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Wassenberg
Licht ins Dunkel bringen wie Martinus

Wassenberg: Licht ins Dunkel bringen wie Martinus
Der Heilige Martin - die katholische Grundschule in Wassenberg-Orsbeck trägt seit etwas mehr als einem Jahr den Namen von Martinus in ihrem Namen und macht das Fest zum Unterrichtsinhalt. FOTO: Jürgen Laaser/Dackweil (Archiv)
Wassenberg. Die Laternen zu St. Martin sind nicht nur schön anzugucken, erfahren die Kinder der Martinus-Grundschule Orsbeck. Sie lernen auch, dass das Martinsfest zur Mitmenschlichkeit auffordert. Zu Gast im Unterricht mit Erstklässlern. Von Angelika Hahn

Das Sankt-Martinsfest ist nahe. Viele Kinder in Schulen und Kindergärten basteln in diesen Tagen fantasievolle Laternen. Noch schöner, wenn neben dem Bastelspaß auch der Hintergrund des Martinsfestes nicht zu kurz kommt. So wie es sich die katholische Grundschule Orsbeck, die seit etwas mehr als einem Jahr den Namen von Martinus trägt, auf ihre Fahnen geschrieben hat. Den Schulkindern soziale Umsicht, Sinn fürs Teilen und Mitmenschlichkeit zu vermitteln, ist Schulleiterin Elvira Tholen ein besonderes Anliegen.

Wir sind zu Gast in ihrer Religionsstunde zum Thema St. Martin. Im Kreis sitzen Erstklässler, in der Mitte auf dem Boden füllt sich zur Geschichte vom römischen Soldaten St. Martin, die von Tholen teils vorgelesen und teils erzählt wird, ein rundes weißes Stück Papier mit ausgeschnittenen Symbolen für fünf Häuser, vier rote und ein weißes. Das weiße Haus in diesem Dorf ist die Wirtschaft, in der St. Martin mit der raubeinigen Soldatentruppe spielt und fast alles verliert. Martin hat Würfel gespielt, wissen die Kinder - ein Spielwürfel und ein kleiner Krug werden auf die Szene gesetzt. Elvira Tholen liest die Geschichte von dem zerlumpten Menschen, der den Soldaten auf dem Nachhauseweg die Bettelschale hinhält - die mittlerweile ebenfalls auf dem Boden steht. Aber der Bettler erfährt Hohn und Spott. Nur St. Martin hält inne. Die Kinder wissen, wie es weitergeht: Er hat Mitleid, teilt den Mantel - ein großes rotes zerschnittenes Tuch, mit Klettverschluss zusammengehalten, das die Jungen und Mädchen auch für ein Martinsspiel benutzen. Auch dieses Symbol wird neben einem Licht - das für Wärme und Menschlichkeit steht - dem Dorfszenario hinzugefügt.

FOTO: Laaser, Jürgen (jl)

St. Martin ist ein Licht für seine Mitmenschen. "Wenn er kommt, zünden wir in der Kirche die Laternen an", stimmt Elvira Tholen die Kinder auf die Martinsfeier in der ebenfalls Martinus gewidmeten Orsbecker Kirche ein. Dann wird ein Lied für die Feier geübt "... vergiss die Anderen nicht, drum brennt das kleine Licht". Und die Lehrerin lenkt den Blick der Kinder aufs Heute. "Wer, denkt ihr, kann eure Hilfe gebrauchen? Mit wem teilt ihr denn im Alltag?" - Emilie und Laura berichten, dass sie Süßigkeiten mit den Freundinnen teilen. Ja, und auch den Radiergummi. Merle teilt Hosen und Shirts mit ihrer Schwester, auch Buntstifte muss man nicht allein benutzen, berichten die Kinder.

Dann fragt Tholen nach Leuten, "die es nicht so gut haben wie wir, die nicht zu Hause sein dürfen", weil Krieg und bittere Armut herrschen - Flüchtlinge. "Ich habe gestern im Fernsehen Menschen in Zelten gesehen, und eins hat gebrannt", sagt eines der Kinder. Im vergangenen Jahr haben die Kinder zu St. Martin Spielzeug für Flüchtlinge mitgebracht. Auch diesmal wird es eine ähnliche Aktion geben.

Kürzlich haben Kinder der Martinus-Schule Kunststofflineale gesammelt, die sich eine Schule in Kenia sehnlichst gewünscht hat, für die sich Elvira Tholen in einem Hilfsprojekt engagiert. Rund 70 Lineale kamen zusammen, erzählt die Schulleiterin uns später nicht ohne Stolz.

Wichtig ist Elvira Tholen aber auch, dass die Kinder vom rein Materiellen abstrahieren lernen. "Auch Zeit zu schenken, kann wichtig sein", sagt sie. Etwa mit Oma und Opa etwas gemeinsam zu tun oder zu alten Menschen in der Nachbarschaft zu gehen, die einsam sind. "Ich spiele mit Opa immer ,Mensch ärgere dich nicht'." - "Ich koche mit Oma", sprudelt es aus Kindermündern.

"Vergiss den Anderen nicht", heißt es wieder beim Schlusslied. Die Orsbecker Erstklässler wissen, was damit gemeint ist.

Quelle: RP
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