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Wassenberg
Kapellchen und Wegekreuze erzählen Dorfgeschichte

Wassenberg: Kapellchen und Wegekreuze erzählen Dorfgeschichte
Peter Ritzerfeld (r.) mit Wilfried Ritterbecks vom Dorfverschönerungsverein vor dem Kreuzkapellchen am Ortseingang Ophovens. Es wurde vor 15 Jahren von seinem alten Standort Stein für Stein versetzt. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Wassenberg. Zu Ostern bekommt "et Ruppschkrütz" in jedem Fall eine frische Kerze, einen frischen Anstrich hat es schon erhalten in Feldgrün. Und das "Ruppschkrütz" ist nicht das einzige Wegekreuz in und um Ophoven, dem viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, denn Peter Ritzerfeld kümmert sich täglich um die öffentlichen "Merkmale" des Örtchens nahe der Rur. Von Willi Spichartz

Und er kennt teilweise deren Geschichte, vor allem die der Kreuze und deren Namensgebung.

"Et Ruppschkrütz", in der Feldgemarkung Richtung Dohr (an der Verlängerung der Feldstraße) gelegen, bezieht seinen Namen, so der 86-jährige, äußerst vitale Rentner und Jagdaufseher Peter Ritzerfeld, von einem als Schädling auftretenden Kleintier, der Raupe, mundartliche "Ruppsch", des Schmetterlings "Prozessionsspinner", dessen zahlreiche Nachkommen auch die beiden alten Bäume des Anfang der 1940er Jahre errichteten Feldkreuzes geschädigt hatten.

Peter Ritzerfeld, ältestes Mitglied des aktiven Dorfverschönerungsvereins, steht allerdings nicht allein mit seiner Fürsorge für Ophovens Wegekreuze und Feldkapellchen. Der Dorfverschönerungsverein (DVV) kümmert sich laut Schriftführer Wilfried Ritterbecks seit 2003 um das Ortsbild und die sozialen Beziehungen im Marien-Wallfahrtsörtchen mit seinen etwas mehr als 700 Einwohnern.

Und da ist geplant, alle Kreuze und Kapellchen zu katalogisieren und zu beschreiben. Dahinter steht vor allem auch der Gedanke, die Kenntnisse festzuhalten, bevor sie verloren gehen für künftige Generationen.

Und da gibt's noch eine Generationen-Spanne, wie sie sich am Heiligenhäuschen in der Schützenstraße am Ortsausgang Richtung Kempen zeigt, das laut einem eingemauerten Stein 1889 errichtet worden ist. Peter Ritzerfeld in seinen Jugendtagen noch Beteiligte von der Errichtung vor 126 Jahren sprechen können, er deckt damit eine Spanne über drei Jahrhunderte ab.

Der heutige Standort ist allerdings nicht der ursprüngliche, der lag rund 30 Meter weiter in Richtung Ortsmitte, musste vor etwa 15 Jahren wegen des Neubaugebiets aufgegeben werden. Die Versetzung sollte dann mit Großgerät bewerkstelligt werden - ein Riesenbagger sollte den Ziegelbau als Ganzes packen und zum neuen Standort hieven.

Doch beim Anheben fiel das Gebäude komplett auseinander. Wie sich herausstellte, waren ins Mauerwerk eingedrungene Baumwurzeln für die Destabilisierung verantwortlich. Peter Ritzerfeld und weitere Helfer packten an, jeder einzelne Ziegelstein wurde von alten Mörtelresten befreit und per Schubkarre zum heutigen Standplatz transportiert und von Fachleuten einer Heinsberger Baufirma und eines Ophovener Dachdeckers wieder aufgebaut. Neben einem Holzkreuz mit Christus-Korpus und einer Friedenstaube enthält der obere Sims ein für Heiligenhäuschen seltenes Element, nämlich "Das Auge der Vorsehung" mit dem Schriftzug "Sein Auge sieht alles". Ein Auge (Gottes) in einem Dreieck mit Strahlenbündel als Symbol des Alles-Sehenden.

Der Bauer Lorenz Eder hat "et Ruppschkrütz" gestiftet, die Bäume gepflanzt. Doch vor einigen Jahren war der aus einer seltenen Metall-Legierung bestehende Christus-Korpus in zahlreiche Stücke zerschlagen. "Watt es met ossen Herjott do henge? Ech hann jeweint", erinnert sich Peter Ritzerfeld an starke Gefühle. Er initiierte eine Reparatur - und übergab die Kreuzanlage seinen Jägerkollegen zur Betreuung und Instandhaltung.

Quelle: RP
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