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Erkelenz
Mit dem Solarexpress durchs Grenzland

Erkelenz: Mit dem Solarexpress durchs Grenzland
Vertreter der Stiftung "Gastvrij Roerdalen-Wassenberg" luden Vertreter der benachbarten Kommunen und Kreise am Mittwoch zur Probefahrt mit der solarbetriebenen Bahn durchs Meinweggebiet ein. Ein ähnliches Modell der Sittarder Firma soios soll künftig durch die Region rollen. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Mit einer neuen Idee wollen Roerdalen und Wassenberg Tourismus und grenzüberschreitende Beziehungen ankurbeln. Der Verein "Gastvrij" stellte sein Projekt "Sonnenexpress" vor. Die Initiatoren hoffen auf Förderung durch die Euregio. Von Angelika Hahn

Im Zoo von San Diego und einer stattlichen Reihe andere Touristenziele in und außerhalb Europas ist der "Sonnenexpress" der Sittarder Firma soios bereits ein Renner bei Besuchern. Das könnte die solar- und elektrobetriebene Bahn künftig auch bei Gästen und Einheimischen der Nationalparkregion Meinweg werden - davon ist die Stiftung Gastvrij Roerdalen-Wassenberg überzeugt. Umweltschonender Tourismus würde so beispielhaft verkörpert.

Der Verein bemüht sich um grenzüberschreitende Zusammenarbeit und möchte den Tourismus in der Grenzregion ankurbeln und dadurch auch die Wirtschaft fördern. Der Verein "Gastvrij" (für gastfreundlich), dem rund 45 mit dem Fremdenverkehr verbundene Unternehmen - davon bislang freilich nur drei aus Wassenberg - angehören, stellte das Projekt jetzt im Vlodroper Boshotel Vertretern der Kommunen und Wirtschaft beiderseits der Grenze vor. Einschließlich einer Probefahrt nach Effeld (und zurück) mit einer Bahn, die Soios aus ihrem Einsatzort Bispingen in der Lüneburger Heide nach Roerdalen geordert hatte.

Barrierefreiheit garantiert: In Effeld führte soios-Vertreter Ettarfass (3.v.l.) Bürgermeister Winkens (2.v.r.) die ausziehbare Rampe vor. FOTO: Hahn

Theo Neijnjens und Math van Bommel von Gastvrij berichteten von den schon seit längerem laufenden Vorbereitungen in einer Arbeitsgruppe des Vereins samt einer Machbarkeitsstudie. Die hatte die Idee eines grenzüberschreitenden Einsatzes einer solchen Bahn als sinnvolles Projekt befürwortet.

Die Ideen, die auf den Tisch kamen, sind in der Tat vielfältig: Die flexibel einsetzbare Bahn könnte nicht nur (nach Reservierung) Touristengruppen Natur und Geschichte in der Nationalparkregion in grenzüberschreitenden Sightseeing-Touren nahebringen, auch ein regelmäßiger Fahrplan mit Stationen an bestimmten Sehenswürdigkeiten und Gastronomieadressen ist angedacht. "Wirtschaft und Kunden profitieren gleichermaßen davon", sind sich die Initiatoren von Gastvrij sicher. Mehr noch: Die Bahn könnte mit Fahrten etwa zu Stadtfesten diesseits und jenseits der Grenze den Veranstaltern neue Besucherkreise erschließen und den Blick über den Tellerrand des eigenen Wohnortes öffnen.

Math van Bommel legte Wert auf den Hinweis, dass auch die einheimische Bevölkerung profitieren werde. Nicht nur er sieht es als umweltfreundliche Alternative für die wachsende Gruppe älterer Menschen, mobil zu bleiben und Geselligkeit zu pflegen. Auch für Schulen, Familien und behinderte Menschen sieht Gastvrij ideale Chancen zur Einbeziehung.

Wie das aussieht, zeigte Hamadi Ettarfass von der Firma soios, die Auftraggebern maßgeschneiderte Bahnen für ihre Zwecke liefert, etwa mit ausbaubaren oder hochklappbaren Sitzen. Die ausziehbare Rampe für Rollstuhlfahrer führte Ettarfass vor Haus Wilms in Effeld vor, wo Gastvrij-Mitglied Birgit Wilms-Regen zur Rast mit Spargelsüppchen eingeladen hatte. Sie ist begeistert von der Idee des gemütlichen "Express" und wünscht sich noch mehr Kooperationspartner in Wassenberg.

Bürgermeister Manfred Winkens versprach, die gute Sache zu unterstützen. "Ich bin dabei." Er will sich für Kooperation in der Wassenberger Gastronomie und Geschäftswelt einsetzen und gezielt den Gewerbeverein ansprechen. Denn das Projekt wird von Zusammenarbeit und vielen Unterstützern leben, machte auch Ulrich Schirowski von der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft für den Kreis Heinsberg deutlich, der dabei auch den Heinsberger Tourist Service vertrat.

Allerdings müsse das Projekt, das Gastvrij allein nicht wird finanzieren können, professionell organisiert werden und Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen. Das Interreg-Programm der Euregio sei für einen Förderantrag die richtige Adresse. Auf rund eine halbe Million Euro, schätzt Gastvrij die Investition, an der sich der Träger dann zu 20 Prozent beteiligen müsste. Gern nahmen die Gastvrij-Sprecher Schirowskis Angebot an, mit Rat und Tat bei der Antragstellung zur Seite zu stehen. "Das Projekt hat touristisches Potenzial, wenn es gut vermarktet wird", betonte Schirowski. Mit rein ehrenamtlicher Organisation wird es wohl nicht gehen, war allen klar. Über eine professionell betriebene Geschäftsstelle für die Bahn mit ganzjähriger Einsatzmöglichkeit soll nachgedacht werden.

Roerdalens Beigeordneter Jan den Teuling sah das ebenso: "Ich bin positiv überrascht, aber wir brauchen noch mehr Partner und eine sichere Finanzierung, damit Kontinuität gewährleistet ist und die Bahn auch in 15 Jahren noch rollt."

Die Beteiligten hoffen, das Projekt "Sonnenexpress" nun zügig realisieren zu können. Ein Start im Sommer nächsten Jahres wird ins Auge gefasst.

Quelle: RP
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