Graf-Gerhard-Straße derzeit eher wegzuziehen scheint, boomt der Siedlungsgürtel an der Peripherie. "Unsere Neubaugebiete sind attraktiv, die Nachfrage nach Grundstücken ist ungebrochen groß." Während mit den Baugebieten 80 A/B Wassenberg und Birgelen zusammenwachsen werden, hat die Stadt schon weiteres Entwicklungspotenzial für Bauland im Großbereich hinter der Stadtverwaltung im Auge.

Auch dass sich im Gewerbegebiet Forst unweit der L117 derzeit einiges tut, freut den Bürgermeister: Am Kreisverkehr entsteht eine große Tankstelle mit Shop. Auffallend sind zudem die wachsenden Hallen der Firma Artec Messebau.

Quelle: RP
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