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Wassenberg
Metall-Mülleimer klappert als Rüstung

Wassenberg: Metall-Mülleimer klappert als Rüstung
Die am Hörspiel "Vorsicht, fliegende Burg" Beteiligten um Dozent Ulrich Land (M., mit CDs). FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. "Vorsicht, fliegende Burg" heißt das erste Hörspiel der Wassenberger Sommerakademie, für das ein Hörspiel-Experte zehn Kursteilnehmer eine Woche lang anleitete. Gestern wurde das Ergebnis in der Begegnungsstätte präsentiert. Von Daniela Giess

Burg Wassenberg soll verkauft werden. Dubiose Investoren liebäugeln mit der Idee, auf dem geschichtsträchtigen Areal einen quirligen Freizeitpark entstehen zu lassen. Doch erstmal hebt das altehrwürdige Anwesen ab. "Vorsicht, fliegende Burg" heißt das erste Hörspiel der Wassenberger Sommerakademie, das in der vergangenen Woche entstanden ist.

Die zehn Teilnehmer entwickelten die fantasievolle Geschichte, die gestern in der Begegnungsstätte der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Dabei ließen sich die Zuhörer eine knappe Stunde lang auf eine ungewöhnliche Zeitreise ein, bei der sie unter anderem auf Reichskanzler Otto von Bismarck (gesprochen von Björn Tribukait), den bekannten Dichter Heinrich Heine (Peter Hellerer) und eine feine Dame aus Düsseldorf (Conny Roßkamp) mit ihrem schwarzen Pudel "Lady" trafen.

Auf Burg Wassenberg führt Burgherrin Maria Babette Jolante Elisabeth Packenius (Irmgard Stieding) ein strenges Regiment, und auch eine Hexe (Wiltrud Laser-Mauder) und ein Ketzerinnen-Zirkel (Verena Jeschke, Ursula Kurzweg) treiben in den historischen Gemäuern ihr Unwesen. Raumpflegerin Else alias Marion Meyers gibt ständig ihren Senf hinzu. Spannend wird es, als der österreichische Kaiser Franz-Josef erstochen wird und man sich gemeinsam auf die Suche nach dem Mörder macht. Angeleitet von Dozent Ulrich Land entwickelten die Akademie-Teilnehmer in sieben Stunden täglich ein mitreißendes Konzept für die Wassenberger Hörspiel-Produktion. Der Hörspiel-Experte, der mit seinen Produktionen öffentlich-rechtliche wie auch private Sender bedient, steuerte als Sprecher bei "Vorsicht, fliegende Burg" bekannte Zitate aus Heines "Deutschland, ein Wintermärchen" bei.

Für Ton und Technik zeichnete Martin Dalz verantwortlich. "Gestern Abend um halb elf sind wir erst fertig geworden", verriet der Wassenberger. Anders als beim Hörbuch, das lediglich eine Geschichte erzähle, sei neben schauspielerischem Talent auch der Einsatz von Geräuschen gefragt. "Die klappernde Ritterrüstung haben wir mit Hilfe eines Metall-Mülleimers dargestellt", berichtete er. Insgesamt achteinhalb Stunden Material wurden aufgenommen und auf 47 Hörspiel-Minuten gekürzt.

"Das war etwas ganz anderes als eine Erzählung oder ein Gedicht, das man zusammen entwickelt", zog Teilnehmer Martin Dalz ein positives Resümee. Auch Ursula Kurzweg, die Vorsitzende des veranstaltenden Vereins "Bücherkiste", und ihre Vorstandskollegin Irmgard Stieding waren zufrieden. "Die Resonanz war gut, wir werden im kommenden Jahr wahrscheinlich wieder ein solches Projekt anbieten", erklärte Irmgard Stieding.

Besonders wichtig war den Teilnehmern bei der Umsetzung der lokale Bezug. So habe es die Bürgermeisterfamilie Packenius, die auch Burgherren in Wassenberg gewesen seien, tatsächlich gegeben, Bismarck und auch Heine hätten sich seinerzeit wirklich im Ort aufgehalten und im Gasthof Zur Post übernachtet, erklärte Stieding.

Quelle: RP
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